CIRS-Fall

Berichtet wird im Fall des Monats Mai 2020 über ein Ereignis im Zusammenhang mit der ungenügenden Kenntnis eines neuen Medikamentes.

Was ist passiert?

Es soll aufmerksam gemacht werden auf eine Fehlerquelle hinsichtlich der Anwendung des Medikaments Tinzaparin (Handelsname) und der in einem Krankenhaus eingesetzten Software (Programm zum digitalen Medikamentenplans und bundeseinheitlichen Medikamentenplans), die sich auf einer Station der berichtenden Einrichtung ereignet hat. Ein Patient hat bei einem Körpergewicht von etwa 70 kg und einer erforderlichen therapeutischen Heparinisierung von den Pflegekräften beinahe statt der Fertigspritze 20.000 I.E. mit 0,6 ml, wie es im Programm angeordnet war, eine 0,9 ml Spritze erhalten. Den Pflegekräften, denen der Arzt den Irrtum erklärte, war leider nicht klar, dass Unterschiede bestehen. Vom Programm wurden lediglich die 20.000 I.E. in die Patientenkurve übernommen, nicht jedoch die 0,6 ml.

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Fehlerberichtssysteme in der Medizin

als Instrument zur Fehlervermeidung und damit zur Verbesserung der Qualität der medizinischen Behandlung

Bereits in den späten 90er-Jahren gab es in einigen Fachgebieten, insbesondere in der Anästhesie, Bestrebungen, zu einer offenen flexiblen Fehlerkultur überzugehen. Da jedoch einerseits im Rahmen von haftungsrechtlichen Konsequenzen große Schwierigkeiten befürchtet wurden, andererseits aber diesbezüglich in der Luftfahrt mit anonymen und sanktionsfreien Meldungen gute Erfahrungen vorlagen, wurde ein auf den Gesundheitsbereich adaptiertes webbasiertes „Critical Incident Reporting System“ (CIRS) entwickelt.

Das Sicherheitskonzept von CIRS wurde maßgeblich von dem englischen Psychologen James Reason (1990) geprägt. Reason untersuchte die Unglücksberichte von Katastrophen wie Bhopal, Challenger, King’s Cross, Tschernobyl und Zeebrugge und schlug eine Unterscheidung zwischen aktivem und latentem Versagen vor. Im Gesundheitswesen unterscheidet Reason bei der Untersuchung von Fehlern in Personen- und System-Ansatz. Seine Forschungen wurden als Schweizer-Käse-Modell (engl. Swiss cheese model) bekannt.

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Dicke Beine – Lipödem?

Dr. H.-G. Damert (Foto: Helios Bördeklinik)
Dr. H.-G. Damert (Foto: Helios Bördeklinik)

Ursachen, Symptome, Diagnostik und Behandlungsmöglichkeiten

Damert, H.-G.1; Kober, M.1; Schack, S.1; Bahsoun, A.1
1    Klinik für Plastische, Ästhetische und Handchirurgie, Helios Bördeklinik, Neindorf/Oschersleben

Einleitung

Das Lipödem ist weder eine seltene noch eine neue Erkrankung. Man geht davon aus, dass etwa 10 % der europäischen Frauen davon betroffen sind (1). In der medizinischen Literatur wurde es erstmals 1940 durch Allen und Hines erwähnt (2, 3), die ersten bildlichen Hinweise kann man beispielsweise im Tempel des Pharaos Hatshepsut in Deir el Bahri vermuten. Bis zum heutigen Tage ist die Ursache der Erkrankung nicht eindeutig bekannt. Charakteristisch ist neben einer Unterhautfettgewebsvermehrung an Armen und/oder Beinen eine Neigung zu Blutergüssen ohne Trauma sowie Druck-, Berührungs- und Spannungsschmerzen. Auffällig ist eine Disproportion zwischen Ober- und Unterkörper mit einem schlankeren Oberkörper, da der Rumpf von der Fettgewebsvermehrung nicht betroffen ist (4, 5). Diese Merkmale stellen neben Verlauf und Erkrankungsbeginn die wesentlichen Diagnosekriterien dar und lassen das Lipödem zu anderen Erkrankungen wie Adipositas, Lymphödem und schmerzhafter Lipodystrophie abgrenzen. Eine Adipositas kann mit einem Lipödem vergesellschaftet sein und die Beschwerden verstärken (6, 7).

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Hygienemanagement zur Eindämmung des neuartigen SARS-CoV-2-Virus

Antje Lehmann (Foto: M. Dybiona)
Antje Lehmann
(Foto: M. Dybiona)

in der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (KMKG) des Universitätsklinikums Magdeburg A.ö.R.

Lehmann, A.1, Xu, Z.1, Meyer, F. 2, Zahl, C.1, Stanarius, T.1
Universitätsklinikum Magdeburg A.ö.R.
1 Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie
2 Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Gefäß- und Transplantationschirurgie

Einleitung

Die rasante COVID-19 Pandemie zeigte uns bereits Ende Februar 2020 an, dass in unserem klinikbasierten Fachbereich Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (MKG) sowie in der Oralchirurgie mit mehr als 15.000 Patienten pro Jahr (ambulant und stationär) Maßnahmen getroffen werden müssen, um den Schutz des Personals und der Patienten zu gewährleisten. Ziel war es, die Infektionen und Virusübertragungswege bei einer potenziellen Exposition mit dem SARS-CoV-2- Virus zu vermeiden.

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Das Pleuraempyem – heimtückische Komplikation von akuten Lungeninfektionen

Anton Popov Foto: Universitätsmedizin Magdeburg
Anton Popov
(Foto: Universitätsmedizin Magdeburg)

Popov, A*, Walles, T.*
* Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie, Abteilung Thoraxchirurgie, Universitätsmedizin Magdeburg

Das Pleuraempyem ist definiert als die Anwesenheit von Bakterien oder Eiter im Pleuraspalt und meist Folge einer abgelaufenen Lungenentzündung. Aus diesem Grund kommt es gerade in der kalten Jahreszeit und insbesondere als Folge von viralen Lungenerkrankungen zu einem gehäuften Auftreten von Pleuraempyemen in der Bevölkerung. Die Inzidenz des Pleuraempyems nimmt weltweit sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern rasant zu [1].

Die Folgen der aktuellen COVID-19 Epidemie können noch nicht abgeschätzt werden, aber ein Anstieg bakterieller Pneumonien und Pleuraempyeme als Folge von Superinfektionen bei den erkrankten Patienten ist zu erwarten. Der Übergang von einer Lungenentzündung zum Pleuraempyem ist fließend und bei vielen Patienten wird das Krankheitsbild erst verzögert diagnostiziert [2]. In aktuellen Studien hat das Pleuraempyem eine Mortalität von bis zu 20 % und ist damit eine lebensgefährliche Erkrankung [3]. In der vorliegenden Arbeit werden die für die ambulante Medizin und den Erstversorger wichtigen Aspekte der Diagnostik und Therapie des Pleuraempyems zusammengefasst.

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