Logo Städtisches Klinikum Dessau„Jeder möchte für seine Kinder die bestmögliche Gesundheitsversorgung mit spezialisierten Ärzten und kompetentem Pflegepersonal in Wohnortnähe. Gerade Kinder brauchen Kliniken mit ausgewiesener Expertise in der alters- und familiengerechten stationären Behandlung.“ Diese Erfahrung sieht Dr. Uwe A. Mathony in seinem Klinikalltag bestätigt. Seit vier Jahren ist er Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im Städtischen Klinikum Dessau und weiß, wie wichtig eine niedrigschwellige und gut verzahnte ambulante und stationäre Versorgung für Kinder und Jugendliche ist. „Allerdings drohen vielen Kinderkliniken zunehmend den Sparzwängen im Gesundheitssystem zum Opfer zu fallen. Dagegen müssen wir vorgehen“, sagt Dr. Mathony und unterstützt die jetzt gestartete Bundesaktion „Rettet die Kinderstation“.

Kinderstationen braucht das Land

Verbände der Kinder- und Jugendmedizin haben 2012 die flächendeckende Versorgung definiert: Eine Kinderklinik sollte in maximal 40 Minuten und 30 km für die Patienten erreichbar sein. Aber bundesweit wurde seit 1991 fast jede fünfte Abteilung für Kinder- und Jugendmedizin geschlossen, die Zahl der stationären Betten um fast 40 Prozent reduziert. In Sachsen-Anhalt halbierte sich die Zahl der Kinderkliniken gar von 39 im Jahre 1989 auf aktuell 19.*
Demgegenüber blieb die Anzahl der Kinder, die eine stationäre Versorgung benötigen, trotz der demographischen Entwicklung bundesweit relativ konstant. Diese Entwicklung gibt Anlass zur Sorge. Die Ökonomisierung der Kliniken rückt immer mehr in den Fokus. Kinderabteilungen stehen aufgrund der hohen Vorhaltekosten in einem unfairen Wettbewerb. „Wir leisten zu über 80 Prozent Akut- und Notfallversorgung. Unsere Patienten sind nicht planbar, wie Betriebswirte das gerne sehen, und die Auslastung der Kinderkliniken schwankt entsprechend. Das seit 2004 gültige Fallpauschalen-System zur Krankenhausfinanzierung sieht höhere Vorhaltekosten (z. B. für die Notfallversorgung) aber nicht vor. Hinzu kommt die enorme Bandbreite an Erkrankungen bei Kindern, auf die wir jederzeit vorbereitet sein müssen. Bis zu 500 unterschiedliche Fallpauschalen sind bei uns normal, das sind mehr als doppelt so viele im Vergleich zu einer Abteilung der Erwachsenenmedizin“, beschreibt Dr. Mathony die Situation. „Kompensatorische Mengenausweitungen z. B. durch zusätzliche Indikationen wie in der Erwachsenenmedizin, wo die Auf-nahmen der 70- bis 90-Jährigen um 31 Prozent in 6 Jahren gestiegen sind, gibt es nicht.“

Die Gesellschaft der Kinderkrankenhäuser und Kinderabteilungen in Deutschland (GKinD) initiierte nun im Verbund mit der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ) die Aktion „Rettet die Kinderstation“. Die Botschaften an die Entscheider auf bundespolitischer Ebene sind klar: Die Finanzierung der Kinder- und Jugendmedizin muss neu geregelt werden. Dazu gehören ein Sicherstellungszuschlag für Kinderkliniken zur Finanzierung der um
15 Prozent höheren Vorhaltekosten, die Erhaltung der Kinderkrankenpflege in der Erstausbildung und die Absicherung von pädiatrischen Spezialambulanzen und Sozialpädiatrischen Zentren zur heimatnahen Behandlung chronisch kranker Kinder und Jugendlicher. Durch Plakataktionen, Pressemitteilungen und den Onlineauftritt www.rettet-die-kinderstation.de soll die Öffentlichkeit informiert und um ihre Unterstützung geworben werden, damit auch künftig die wohnortnahe Kinderklinik die Regel bleibt und nicht zur Ausnahme wird.

“Ausgezeichnet. Für Kinder.”

Chefarzt Dr. med. Uwe A. Mathony unterstützt die bundesweite Aktion „Rettet die Kinderstation“. Foto: SKD Spezialisiert auf die Versorgung kleiner Patienten gehört die Dessauer Kinderklinik zu den modernsten Schwerpunktkrankenhäusern im Land. Ganzheitliche Behandlung schließt hier die Mitaufnahme der Eltern ein. Frühgeborene, Kinder und Jugendliche bis
18 Jahre können intensivmedizinisch betreut werden. Bei speziellen kardiologischen, gastroenterologischen und neurologischen Fragen, aber auch bei Rheuma und Diabetes stehen pädiatrische Fachärzte mit entsprechenden Gebietsbezeichnungen zur Verfügung. Kinder und Jugendliche werden vor Ort in der Klinik, in Spezialambulanzen und im Medizinischen Versorgungszentrum behandelt. Zudem leisten Kinder- und Jugendpsychiater und -psychologen Hilfestellung bei Problemlagen. Damit keine Langeweile am Krankenbett aufkommt, sorgen Klinikclowns und „Gelbe Feen“ für ein tägliches Beschäftigungsprogramm. Wie-derholt verlieh die Gesellschaft der Kinderkrankenhäuser und Kinderabteilungen in Deutschland e.V. (GKinD e.V.) der Dessauer Einrichtung das Zertifikat „Ausgezeichnet. Für Kinder“.

| Pi SKD

* Quellen:
Statistisches Bundesamt, Gesellschaft der Kinderkrankenhäuser und Kinderabteilungen in Deutschland (GKinD), Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin (DAKJ); Kiess: 100 Jahre Universitätsklinik für Kinder und Jugendliche in Leipzig, Karger Verlag, 2003