Logo BundesärztekammerDie Bundesärztekammer überarbeitet ihre Gremienstruktur und setzt dabei auf Integration der Versorgungsbereiche und Stärkung der Hausarztmedizin.

Wer nach Antworten sucht, wie die gesundheitlichen Herausforderungen einer sich wandelnden Gesellschaft zu meistern sind, kommt um zwei zentrale Begriffe nicht herum. Mehr Integration und bessere Koordination. Gemeint ist, dass angesichts der steigenden Zahl älterer, multimorbider Patienten integrierte Versorgungsketten aufeinander abgestimmte Behandlungsangebote ermöglichen sollen. Gleichzeitig soll die Hausarztmedizin gestärkt werden, um den Patienten mehr Orientierung in einem zunehmend spezialisierten Medizinbetrieb zu ermöglichen.

Tatsächlich hat die Politik diesen Ansatz in ihren jüngsten Reformgesetzen zumindest teilweise aufgenommen. Impulsgeber war auch die Ärzteschaft, die sich auf zahlreichen Ärztetagen, unter anderem auf dem 115. Deutschen Ärztetag in Nürnberg, intensiv mit dem Ausbau kooperativer Strukturen und der Stärkung der Allgemeinmedizin beschäftigt hat. Die seither zu beobachtende engere Verzahnung der Versorgungsebenen einerseits und die zunehmende Bedeutung der Hausarztmedizin andererseits, sollen sich nun auch stärker in den Gremienstrukturen der Bundesärztekammer (BÄK) widerspiegeln.

Schnittstellenprobleme abbauen
So wurden mehrere Ausschüsse und Arbeitsgruppen zu übergreifenden Gre-mien, wie beispielsweise den Ausschüssen „Versorgung“, „Prävention und Bevölkerungsmedizin“ und „Aus-, Weiter- und Fortbildung“ zusammengefasst. „Dadurch wollen wir dazu bei-tragen, dass die Schnittstellenproblematik zwischen den einzelnen Versorgungsebenen abgebaut wird. Wir setzen auf Verzahnung statt auf Sektionierung“, erläutert das Vorgehen Dr. Max Kaplan, Vize-Präsident der Bundesärztekammer. Vorangegangen waren der Neuordnung entsprechende Beschlüsse auf den letzten beiden Ärztetagen.

Besonders relevant ist dieser fächer- und sektorenübergreifende Ansatz nach Überzeugung Kaplans für die Weiterentwicklung der Allgemeinmedizin. Der Hausarzt werde in der künftigen Versorgung nicht nur die Grundversorgung sicherstellen, sondern auch eine koordinierende Funktion einnehmen. „Die Medizin spezialisiert sich zusehends. Wir brauchen einen, der den Überblick behält. Und das ist der Hausarzt. Er muss künftig noch stärker darauf achten, dass an den Schnittstellen zu den anderen Gesundheitsberufen nichts verloren geht und keine Parallelstrukturen aufgebaut werden.“ Die BÄK werde bei der anstehenden Novellierung der (Muster-)Weiterbildungsordnung darauf achten, dass ein Querschnittsfach wie Allgemeinmedizin auch zukünftig in der Weiterbildung möglichst viele ärztliche Bereiche durchläuft.

Veranstaltungsreihe geplant
Dennoch hatte insbesondere der Beschluss des diesjährigen Deutschen Ärztetages für Irritationen gesorgt, auch die Gremien des Deutschen Ärztetages mit eigenen Statuten, also die Deutsche Akademie der Gebietsärzte, die Deutsche Akademie für Allgemeinmedizin und den Deutschen Senat für ärztliche Fortbildung in die neue Gremienstruktur der BÄK zu überführen. Insbesondere Teile der Hausärzteschaft hatten die Sorge geäußert, die BÄK würde die Allgemeinmedizin herabstufen. Hintergrund ist, dass die Mitglieder der Akademien im Unterschied zu den BÄK-Ausschüssen nicht vom Bundesärztekammer-Vorstand, sondern vom Ärztetag selbst bestimmt werden. Abgeschafft sind die Akademien mit diesem Beschluss jedoch nicht. Vielmehr hatte der Ärztetag einen Prüfauftrag erteilt und die Bundesärztekammer aufgefordert, bis zum nächsten Ärztetag ein Konzept über das Ob und das Wie der Überführung der Deutschen Akademie für Allgemeinmedizin und der Deutschen Akademie für Gebietsärzte in die neue Gremienstruktur der BÄK vorzulegen.

Teil dieses Konzeptes ist es, dass sich die Vertreter der Allgemeinmedizin sowie die der Gebietsärzte einmal im Jahr treffen, erstmals am 9. Januar 2016, um die Zukunft der medizinischen Versorgung im Sinne einer gebiets- und sektorenübergreifenden Versorgung zu beraten sowie um gemeinsame Strategien zu entwickeln. Inhaltlich vorbereitet wird die Sitzung unter dem Titel „Akademien der Bundesärztekammer im Dialog“ vom BÄK-Vorstand zusammen mit den bisherigen Vorständen der beiden Akademien. Die Veranstaltung im Januar wird sich zum einen mit den Themen Multimorbidität und Polypharmazie aus hausärztlicher Sicht beschäftigen. Zum anderen wird aus fachärztlicher Perspektive die von Fachgesellschaften ins Leben gerufene Initiative „Klug entscheiden“ beraten. In beiden Themenkomplexen soll der in der Ärzteschaft derzeit intensiv diskutierten Frage nachgegangen werden, ob die Medizin alles machen muss, was sie kann. Neben dieser Veranstaltungsreihe wurde unter anderem ein Ausschuss Versorgung eingerichtet, der sich aus unterschiedlichen Arbeitsgruppen zusammensetzt. Dazu zählen die Arbeitsgruppe für ambulante und stationäre Versorgung – besetzt mit drei Hausärzten – sowie die Arbeitsgruppe Allgemeinmedizin. Der BÄK-Vorstand will auf diese Weise die bisherige Arbeit der Akademien noch stärker verzahnen und versorgungsrelevanten Themen ein größeres politisches Gewicht mit entsprechender öffentlicher Wirkung und Einfluss verleihen. „Bisher hatten sich die Akademien mit den anstehenden Problemen vor allem in ihren eigenen Zirkeln befasst, mit dem Ergebnis, dass deren Arbeit für die Entscheidungen des Vorstandes nicht immer die ausreichende Relevanz gewinnen konnte. Künftig sollen möglichst viele Gruppierungen in die Entscheidungsfindung einbezogen werden. Dann können die Vorschläge besser in die Arbeit des Vorstandes einfließen“, erläutert Kaplan. Für ihn steht außer Frage, dass die großen Herausforderungen der Zukunft – mehr Integration und bessere Koordination – nur gemeinsam geschultert werden können. Dabei müsse jeder seinen Teil leisten.

Samir Rabbata
Pressestelle Bundesärztekammer

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