Leichenfund – Lehrmodul in der virtuellen Realität

Dr. med. Dietrich Stoevesandt (Portraitfoto: UKH Halle/Zentrale Fotostelle)
Dr. med. Dietrich Stoevesandt (Foto: UKH Halle/Zentrale Fotostelle)

Siol, A. F.1, Peter, L.-M.1, Richter, C.2, Lessig, R.2, Junghänel, M.1, Stoevesandt, D.1
1    Dorothea Erxleben Lernzentrum Halle, Medizinische Fakultät, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
2    Institut für Rechtsmedizin, Medizinische Fakultät, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg


Einleitung

In Deutschland und anderen Ländern, in denen Ärztinnen und Ärzte die Leichenschau unabhängig von ihrer Spezialisierung durchführen, ist die zugehörige Lehre oft zentraler Bestandteil der Ausbildung in der Rechtsmedizin (1). Trotzdem kommt es immer wieder zu eklatanten Fehlleistungen (2, 3). Die Notwendigkeit der Fortbildung zu diesem Thema wird auch von jungen Ärztinnen und Ärzten wahrgenommen. Basierend auf einer Bedarfsanalyse, die wir Ende 2019 bezüglich zentraler Fertigkeiten für den klinischen Berufsstart erhoben haben (n=78), wurden die Durchführung einer ärztlichen Leichenschau, das korrekte Ausfüllen des zugehörigen Totenscheins und das Vorgehen bei ungeklärten bzw. nicht-natürlichen Todesfällen von etwa ¾ der Befragten als notwendiger Lehrinhalt für ein Curriculum angegeben.

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Chirurgie der Atrioventrikularklappen im Erwachsenenalter

Prof. Dr. med. Jens Wippermann
Prof. Dr. med. Jens Wippermann (Foto: UMMD)

Minimalinvasive Rekonstruktion von Mitral- und Trikuspidalklappe

Prof. Dr. med. Jens Wippermann, Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie des Universitätsklinikums Magdeburg A.ö.R.


Einleitung


Das menschliche Herz ist mit insgesamt vier Herzklappen ausgestattet. Die beiden Taschenklappen (Aorten- und Pulmonalklappe) liegen am Übergang der beiden Herzkammern in die darauffolgenden großen Blutgefäße, während die beiden Segelklappen (Mitral- und Trikuspidalklappe) die Verbindung der Vorhöfe mit den Herzkammern markieren. Bei einem Herzklappenfehler ist die Ventilfunktion einer oder sogar mehrerer dieser Klappen gestört, sodass der Herzmuskel es nur mit großer Kraft schafft, den normalen Körperkreislauf aufrechtzuerhalten. Über kurz oder lang führt diese Kraftanstrengung zu einer terminalen Herzinsuffizienz. Eine Möglichkeit den bzw. die Herzklappenfehler zuverlässig zu behandeln, ist oftmals nur die Operation. Die chirurgische Reparatur oder der Ersatz der Vorhofklappen ist die zweithäufigste Operation an den Herzklappen in der Bundesrepublik [1]. Eine stenotische Klappe wird in der Regel durch eine künstliche Prothese ersetzt, da eine Reparatur in den meisten Fällen nicht möglich ist. Eine insuffiziente Klappe dagegen kann oftmals repariert und die anatomisch gerechte Klappengeometrie und Klappenbeweglichkeit wiederhergestellt werden. Die Rekonstruktion der Klappen und die damit gewonnenen Erfahrungen sind Garant für ein gutes Langzeitergebnis und einer erhöhten Lebensqualität des Patienten.

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Zur Bedeutung der Krankheitsverarbeitung im chirurgischen Behandlungsumfeld

Priv.-Doz. Dr. med. Matthias Vogel (Foto: privat)
Priv.-Doz. Dr. med.
Matthias Vogel (Foto: privat)

Vogel, M.1; Meyer, F.2; Walter, M.3; Frommer, J.1

1) Aus der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Medizinische Fakultät der Otto-von-Guericke-Universität
mit
Universitätsklinikum Magdeburg A.ö.R., Magdeburg
2) Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Gefäß- und Transplantationschirurgie, Medizinische Fakultät der Otto-von-Guericke-Universität
mit Universitätsklinikum Magdeburg A.ö.R., Magdeburg

3) Klinik für Psychiatrie, Universitätsklinikum Jena, Jena


Einleitung

Die Psychosomatische Medizin als ein Querschnittsfach befasst sich auch mit den Komplikationen medizinischer Behandlungsgänge, zumindest dann, wenn diese psychische Relevanz haben oder aber, umgekehrt, die Psyche den Schlüssel zum Verständnis der Komplikation selber liefert. Dieser Heuristik haftet aus der Sicht vieler Mediziner ein Anklang unseriöser Esoterik und psychologischer Mystik an. Mit der vorliegenden Arbeit wollen wir im Hinblick auf medizinische und v. a. chirurgische Therapien psychische und psychosomatische Mechanismen beleuchten, die für die gelingende Anpassung an diese Therapien relevant sind.

