Minimal-invasives Management einer akuten radiogenen Cholezystitis

Eric Lorenz
Eric Lorenz
Dr. med. Maciej Powerski
Dr. med. Maciej Powerski

nach Y90-Radioembolisation intrahepatischer Metastasen – modifizierter Zweitdruck mit Zusatzkommentar zu neuen, abgeleiteten Aspekten

Maciej Powerski*1/Eric Lorenz* 2, Ortrud Kosiek 1,
Hans-Ulrich Schulz 3, Frank Meyer #2/Maciej Pech#1

1     Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin
2    Klinik für Allgemein-, Viszeral- & Gefäßchirurgie, Universitätsklinikum Magdeburg A.ö.R., Magdeburg
3    Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, AMEOS-Klinikum, Haldensleben, Deutschland

*)    Die beiden Autoren M.P. & E.L. sind mit gleichen Anteilen an Manuskriptidee, -entwurf und -korrektur beteiligt, weshalb sie gleichberechtigt als Erstautoren zu betrachten sind.
#)    Die beiden Autoren F.M. & M.P. sind mit gleichen Anteilen an Manuskriptidee, Bildung des Autorenkollektivs, Abstimmung der Anteile bei Manuskripterstellung, -durchsicht und -einreichung beteiligt, weshalb sie gleichberechtigt als “senior authors” fungieren.

Erstveröffentlichung des Artikels unter Originaltitel «Situativ und befundadaptiertes, minimalinvasives Management einer akuten radiogenen Cholezystitis nach 90Y-Radioembolisation intrahepatischer Metastasen» in: Zentralblatt für Chirurgie 2013; 138(1): 84-87, © Georg Thieme Verlag

Die selektive interne Radiotherapie (SIRT) zählt zu den minimal-invasiven Therapien hepatischer Neoplasien und ist wichtiger Bestandteil heutiger onkologischer Therapiekonzepte. Das Prinzip besteht in der transarteriellen Applikation von Yttrium-90(Y-90)-beladenen Microsphären. Y-90 ist ein ß-Strahlung-emittierendes Nuklid mit einer Halbwertszeit von ca. 64 Stunden, welches aufgrund des physikalischen Zerfallsmusters eine regional begrenzte Bestrahlung ermöglicht. Die mittlere Reichweite im Gewebe liegt bei etwa 2,5 – 3,5 mm. Hintergrund ist, dass intrahepatische Tumormanifestationen ab einer Mindestgröße von ca. 3 mm größtenteils über die Leberarterien nutritiv versorgt werden, während das gesunde Leberparenchym über Aufzweigungen der V. portae seine Versorgung erhält. Somit ermöglicht die selektive Injektion über die Leberarterien eine lokale Hochdosis-Bestrahlung mit bis zu 300 Gy. Aufgrund der geringen Größe der Microsphären ist eine Embolisierung der Gefäße nur ein relativ unbedeutender Nebeneffekt. Um extrahepatische Schäden durch Fehldeposition zu vermeiden, erfolgt vor der SIRT eine Evaluierung der arteriellen Leberanatomie und standardmäßig der Verschluss der A. gastroduodenalis und A. gastrica dextra sowie gegebenenfalls weiterer kleiner akzessorischer Arterien extrahepatischer Organe. Die anschließende Testinjektion von Technetium-markiertem,  makroaggregiertem Albumin (99mTc-MAA) erlaubt die Vorhersage der geplanten therapeutischen Nuklidverteilung und wird mittels Bildfusion aus SPECT und MRT-/CT-Daten (Tc-MAA-Szintigraphie) beurteilt. Im Falle einer regelrechten Test-Nuklidbelegung wird die SIRT durchgeführt und postinterventionell erneut die Verteilung der therapeutischen Microsphären durch eine Bremsstrahlenszintigrafie kontrolliert und dokumentiert. Ein Abstrom von Microsphären in extrahepatische Regionen mit konsekutiven lokalen, therapiepflichtigen postradiogenen Schäden ist eine seltene Komplikation.

Das Ziel der vorliegenden Kasuistik ist es, anhand eines eindrucksvollen, seltenen, aber durchaus repräsentativen klinischen Falles aus der radiotherapeutischen Praxis Befund (ungewöhnliche Komplikation einer akuten radiogenen, SIRT-induzierten Cholecystitis), therapeutischen Ansatz (interdisziplinär abgestimmtes minimal-invasives, interventionell-radiologisches Vorgehen) und klinischen Verlauf mit „Outcome“ (Rekonvaleszenz) darzustellen und unter Reflexion selektiv eruierter Literaturangaben, insbesondere hinsichtlich einer etiopathogenetisch begünstigenden Faktorbetrachtung sowie befundspezifischen differenzialtherapeutischen Herangehens zu diskutieren.

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