Ist ambulante Chirurgie im Krankenhaus wirtschaftlich sinnvoll?

Petersen, M.*, Meyer, F.*, Lippert, H., Klinik für Allgemein-, Viszeral- & Gefäßchirurgie,
(Direktor: Prof. Dr. Dr. h.c. H. Lippert), Universitätsklinikum Magdeburg A.ö.R., Magdeburg, Deutschland

* Autoren sind zu gleichen Teilen an Manuskriptidee, -umsetzung, -entwurf, -korrektur und -layout beteiligt, weshalb sie gleichberechtigt als Erstautor zu betrachten sind.

Eine Kosten-Nutzen-Analyse ausgewählter chirurgischer Operationen

Einleitung

Mit den im März 2000 beschlossenen Änderungen des Gesundheitsstrukturgesetzes (GSG) sollte das ambulante Operieren für den stationären Bereich besser zugänglich gemacht werden. Ziel des Gesetzgebers war die Überwindung sektoraler Abgrenzungen und die Erschließung von Einsparmöglichkeiten im klinisch-operativen Alltag. In der Realität werden jedoch noch immer unter 10 % aller Operationen (OP) ambulant vorgenommen. Nach Einschätzung unterschiedlicher Autoren können jedoch bis zu 50 % aller OP angeblich ohne Einbußen an Qualität und Sicherheit auch unter ambulanten Bedingungen durchgeführt werden [1,2], insbesondere unter niedrigem Komplikationspotenzial als Grundvoraussetzung. In den USA werden beispielsweise 80-90 % der jährlich ca. 770.000 durchgeführten Leistenhernien-OP ambulant vorgenommen [3]. Die Realität im deutschen Gesundheitswesen zeichnet hier trotz klar formulierter Willensäußerungen der Politik ein etwas differentes Bild. In der verstärkten Durchsetzung ambulant durchgeführter Eingriffe wird ein großes Einsparpotenzial gesehen, welches von staatlicher Seite und von Seiten der Krankenkassen gern genutzt würde [4]. Eine Kostendeckung unter Vermeidung von Ertragsdefiziten (ggf. sogar mit Erlösen als zusätzlichem Anreiz) für ambulant durchgeführte Eingriffe ist jedoch für die leistungserbringende Einrichtung eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine Zunahme der Zahl an ambulanten OP. Aussagekräftige Zahlen zur Kosteneffektivität ambulanter OP in Deutschland sind allerdings rar.
Unter dem Aspekt, dass die gewährte Kostenabrechnung möglicherweise nicht die Aufwendungen der Einrichtung bei den ambulanten OP deckt, wie mehrfach berichtet wird, hatte die vorliegende prospektive klinisch-systematische Beobachtungsstudie das Ziel, die mögliche Kosteneffektivität ausgewählter OP mit möglichem ambulanten Setting an einem Krankenhaus der Maximalversorgung mit Lehr- und Forschungsauftrag im klinisch-chirurgischen Alltag zu ermitteln.

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Fortschritte in der Suchttherapie

Forschner, L., Medinet GmbH Fachklinik Alte Ölmühle, Magdeburg

Die neuen Zugangswege in die Rehabilitation für Abhängigkeitskranke geben Hausärzten neue Möglichkeiten

Einleitung

Nicht erst seit der Greifswalder Studie, die im Oktober 2012 in der Presse zitiert wurde, ist bekannt, dass alkoholkranke Menschen eine deutlich geringere Lebenserwartung haben. In dem Bericht des Ministeriums für Gesundheit und Soziales Sachsen-Anhalt zum Thema „Alkoholbezogene Krankheitslast und Sterblichkeit in Sachsen-Anhalt“ von 2008 wurden Fakten vorgelegt, die zum Handeln aufforderten. Im Vergleich zum Bundesdurchschnitt war in Sachsen-Anhalt die Anzahl alkoholbedingter Krankenhausbehandlungen deutlich höher. Die Frühberentung durch alkoholbedingte Erkrankungen war 1,8-mal höher, es starben 1,7-mal häufiger Menschen an alkoholbedingter Lebererkrankung und gleichzeitig wurden weniger Entwöhnungsbehandlungen eingeleitet (1). 80% der alkoholabhängigen Menschen haben mindestens einmal im Jahr Kontakt zu einem Hausarzt, einem praktischen Arzt oder einem Internisten. Bei den Menschen mit Alkoholmissbrauch lag diese Rate bei 67,4% (2). Viele Betroffene erhalten also trotz eines gut definierten Suchthilfesystems keine ausreichende suchtspezifische Behandlung. Ziel dieses Artikels ist es, auf die neuen Wege in eine Entwöhnungsbehandlung und die Notwendigkeit weiterer Anstrengungen, suchtmittelabhängige Menschen für diese zu motivieren, hinzuweisen.

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Therapieresistente Depressionen

Walter, M., Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie & Leibniz Institut für Neurobiologie, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Neue Ansätze bei Diagnose und Behandlung

Einleitung

Depressive Erkrankungen stellen nicht nur eine der großen Krankheitsgruppen innerhalb der Psychiatrie dar, sondern müssen aktuell auch fachübergreifend zu den großen medizinischen Problemen in westlichen Industrieländern gezählt werden. Die Beeinträchtigung durch depressive Episoden wird in erster Linie durch eine direkt verminderte Lebensqualität im Rahmen depressiver Verstimmung und kognitiver Einschränkungen, verminderte Leistungsfähigkeit aber auch durch ein stark erhöhtes Suizidrisiko verursacht. Damit wird die Depression von der WHO als Hauptursache medizinisch bedingter Behinderung mit der größten Verminderung von „diasability adjusted life years“ über alle chronischen Erkrankungen angesehen. Von 160.000 Neuzugängen zum Rentensystem aufgrund einer verminderten Erwerbsfähigkeit waren 2008 allein 20.000 durch Depressionen verursacht. Darüber hinaus fallen neben Produktivitätsminderung und Arbeitszeitausfällen familiäre und andere soziale Folgeschäden an sowie eine erhöhte Komorbitität mit somatischen Erkrankungen, nicht zuletzt durch eine Vernachlässigung gesundheitsbewussten Verhaltens. Der vorliegende Artikel soll einen Überblick über aktuelle Entwicklungen in der Diagnose und Behandlung, insbesondere bei Vorliegen einer therapieresistenten Depression, geben und richtet sich daher vor allem an psychiatrische Kollegen aber auch an Kollegen in allgemeinmedizinischer Praxis. Gerade dort ist das Erkennen einer therapieresistenten Depression, mit der Folge einer rechtzeitigen Überweisung zu einem Facharzt, entscheidend für die Verhinderung eines therapeutisch ungünstigen, chronischen Verlaufes.

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