Halloul Z, Meyer F
Aus dem Arbeitsbereich Gefäßchirurgie, Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Gefäß- und Transplantationschirurgie,
Medizinische Fakultät der Otto-von-Guericke-Universität mit Universitätsklinikum Magdeburg A.ö.R.; Magdeburg, Deutschland

Vom 25. bis 28.04.2020 sollte in Wiesbaden, an der wieder eingenommenen traditionellen Veranstaltungsstätte, der renommierte jährliche Internistenkongress Deutschlands stattfinden. Aufgrund der Pandemie-Umstände wurde dieser als Online-Veranstaltung mit modifiziertem Programm abgehalten. Die Vorbereitungen waren weit im Vorfeld in üblicher Weise erfolgt, u. a. mit der stets wiederkehrenden Abstract-„Deadline“ im 4. Quartal des davorliegenden Jahres zum Veranstaltungsjahr.

So konnten auch wieder Beiträge für die traditionell stattfindende Vortragsveranstaltung zum „Young Investigator Award“ eingereicht werden oder solche wurden der Kategorie zugeordnet, um ein preisdotiertes Jungautorenforum aufzuziehen.

In der schon bewährten Beteiligung der hiesigen Gefäß-medizin/-chirurgie in der Fachdisziplin Angiologie des Kongresses war Frau Kollegin Dr. Julia Caroline Krüger im letzten Jahr als Autorin mit dem Beitrag „Erfolgreiche konservative Therapie einer sehr seltenen Dissektion der A. hepatica“ (Erschienen in Heft 1-2/22 Ärzteblatt Sachsen-Anhalt, Seite 37ff) durch die Autorenschaft „Krüger JC, Meyer F, Halloul Z“ als Teil des Programms im Jungautorenforum neben anderen Themen der diversen Teilgebiete, wie in der angehängten Liste ersichtlich, vertreten.

Artikel „Erfolgreiche konservative Therapie
einer sehr seltenen Dissektion der A. hepatica“ mit Literatur hier abrufbar:
www.t1p.de/mf-1-22

Insbesondere behandelt der Beitrag die gefäßmedizinisch anspruchsvolle Konstellation einer A.-hepatica-Dissektion (Ausdehnung der Dissektion von der A. hepatica propria bis tief in die A. hepatica dextra sowie einem Durchmesser[Ø] des Gefäßes von 6,4 mm), bei der in der interdisziplinär-gefäßmedizinischen Entscheidungsfindung von einer Gefäßintervention Abstand genommen werden konnte unter suffizienter Initiierung konservativer Maßnahmen, so die

  • Nutzung diagnostischer Verfahren wie
    - Duplexsonographie zur
       · exakten Befundbeschreibung (und)
       · hepatischen Perfusionsbestätigung (auch zur Verlaufskontrolle),
    - komplementäre CT-Angiographie zur Befunderhärtung,
  • Blutdruckeinstellung (und)
  • Thrombozytenaggregation mit ASS.


Mit der Schilderung dieser repäsentativen, wenn auch seltenen Kasuistik veranschaulichte Frau Kollegin Krüger sehr überzeugend für die Gutachter des „Forums Junge Mediziner“ das interdisziplinäre Behandlungskonzept und den zu Buche geschlagenen, bisher mittelfristig verfolgbaren Therapieerfolg. Ihr wurde dafür bereits als würdigende Auszeichnung des Beitrages die kongressbasierte Teilnahme am elitären und prestigereichen Jungautorenforum dieses renommierten vor allem klinisch dominierten Kongresses zuerkannt, wie im Supplement-Band von „Der Internist“ ausgewiesen, dessen sitzungsbasierte Ausführung aber noch aussteht.

Vortragsprogramm

Young Investigator Award (YIA)
126. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e. V.

Angiologie YIA01 „Erfolgreiche konservative Therapie einer sehr seltenen Dissektion der A. hepatica“

Diabetologie YIA02 „Bone fractures in patients with type 2 diabetes aged > 50 years in the DPV registry: effect of glycaemic control and treatment“

Gastroenterologie YIA03 „Europäische Studie: Heterozygoter Alpha-1-Antitrypsinmangel (Pi*MZ)-genetischer Risikofaktor für eine Hepatopathie“

Geriatrie YIA04 „Gesundheitsökonomische Auswirkungen der Thiazidinduzierten Hyponatriämie“

Hämatologie YIA05 „Type-I interferion-inducing microbial-derived metabolites promote resistance to gastrointestinal damage after chemotherapy and protect from graft-versus-host disease“

Kardiologie YIA06 „P2X7 dependent inflammasome activation is crucial for scar integrity after myocardial infarction“

Nephrologie YIA07 „HDL-Subklassen als Prognosemarker neu aufgetretener kardiovaskulärer Ereignisse bei chronischer Nierenerkrankung“

Pneumologie YIA08 „The physiological function of the purinergic receptor P2Y2 in pulmonary arterial endothelial cells and its role in pulmonary hypertension“

Rheumatologie YIA09 „MalheuR-Projekt bietet erste Einblicke in die Zusammenhänge und Wechselwirkungen entzündlich-rheumatischer und maligner Erkrankungen“