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Endoskopisch-retrograde, ultraschallüberwachte Gallengangssondierung (ERUG) mit Stenteinlage in das biliäre System

apl. Prof. Steffen Rickes (Portraitfoto: Ronald Göttel, Agentur Media Konzept, Halberstadt)
apl. Prof. Steffen Rickes (Foto: Ronald Göttel, Agentur Media Konzept, Halberstadt)

Eine Alternative zur klassischen endoskopisch-retrograden Cholangiographie (ERC)

Rickes, S. 1; Rauh, P. 1; Eder, F. 2; Mönkemüller, K. 1

AMEOS Klinikum Halberstadt
1    Zentrum für Innere Medizin
2    Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie


Einleitung

Abflussstörungen im biliären System sind häufig. Insbesondere bei Vorliegen einer akuten Cholangitis ist eine zügige Ableitung der gestauten Gallenwege wichtig. Die endoskopisch-retrograde Cholangiographie (ERC) mit der Möglichkeit der Papillotomie und Stenteinlage ist dabei die Methode der Wahl. Zusätzliche Probleme entstehen, wenn technische Defekte der Röntgendurchleuchtungsanlage die zügige Durchführung einer ERC verhindern, eine Verlegung der Patienten schwierig ist (z. B. während einer Epidemie) oder Strahlenbelastungen – insbesondere bei Schwangeren und Kindern – vermieden werden sollten. Mit der vorliegenden Kasuistik soll daher eine ultraschallbasierte Alternative zur ERC dargestellt werden.

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Gefäßverletzungen

Jasmin Dillner Foto: privat
Jasmin Dillner (Foto: privat)

Ätiopathogenese, Diagnostikspektrum, Therapiespezifika, Outcomecharakteristika (#) (+)

Dillner, J. 1); Pech, M. 2); Meyer, F. 1) *); Halloul, Z. 1) *)
1)    Arbeitsbereich Gefäßchirurgie, Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Gefäß- und Transplantationschirurgie Universitätsklinikum Magdeburg A.ö.R.
2)    Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin, Universitätsklinikum Magdeburg A.ö.R.

(#)    Der Artikel wird Herrn Prof. Winfried Wagemann gewidmet.

(+)    Der Artikel entspricht einer gekürzten und modifizierten Version von: Halloul Z., Dillner J. Gefäßverletzungen (Kapitel 21). In: Zühlke H et al. Septische Gefäßmedizin. Thieme, Stuttgart, 2019 (mit freundlicher Genehmigung der Thieme Gruppe)
*)    Die Autoren sind gleichberechtigte „senior authors“.

Einleitung

Bei Gefäßverletzungen handelt es sich meist um Notfallsituationen mit drohender Ischämie von Organen und/oder Extremitäten bzw. mit lebensbedrohlichem Blutverlust. Sie nehmen in der Gesamtzahl rekonstruktiver Eingriffe jedoch nur einen geringen Prozentsatz ein. Gefäßverletzungen als Folge penetrierender und stumpfer Gewalteinwirkungen sind als weitere Komplikationsquelle im Rahmen der septischen Gefäßchirurgie von besonderer Bedeutung. Über Jahrzehnte führte die Gefäßverletzung zu kaum beherrschbaren Schwierigkeiten und Problemen. Offene Gefäßverletzungen der Extremitäten wurden unterbunden und zogen entweder den Verlust der Extremität oder durch Ischämie, Nekrose und Weichteilinfektionen wie Gasbrand den Tod nach sich. Verletzungen zentraler Gefäße führten wegen der fehlenden Therapiemöglichkeiten grundsätzlich zum Tode. So wurde Ende des 19. Jahrhunderts damit begonnen, offene Gefäßverletzungen durch gefäßrekonstruktive Maßnahmen zu therapieren.

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