Rund 6.500 internationale Teilnehmer besuchten den 70. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie e. V. (DGU), der seit dem 26. September in Sachsens Landeshauptstadt tagte und am 29. September seine Türen in der Messe Dresden schloss. Auf der weltweit drittgrößten urologischen Wissenschafts- und Fortbildungsplattform unter der Leitung von DGU-Präsident Prof. Dr. Paolo Fornara wurden neueste Erkenntnisse aus Diagnostik und Therapie aus allen Bereichen der Urologie diskutiert.

Im wissenschaftlichen Fokus der rund 150 Einzelveranstaltungen stand der Paradigmenwechsel in der Uro-Onkologie hin zu personalisierter Früherkennung, Diagnostik und Therapie. Dazu gehört der Einsatz von prädiktiven Biomarkern, die im Rahmen einer personalisierten Medizin vorab anzeigen, welche Therapie bei welchem Patienten individuell das beste Behandlungsergebnis erwarten lässt. Weitere Schwerpunkte galten u. a. der Uro-Gynäkologie, den innovativen roboter-assistierten Operationsmethoden und angesichts des demografischen Wandels der geriatrischen Urologie.

Fachübergreifend stand der 70. DGU-Kongress im Zeichen von Verantwortung, die auch Bundespräsident a.D. Dr. Christian Wulff in seiner Eröffnungsrede thematisiert hatte. Denn Verantwortung stand nicht nur im Kongress-Motto „Tradition, Innovation und Verantwortung“. Vielmehr hat die Deutsche Gesellschaft für Urologie e. V. mit ihrem erfolgreichen Engagement für Systemkorrekturen bei der Organspende und der auch in Dresden erhobenen Forderung nach Einführung der Widerspruchslösung gesellschaftliche Verantwortung übernommen. „Als Präsident der Deutschen Gesellschaft für Urologie freue ich mich außerordentlich, dass die von der DGU mit angestoßene und fortgeführte Diskussion eine Entwicklung im Sinne unserer Patienten erfahren hat“, so Prof. Dr. med. Paolo Fornara, Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Urologie am Universitätsklinikum Halle (Saale) und Mitglied der Ständigen Kommission Organtransplantation sowie der Prüfungs- und Überwachungskommission der Bundesärztekammer.

Verantwortung übernehmen Deutschlands Urologen auch bei der Förderung der Jungengesundheit: In Dresden übergab die DGU eine Spende in Höhe von 25.000 Euro an die Ärztliche Gesellschaft zur Gesundheitsförderung e. V. (ÄGGF), die gendersensible gesundheitliche Aufklärung an Schulen betreibt. Mit ihrer Kampagne für die neue HPV-Impfung von Jungen setzt sich die Fachgesellschaft aktiv für die geschlechterübergreifende Krebsprävention und die sexuelle Gesundheit der nächsten Generation ein. Der Termin für die Urologische Themenwoche zur HPV-Impfung vom 19. bis 23. November 2018 wurde auf dem Kongress bekanntgegeben.

Auf dem DGU-Patientenforum in Dresden informierten sich die Besucher über urologische Erkrankungen von Jung und Alt. Mit der Aktion „Werde Urologe/Urologin für einen Tag“ bot die Fachgesellschaft rund 80 Oberstufenschülerinnen und -schülern Gelegenheit, die Welt der Urologie kennenzulernen. Den angeschlossenen Pflege-Kongress für urologische Pflege- und Assistenzberufe besuchten über 900 Teilnehmer.

Mit der höchsten Auszeichnung der Deutschen Gesellschaft für Urologie e. V., der Maximilian-Nitze-Medaille für besondere Verdienste für das Fach Urologie, wurde in Dresden Prof. Dr. Hartwig Huland (Hamburg) geehrt. PD Dr. Matthias Heck (München) erhielt mit dem Maximilian-Nitze-Preis die höchste wissenschaftliche Auszeichnung der Fachgesellschaft. Der Medienpreis Urologie 2018 ging an den Berliner Regisseur, Autor und freien Journalisten John A. Kantara für seine Wissenschaftsdokumentation „Tabu Inkontinenz“, die auf 3sat gesendet wurde.

Auf der DGU-Mitgliederversammlung wurde bei den turnusgemäßen Neuwahlen Prof. Dr. Arnulf Stenzl (Tübingen) als 2. Vizepräsident gewählt. Neu in den Vorstand der Fachgesellschaft gewählt wurden zudem: Prof. Dr. Christian Bolenz (Ulm), Schatzmeister, und Prof. Dr. Daniela Schultz-Lampel (Villingen-Schwenningen), Vorstandsressort Wissenschaft und Praxis.

Auch beim Berufsverband der Deutschen Urologen e. V. standen in Dresden Neuwahlen an: Präsident Dr. med. Axel Schroeder und der 2. Vizepräsident, Dr. med. Matthias Schulze, wurden für eine dritte Amtsperiode gewählt.

Mit der traditionellen Präsidentschaftsübergabe endet der 70. Urologen-Kongress: Prof. Dr. med. Paolo Fornara, Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Urologie, Universitätsklinikum Halle (Saale), übergibt das Amt des Präsidenten für die Amtsperiode 2018/2019 turnusgemäß an den bisherigen Vizepräsidenten, Prof. Dr. med. Oliver Hakenberg, Direktor der Klinik und Poliklinik für Urologie, Universitätsklinikum Rostock. Damit rückt Prof. Dr. med. Dr. h.c. Jens Rassweiler zum 1. DGU-Vizepräsidenten auf.

In seiner Funktion als neuer DGU-Präsident wird Prof. Dr. med. Oliver Hakenberg die 71. Jahrestagung der Fachgesellschaft vom 18. bis 21. September 2019 in der Messe Hamburg leiten.

| Pi DGU/BvDU