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Deutsche Stiftung für Herzforschung zeichnet Arbeit mit August Wilhelm und Lieselotte Becht-Forschungspreis aus

Vorhofflimmern ist mit etwa 1,8 Millionen Betroffenen die häufigste Herzrhythmusstörung und verursacht ca. 30.000 Schlaganfälle pro Jahr in Deutschland. Vorhofflimmern führt zu einem erhöhten Schlaganfallrisiko. In der linken Herzvorkammer (Vorhof), vor allem im Vorhofohr (einem kleinen Blindsack, der am Vorhof hängt), entstehen beim Vorhofflimmern vermehrt Blutgerinnsel. Diese können dann, vom Blutstrom mitgeschleppt, Arterien im Gehirn verschließen und so einen Schlaganfall verursachen (Infos: www.herzstiftung.de/Herzrhythmusstoerungen-Sonderband.html). Vorhofflimmern kann außerdem unangenehmes schnelles Herzklopfen verursachen und die körperliche Leistungsfähigkeit einschränken. Diese Rhythmusstörung kann in vielen Fällen durch eine Katheterablation, bei der Vorhofgewebe verödet wird, dauerhaft beseitigt werden. Eine seltene Nebenwirkung dieser Therapie ist, dass dabei Schlaganfälle ausgelöst werden können.

Deutsche Stiftung für Herzforschung  zeichnet Arbeit mit August Wilhelm und Lieselotte Becht-Forschungspreis aus
v. l. n. r.: Prof. Dr. Udo Sechtem, Vorsitzender der DSHF; Lieselotte Becht, Stifterin; Dr. Jedrzej Kosiuk, Preisträger; Prof. Dr. Hellmut Oelert, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der DSHF. Foto: Thomas Hauss/DGK

In einer Forschungsarbeit konnte Dr. med. Jedrzej Kosiuk, Abteilung für Rhythmologie am Herzzentrum Leipzig – Universitätsklinik, belegen, dass die anatomische Beschaffenheit des linken Vorhofohrs – man unterscheidet vier Kategorien – einen Einfluss auf das Risiko für die Bildung von Thromben bei einer Ablationstherapie hat. Diese Arbeit mit dem Titel „Bedeutung der Morphologie des linken Vorhofohrs für das Schlaganfallrisiko im Zusammenhang mit einer Katheterablation von Vorhofflimmern“* wurde als beste von insgesamt neun Arbeiten auf der Herbsttagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) mit dem August und Wilhelm und Lieselotte Becht-Forschungspreis der Deutschen Stiftung für Herzforschung (DSHF) ausgezeichnet. Der Preis ist mit 15.000 Euro dotiert.

„Das Modell von Dr. Kosiuk zur Abschätzung des individuellen Schlaganfallrisikos durch Thrombenbildung während einer Katheterablation – anhand anatomischer Eigenschaften des linken Vorhofohrs – ist bisher einmalig und ein innovativer Beitrag zur Schlaganfallbekämpfung bei Patienten mit Vorhofflimmern. Die Studie ist deshalb eine wichtige Grundlage für weitere Untersuchungen“, würdigte Prof. Dr. med. Udo Sechtem, Vorstandsvorsitzender der DSHF die Arbeit.

Indikator für erhöhtes Schlaganfallrisiko: die „Chicken-wing“-Form

Gerinnsel im linken Vorhofohr
Die Ultraschallaufnahme zeigt ein Gerinnsel im
linken Vorhofohr, das vom Blutstrom mitgerissen
einen Schlaganfall verursachen kann.
Aufnahme: Klinikum Brandenburg

Die Studie basiert auf einem der weltweit größten Register von Patienten mit Ablation von Vorhofflimmern und umfasst 2.570 Patienten. Für die statistische Auswertung wurden 17 Patienten, die innerhalb von 30 Tagen nach Ablation einen Schlaganfall erlitten mit 68 vergleichbaren ereignisfreien Patienten, d. h. ohne Thrombenbildung bzw. Schlaganfall, verglichen. Bei beiden Patientengruppen wurde mittels Computertomographie des Herzens die Form des Vorhofohres bestimmt und einer von vier Kategorien zugeordnet: Cactus (Kaktus), Chicken wing (Hühnerflügel), Windsock (Windsack) und Cauliflower (Blumenkohl).

Das Ergebnis der Untersuchung: Bei 65% der Patienten mit einem Schlaganfall entsprach das linke Vorhofohr anatomisch der Chicken-wing-Form, bei 18% entsprach es der Cactus-Form, bei 12% der Windsock-Form und bei 5% der Cauliflower-Form. Ganz anders bei den ereignisfreien Patienten: Nur bei 21% von ihnen entsprach das linke Vorhofohr der Chicken-wing-Form, 24% der Cactus-, 13% der Windsock- und 42% der Cauliflower-Form. „Daraus ergibt sich bei Patienten mit einem Vorhofohr in Form eines Chicken wing ein mehr als siebenfach erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall während und kurz nach einer Katheterablation. Diese Ergebnisse werfen ein neues Licht auf die Risikokalkulation und mögliche Entstehungsmechanismen für einen Schlaganfall“, unterstreicht Dr. Kosiuk.

Verbesserung der Patientensicherheit

Als mögliche Erklärung führt Dr. Kosiuk an, dass die während der Ablation freigesetzten Mikrothromben, die an der Katheterspitze und an den frischen Verletzungen entstehen, sich in länglichen und geschlängelten Herzohren („Chicken-wing“-Form) ansammeln und einen Auslöser für die Entstehung von größeren Gerinnseln darstellen. Die anderen, eher erweiterten Formen der Herzohren werden möglicherweise fortlaufend und besser durchspült und bergen so ein geringeres Risiko für die Entstehung von Gerinnseln. „Diese neuen Überlegungen können zur deutlichen Verbesserung der Patientensicherheit führen und bilden die Grundlage für weitere wissenschaftliche Untersuchungen.“

* Die prämierte Arbeit konnte in der Fachzeitschrift Heart Rhythm publiziert werden: Kosiuk J. et al., Impact of left atrial appendage morphology on peri-interventional thromboembolic risk during catheter ablation of atrial fibrillation. Heart Rhythm, Vol. 11, Issue 9, Pages 1522-1527, Sept. 2014.

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