Die Einnahme von Biotin kann fälschlicherweise erhöhte oder erniedrigte Ergebnisse verursachen, wenn zur Bestimmung des Schilddrüsenstatus bestimmte Immunoassays eingesetzt werden. Das Risiko verfälschter Ergebnisse steigt mit der Dosis von Biotin. Da derartige Testergebnisse unter anderem zur Anpassung der Dosis von L-Thyroxin verwendet werden und verfälschte Testergebnisse eine unangemessene Patientenbehandlung zur Folge haben können, sind Änderungen der Produktinformation L-Thyroxin-haltiger Arzneimittel geplant, über die das BfArM* informiert (1):

  • Vor Durchführung von Schilddüsenfunktionstests sollten Patienten nach der Einnahme von Biotin gefragt werden.
  • Patienten sollten den Arzt und/oder das Laborpersonal über die Einnahme (auch eine kurz zurückliegende) von Biotin informieren.
  • Bei der Interpretation der Testergebnisse sollte eine mögliche Interferenz mit Biotin bedacht werden, insbesondere wenn diese nicht mit der klinischen Symptomatik und/oder Ergebnissen anderer Untersuchungen übereinstimmen.
  • Bei Anwendung von Biotin sollte das Labor informiert und ggf. dort alternative Tests zur Bestimmung des Schilddrüsenstatus verwendet werden (1).
     

Betroffen sind Immunoassays, die auf einer Interaktion zwischen Biotin und Streptavidin basieren. Dieses Prinzip wird je nach Hersteller auch bei der Untersuchung anderer Laborwerte verwendet (z. B. Hormone, Herz-, Tumor-, Infektionsmarker) (2;3). Biotin wird auch als Vitamin H, Vitamin B7 oder Vitamin B8 bezeichnet und kommt in zahlreichen Arzneimitteln und Nahrungsergänzungsmitteln vor (1).
Weitere aktuelle Änderungen der Produktinformation L-Thyroxin-haltiger Arzneimittel betreffen Interaktionen mit

  • Johanniskraut: reduzierte Serumkonzentration von L-Thyroxin möglich;
  • Protonenpumpeninhibitoren (PPI): verringerte Absorption von Schilddrüsenhormonen möglich; regelmäßige klinische und laborchemische Überwachung der Schilddrüsenfunktion und ggf. Anpassung der Schilddrüsenhormondosis empfohlen; Vorsicht auch beim Absetzen von PPI (4).


*Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte

 

Literatur

  1. Biotin: Verfälschung von Immunoassays zur Beurteilung der Schilddrüsenfunktion. Bulletin zur Arzneimittelsicherheit 2022; 13 (Ausgabe 4): 35.
  2. Zulassungsinhaber von Biotin: Risiko falscher Ergebnisse von Laboruntersuchungen durch Biotininterferenzen. Rote-Hand-Brief vom Mai 2019.
  3. Katic J, Bick N: Biotininterferenzen: Ein mögliches Problem bei klinischen Laboruntersuchungen. Bulletin zur Arzneimittelsicherheit 2018; 9 (Ausgabe 4): 12-19.
  4. European Medicines Agency (EMA), Stellungnahme der CMDh: Levothyroxine: Wissenschaftliche Schlussfolgerungen und Gründe für die Änderung der Bedingungen der Genehmigung(en) für das Inverkehrbringen. Oktober 2022.

 

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