Aktionstag und Festveranstaltung im September

In Sachsen-Anhalt werden in diesem Jahr rund 15.500 Krebsneuerkrankungen* erwartet. Das bedeutet die höchste Inzidenz an Tumorerkrankungen aller Bundesländer. Keine Krankheit schreckt die Deutschen mehr, wie Forsa-Umfragen regelmäßig ermitteln. Dabei verbesserten sich die Chancen auf ein längeres Leben für Krebspatienten dank besserer Therapiemöglichkeiten in den letzten 20 Jahren wesentlich. Wichtig ist und bleibt aber vor allem eine effektive Früherkennung und Vorsorge, die jedoch leider von vielen nicht wahrgenommen wird.

Auf Spenden angewiesen

Am 27. September 1993 wurde das Tumorzentrum Anhalt gegründet. Mitinitiator war das Gesundheitsministerium Sachsen-Anhalt. Nachdem es in Magdeburg und Halle damals bereits an die Universitätskliniken angeschlossene Tumorzentren gab, sollte das Dessauer Klinikum in dieser Hinsicht ebenfalls aktiv werden. Professor Dr.med. Hans-Dieter Göring als Leiter und Marianne Wienhold als Koordinatorin gehörten mit zu den ersten Wegbereitern.
Heute arbeiten im Tumorzentrum fünf Mitarbeiter als Angestellte des Klinikums. Das Zentrum agiert als eingetragener Verein unter dem Vorsitz von Privatdozent Dr. Dr. med. habil. Reinhard Schück, der das Tumorzentrum ehrenamtlich leitet. Als Chefarzt der Klinik für Chirurgie am Städtischen Klinikum in Dessau schätzt er die enge Verbindung und Zusammenarbeit zwischen den elf zusammenarbeitenden Kliniken und Praxen im Einzugsbereich des ehemaligen Regierungsbezirks Dessau.
Zur Ausübung und Wahrnehmung seiner Aufgaben ist das Zentrum jedoch auf Spenden angewiesen. Die Anschaffung einer Gammasonde zur besseren Diagnostik der Wächter-Lymphknoten im Klinikum oder eines Therapiesessels im Wittenberger Paul Gerhard Stift wären anders unmöglich gewesen. Die nötigen Gelder kommen aus Spenden von Erkrankten, Angehörigen, Sponsoren, Firmen und Institutionen. Zuwendungen von Land und Bund gibt es noch nicht. Aber es ist zu hoffen, dass ein neues Bundesgesetz die Turmorzentren in absehbarer Zukunft finanziell besser stellen wird. Hinsichtlich der Leistungen, die schon jetzt erbracht werden, sollte es bald soweit sein.

Konsil, Statistik, Charta

Einmal wöchentlich treffen sich Ärzte aus den verschiedensten Fachrichtungen zum Tumorkonsil. Das erste Konsil fand im Jahr 2000 statt. Bis heute wurden etwa 2.000 Patientenfälle besprochen. Rund 5.500 Ärzte wirkten mit, um jeweils Empfehlungen für die Weiterbehandlung der Patienten zu geben. Es ist gesetzlich geregelt, dass jede Krebserkrankung auch in Anhalt von der Praxis oder dem Krankenhaus an das Tumorzentrum gemeldet werden muss. Die Dokumentation erlaubt Schlussfolgerungen für weitere Behandlungen oder neue Therapieansätze. Dazu engagiert sich das Tumorzentrum Anhalt auch in der Arbeitsgemeinschaft deutsche Tumorzentren. Das Einzugsgebiet für die Registrierung der Krebserkrankungen umfasst die Landkreise Anhalt-Bitterfeld und Wittenberg sowie die Stadt Dessau-Roßlau mit insgesamt 580.000 Einwohnern.

Eine weitere wesentliche Aufgabe des Tumorzentrum ist die Vermittlung des neuesten Wissensstandes auf dem Gebiet der Krebsdiagnostik und Therapie. Hierzu werden von Frau Dipl.-Med. Christine Schirmer monatliche interdisziplinäre onkologische Fortbildungen organisiert. Ebenfalls stellt sich das Zentrum moralischen, rechtlichen und ethischen Grundsätzen. So wurde im Januar 2013 die Charta für schwerstkranke und sterbende Menschen unterzeichnet. Unter den 200 Gästen, die ihre Unterschrift gaben, gehörten auch der Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt, Dr. Reiner Haseloff, die Präsidentin der Ärztekammer Sachsen-Anhalt, Dr. Simone Heinemann-Meerz und der Oberbürgermeister der Stadt Dessau-Roßlau, Klemenz Koschig. Am 27. September 2013 wird der Ministerpräsident wieder in Dessau sein und den Aktionstag aus Anlass des 20-jährigen Bestehens des Tumorzentrums Anhalt im Radisson Blu Fürst Leopold Hotel in Dessau eröffnen. Information und Aufklärung stehen im Mittelpunkt des Aktionstages. Es werden umfassende Fachvorträge geboten. Dank des Schriftstellers und Literaturkritikers Hellmuth Karasek findet eine literarische Auseinandersetzung mit dem Thema Krebs statt. Der Sänger und Musiker Dirk Michaelis, seit 2009 als Botschafter der Deutschen José Carreras Leukämie-Stiftung aktiv, konnte ebenfalls für die Veranstaltung gewonnen werden und rundet diese musikalisch ab.

Dr. Dr. med. habil. Reinhard Schück, Grit Hachmeister

*Quelle: Studie Statistisches Landesamt und Gemeinsames Krebsregister der Länder (GKR), 2013