Sonstige YIA10 „PJ-Einführungskurs; PJ-Start“



Kongressbeitrag – Wortlaut

ANGIOLOGIE
YIA 01)
Julia Krüger1 · Frank Meyer2 · Zuhir Halloul1
Erfolgreiche konservative Therapie einer sehr seltenen Dissektion der A. hepatica
(Artikeldruck: Ärzteblatt Sachsen-Anhalt 2022; 33 (1/2): 37-40)
1 Arbeitsbereich Gefäßchirurgie; Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Gefäß- und Transplantationschirurgie; Universitätsklinikum Magdeburg A.ö.R.
2 Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Gefäß- und Transplantationschirurgie; Universitätsklinikum Magdeburg A.ö.R.; Magdeburg (Deutschland)

Einleitung: Aneurysmen der Viszeralarterien (AVA) sind eine sehr seltene Gefäßerkrankung multifaktorieller Genese. Die Dissektion der A. hepatica im Besonderen ist dabei mit einer Häufigkeit von 20-50 % aller AVA je nach Patientenkollektiv und Publikation einzustufen. Im klinischen Alltag stiegen die Dissektionsraten mittlerweile jedoch bei zunehmender endoskopischer bzw. interventioneller Therapie hepatobiliärer Erkrankungen in den letzten Jahren zunehmend an.

Das Ziel dieses wissenschaftlichen „Case reports“ über ein außergewöhnliches Fallbeispiel besteht darin, den sehr seltenen aber repräsentativen Kasus einer Patientin mit Dissektion der A. hepatica propria (AHP), die mit einer Häufigkeit von 20-50 % aller viszeralen Aneurysmen (AVA) einzustufen ist, anhand von Symptomatik, weiterführender Diagnostik und befundspezifisch angezeigter Therapieoptionen zu veranschaulichen.

Fall (Anamnese-, Befund-, Diagnostik-, Therapie- und Outcome-assoziierte Aspekte):

Anamnese und klinischer Befund: Eine 60-jährige Patientin wurde notfallmäßig bei seit 4 h bestehenden kolikartigen Schmerzen im rechten Oberbauch sowie hypertensiver Entgleisung und erhöhtem CRP in einem auswärtigen Krankenhaus vorstellig.

Diagnostik (initial): Im Röntgen-Thorax/Abdomen gab es kein Anzeichen für einen Ileus oder eine Perforation. In der abdominellen Sonografie bestand der dringende V.a. eine Raumforderung an der rechten Niere. Im CT-Abdomen mit KM zeigte sich (angeblich) eine Dissektion der A. hepatica communis.

Therapie: Die Patientin wurde zunächst mittels Heparinperfusor therapeutisch mit 1.000 IE/h PTT-gesteuert antikoaguliert. Unter adäquater Analgesie und Spasmolyse besserten sich die Beschwerden. Die begleitende hypertensive Krise war unter Vocado gut führbar.

Verlauf: Die Patientin wurde daraufhin per RTW und Hubschrauber in das hiesige Universitätsklinikum via ITS überwiesen. Hier zeigte sich die Patientin kardiopulmonal stabil, klinisch am Abdomen idem, weiter nur gering erhöhtes CRP. Eine Duplex-Sonografie detektierte eine suffiziente Perfusion des beschriebenen Dissektionssegments und peripher kein Aneurysma. Bei nicht vollends einsehbarem „Re-entry“ war eine aktuelle CT-Angio indiziert, die eine Dissektion der AHP bis weit in die A. hepatica dextra (AHD) hinein eruierte. Bei kreislaufstabilem Allgemeinzustand erfolgte die Verlegung der Patientin auf die gefäßchirurgische Normalstation. Eine Thrombozytenaggregationshemmung mittels ASS 100 wurde zusätzlich initiiert.

Interdisziplinäre Entscheidungsfindung – finales Procedere: Bei Ausdehnung der Dissektion von der AHP bis tief in die AHD sowie einem Durchmesser(Ø) der AHP von 6,4 mm bestand unter Berücksichtigung aller Therapieoptionen und Risiken incl. der aktuellen Leitlinien keine Indikation zur endovaskulären oder gefäßchirurgischen Befundsanierung. Die Patientin wurde unter engmaschiger Blutdruckkontrolle (Ziel: < 140 mmHg systolisch) unter Vocado, ASS, Novalgin und Buscopan bei Bedarf entlassen mit geplanter klinischer und Duplex-sonografischer Verlaufskontrolle in 3 Monaten, die unauffällig ausfiel.

Schlussfolgerung: Die sehr seltene Dissektion der A. hepatica ist in den meisten Fällen eine nebenbefundlich gestellte und bildmorphologisch gesicherte Diagnose. Die diagnostischen Methoden der Wahl sind neben der Duplexsonografie eine CT- oder MR-Angio. Therapieoptionen umfassen die perkutane endovaskuläre Therapie sowie die offen-chirurgische oder laparoskopische Sanierung. Eine Therapie wird bei allen AVA ab Ø von 2 cm empfohlen, ab 5 cm ist sie indiziert. Bei < 2 cm oder in Ausnahmefällen zwischen 2 und 5 cm kann eine konservative Therapie unter regelmäßigen Kontrollen (alle 3-6 Monate) erwogen werden.

Im beschriebenen Fall war eine interventionelle Therapie unter Berücksichtigung von Ausdehnung, Lage und des geringen Ø der dissezierten Arterie bei a.e. induzierter Symptomatik unter entgleistem Hypertonus nicht erforderlich mit der Maßgabe eines engmaschigen „Follow-up“s.

Korrespondierender Autor:
Prof. Dr. med. F. Meyer
Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Gefäß-
und Transplantationschirurgie
Universitätsklinikum Magdeburg A.ö.R.
Leipziger Straße 44, D-39120 Magdeburg
Tel.: +49 391 67 15500
Fax: +49 391 67 15570
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