„Der Tumorpatient im Focus der MKG-Chirurgie“ war das Thema des ersten Symposiums der Universitätsklinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie, welches am 23.11.2013 im Lehrgebäude des Universitätsklinikums Halle stattfand. Mehr als 190 Teilnehmer sind der Einladung des wissenschaftlichen Leiters, Herrn PD Dr. Dr. A. Eckert, gefolgt. Neben Ärzten waren dies zum Großteil Zahnärzte aus weiten Teilen Sachsen-Anhalts.
Nach einem Grußwort durch den Dekan der Medizinischen Fakultät, Herrn Prof. Dr. Michael Gekle, wurde den Teilnehmern der aktuelle klinische Stand zur Behandlung von Mundhöhlenmali-gnomen und deren Vorstufen, aber auch von Karzinomen der Kopf- und Halshaut berichtet.

Logo des Universitätsklinikum Halle (Saale)Im Kernpunkt aller Vorträge stand dabei die Interdisziplinarität. Schon im ersten Vortrag zur Thematik Mundhöhlenkarzinome und Implantation (Referent Dr. W. Reich) wurde auf die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Kieferchirurg, Zahnarzt, Prothetiker und Strahlentherapeut hingewiesen. So ist es gegenwärtig in zunehmendem Maße möglich, auch bestrahlte Patienten hochwertig mit einer implantatgetragenen Versorgung zu rehabilitieren. Kritisch wird dies erst ab einer Dosis von etwa 50 Gy, welcher der entsprechende Kieferabschnitt zu späteren Implantation ausgesetzt wurde.
Im zweiten Vortrag (Referent Dr. K. Dauter) wurden die Problematik oraler Präkanzerosen und deren klinisches Verhalten im Hinblick auf eine maligne Transformation erörtert. Anhand zweier eindrucksvoller klinischer Beispiele unterstrich der Vortrag die Notwendigkeit einer Mundschleimhautsprechstunde auf universitärem Niveau. Dabei spielt die Bürstenbiopsie nur im klinischen Verlauf eine Rolle. Der Goldstandard – die eigentliche Diagnosesicherung – erfolgt nach wie vor durch eine klassische Inzisionsbiopsie mit nachfolgender Histologie durch den Pathologen.
Mit dem Vortrag Osteoradionekrose und Osteochemonekrose – aktuelle Aspekte – stellte der wissenschaftliche Leiter einmal mehr das Problem Interdisziplinarität bis in die onkologischen Fachgebiete dar. Speziell bei der Osteochemonekrose durch Bisphosphonate besteht nach wie vor ein erheblicher Kommunikationsbedarf. Diese Bisphosphonate sind ein sehr gutes Therapeutikum bei zahlreichen Tumoren mit einer ossären Metastasierung (u. a. Mamma-, Prostata-, Nierenkarzinom). Allerdings ergeben sich insbesondere bei den modernen Aminobisphosphonaten in Kombination mit einer etwa  36-monatigen Applikationsdauer schwer therapierbare Nekrosen der Kieferknochen. Hier sollte in Zukunft eine dentale Sanierung vor Beginn der Bisphosphonattherapie angestrebt und auch kommuniziert werden.

Ein weiterer Aspekt galt der Therapie von Malignomen der Kopf- und Halshaut. Hier verfügt die Hallesche Universitätsklinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie deutschlandweit über eine sehr große Expertise. In diesem Zusammenhang verdeutlichte der erste Vortrag zu dieser Thematik die Prinzipien einer chirurgischen Therapie derartiger Karzinome (Referentin Dr. Dr. K. Scheller). Hervorgehoben wurde, dass nahezu alle diese chirurgischen Maßnahmen in Lokalanästhesie durchgeführt werden können. Dadurch wird das prinzipielle Risiko einer Narkose – interessant vor allem für multimorbide Patienten – umgangen. Dabei garantiert die potente moderne Lokalanästhesie eine schmerzfreie Operation.   Der zweite Vortrag – präsentiert als didaktisches Tandem – hob ausgewählte Fälle fortgeschrittener Malignome des Gesichtes hervor. Abwechselnd stellten die Referenten C. Keschke und Dr. C. Heinzelmann die klinischen Verläufe verschiedener Kasuistiken vor. Das Auditorium konnte sich überzeugen, dass unter Ausnutzung des plastisch-chirurgischen Repertoires auch fortgeschrittene Hautkarzinome wirkungsvoll bei sehr guten ästhetischen Resultaten therapiert werden können.

Die letzte Präsentation unterstrich die wissenschaftlichen Aktivitäten zum Schwerpunkt der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg Molekulare Medizin der Signaltransduktion. Im Vortrag wurde dargestellt, dass heutzutage die Größe eines Mundhöhlenkarzinoms und dessen Differenzierung unter dem Lichtmikroskop bei weitem nicht mehr allein ausreichen, um die Aggressivität korrekt einschätzen zu können. Ein Schlüssel zum Erfolg könnte bei den Micro-RNA liegen. Dies sind kleine, kurzsträngige RNA-Moleküle, welche bei der Tumorprogression entstehen. Wie bei einem Fingerabdruck ist eine gewisse Hochregulierung spezieller Micro-RNA typisch für das aggressive Verhalten der Karzinome. Es bleibt abzuwarten, wann u.a. daran die Therapiemodalitäten angepasst werden können. Die Ergebnisse dieser prospektiven Studie unterstreichen, dass alsbald mit weiteren Empfehlungen zur Therapiestratefizierung des Mundhöhlenkarzinoms beim Menschen zu rechnen ist (Referent Dr. M. Kappler).

apl. Prof. Dr. Dr. A. Eckert
Komm. Direktor
Universitätsklinikum und Poliklinik für Mund-, Kiefer-, und Plastische Gesichtschirurgie Universitätsklinikum Halle (Saale)

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