Logo der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und NervenheilkundeDeutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde, 26. bis 29. November 2014 in Berlin

Der letztjährige DGPPN-Kongress fand vom 26. bis 29. November 2014 in Berlin erstmalig im City-Cube statt. Das inzwischen den häufig jahrelang wiederkehrenden Teilnehmern gut bekannte ICC ist bis auf Weiteres ungenutzt geschlossen. Warum in der deutschen Hauptstadt  ein englischer Name herhalten muss, hat sich dem Referenten nicht erschlossen. In dem rationalen Betonbau galt es zunächst, sich erst einmal umzuorientieren. Die journalistischen Arbeitsbedingungen haben sich dort keinesfalls verbessert. Wie in den letzten Jahren war es jedoch Europas größte Fachtagung im Bereich der psychischen Erkrankungen. In über 600 Einzelveranstaltungen standen mehr als 1600 renommierte Referentinnen zur Verfügung.

Im persönlich gehaltenen Grußwort wies Hermann Gröhe, Bundesminister für Gesundheit, darauf hin, dass die psychische Gesundheit und psychische Erkrankungen in der Öffentlichkeit eine zunehmende Aufmerksamkeit erfahren. Mit der gesellschaftlichen Enttabuisierung psychischer Leidenszustände und deren Behandlung ginge auch ein verändertes Hilfesuchverhalten der Betroffenen einher. Mit der ständig steigenden Lebenserwartung kommt es zu einer zunehmenden Anzahl Demenzkranker, weshalb er das Kongressthema „Herausforderung durch den demographischen Wandel – psychische Erkrankungen heute und morgen“ für äußerst wichtig hält. Neben dem breiten Spektrum an medizinisch-wissenschaftlichen Themen widmete sich der Kongress auch einer Reihe dringender versorgungspolitischer Themen und ethischer Fragestellungen. Hier ist die DGPPN für die Politik ein wichtiger Ansprechpartner.

Der Tagungspräsident, Prof. Dr. med. Wolfgang Maier, wies darauf hin, dass die steigende Lebenserwartung zwar mit einem Gewinn an gesunden Lebensjahren einher ginge, sie bringe jedoch auch eine Zunahme altersassoziierter Erkrankungen wie Demenzen, Altersdepression, Alterspsychosen oder Angststörungen mit sich. Das deutlich gewachsene Verständnis des Gehirns und seiner Alterung ermöglicht es, gezielte Präventions- und Therapiestrategien zu entwickeln. Dies gilt insbesondere für die Alzheimer-Erkrankung. So kam in der zentralen Eröffnungsveranstaltung bereits der Gerontologe A. Kruse, Heidelberg, zur Thematik „Grenzgänge zwischen Verletzlichkeit und Ressourcen bei Demenzkranken“ zu Wort. Für die jüngeren Kongressteilnehmer häufig nicht nötig, gab es Simultanübersetzungen z. B. bei T. Südhof, Stanford (USA), Nobelpreisträger für Medizin 2013, zu neuen molekularen Zielstrukturen bei Schizophrenie und Autismus.

Überfüllt war wiederum der Saal des Kölner Chefarztes Manfred Lütz mit seiner lustvoll satirischen Art zum Thema Lebenslust, über Risiken und Nebenwirkungen der Gesundheit zu referieren.

Im wissenschaftlichen Programm waren durch die vielen Parallelveranstaltungen alle Facetten der Fachgebiete Psychiatrie und Psychotherapie vertreten. Über Lehrer-, Eltern-, Schüler- und Laienveranstaltungen wurde eine Breitenwirksamkeit erreicht. Der Kongress sollte wiederum nicht nur etablierte Fachkräfte ansprechen, sondern er ist mittlerweile auch ein beliebter Treffpunkt für junge Psychiater. So haben gerade dort interessierte Nachwuchskräfte die Möglichkeit, Einblicke in die Fachgebiete Psychiatrie und Psychotherapie zu gewinnen und sich früh über Karrierewege zu informieren und entsprechende eigene Netzwerke aufzubauen.

Die Mitgliederversammlung war diesmal überdurchschnittlich gut besucht, fand doch erstmalig seit Jahren wieder eine Wahl des Präsidenten Elect statt. Offenbar wurde dieses wiederentdeckte Demokratieverständnis von den Mitgliedern gern angenommen. Nach der zweijährigen Präsidentschaft von Frau Dr. Iris Hauth, Ärztliche Direktorin im St.-Josephs-Krankenhaus Berlin-Weißensee, folgt Herr Prof. Arno Deister, Ärztlicher Direktor des Zentrums für Psychosoziale Medizin in Itzehoe in dieser Funktion.

Der diesjährige Kongress findet vom 25. bis 28. November 2015 erneut im City-Cube statt.

In Sachsen-Anhalt, in dem der Begriff Psychiatrie einmal geprägt wurde, bestehen für die aktive Teilnahme noch Reserven.

www.dgppn.de

CA Dr. W.-R. Krause
Blankenburg/Harz