Wie Patient-Empowerment bei der Eindämmung von nosokomialen Infektionen helfen kann

Im Krankenhaus erworbene sogenannte nosokomiale Infektionen nehmen in den letzten Jahren immer weiter zu. Treten sie auf, erhöhen sich Morbidität und Mortalität. Vor allem durch eine Verbesserung der Händehygiene, der einzigen Maßnahme, die sich für sich alleine als wirksam erwiesen hat, kann ein erheblicher Anteil vermieden werden. Verschiedene Strategien zur Reduzierung nosokomialer Infektionen in Kliniken durch regelmäßige Händedesinfektion wurden in den letzten Jahren untersucht. In jüngster Zeit rücken auch Patienten und Besucher bei der Verbesserung der Händehygiene in den Fokus. Dies gilt für Erwachsene, Kinder und ihre Eltern und wird unter dem Begriff „Patient-Empowerment“ zusammengefasst. Diese Strategie integriert sie als wichtige Komponente eines multimodalen Ansatzes, um die Händehygienecompliance der Mitarbeiter im Krankenhaus zu verbessern. Auch die WHO in ihrer „WHO´s SAVE LIVES: Clean your hands“-Kampagne sieht in der Patientenbeteiligung eine wichtige Komponente.

Richtige Händedesinfektion ist eines der wirksamsten Mittel gegen die Übertragung von Infektionen in Kliniken
Richtige Händedesinfektion ist eines der wirksamsten Mittel gegen die Übertragung von Infektionen in Kliniken

Wie kann eine solche Beteiligung von Patienten im Klinikalltag aussehen? Der Fokus liegt bei der Schulung und Fokussierung; das bedeutet, dass Patienten befähigt werden, Fehler bei der Händehygiene zu erkennen und sich zu involvieren. Eine Schlüsselfunktion in der praktischen Umsetzung sollte darin liegen, die Patienten zu ermutigen, die Mitarbeiter im Krankenhaus anzusprechen, wenn sie vermeintliche Fehler in der Händehygiene entdecken.
 
Ebenso wichtig ist die Verdeutlichung der eigenen Händehygiene bei Patienten. Hinweise über Informationsmaterial wie Poster, Filme oder Flyer helfen bei der Aufklärung. Erste Versuche in Kliniken zeigen, dass in Bereichen mit entsprechenden Hinweisen der Desinfektionsmittelverbrauch stieg bzw. konstant blieb, wohingegen er in Bereichen ohne Hinweise stagnierte oder rückläufig war. Diese Strategie macht sich auch zunutze, dass immer mehr Patienten gerne an ihrer Genesung beteiligt sein wollen.

Eine weitere Komponente findet sich bei den Eltern – gerade auf Frühchenstationen ist es extrem wichtig, dass Eltern eine korrekte Händehygiene erlernen, um die eigenen aber auch fremde Kinder nicht zu schädigen. Auch hierbei kann man es sich zunutze machen, dass Eltern sowohl bei sich als auch beim medizinischen Personal auf die korrekte Händehygiene achten.

Grundlegend für das Patient-Empowerment ist jedoch immer, dass die Patienten sich ihrer wichtigen Rolle bei der Infektionsübertragung bewusst sind und sich eingeladen fühlen, mitzumachen. So leisten sie einen großen Beitrag für ihre eigene Genesung und die der Mitpatienten.

PD Dr. med. Irit Nachtigall
PD Dr. med. Irit Nachtigall

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Helios Kliniken – Region Ost
PD Dr. med. Irit Nachtigall, MHBA
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Fotos: Helios Kliniken/Thomas Oberländer