Das Gemeinsame Krebsregister ist das epidemiologische Krebsregister für die neuen Bundesländer und Berlin. Vor kurzem veröffentlichte das Gemeinsame Krebsregister einen Landesbericht zum aktuellen Krebsgeschehen in Sachsen-Anhalt.

Darin werden ausführliche Daten nicht nur zur Krebsinzidenz und -mortalität in den Jahren 2010-2011 vorgelegt, sondern auch zur Prävalenz, zur Entwicklung der Überlebensraten und hinsichtlich der zukünftig zu erwartenden Fallzahlen im Land Sachsen-Anhalt. Der Bericht enthält Auswertungen nach Kreisen, die als detaillierte Tabellen und für die wichtigsten Krebserkrankungen als Karten dargestellt werden. In den Berichtsjahren 2010-2011 erkrankten in Sachsen-Anhalt jährlich durchschnittlich 7.693 Männer und 6.389 Frauen an einer bösartigen Neubildung, ohne nicht-melanotische Hauttumoren (mit C44 sind es 8.753 Männer und 7.262 Frauen). Das entspricht einer jährlichen altersadjustierten Neuerkrankungsrate (nach Europastandardbevölkerung, ESR) von 427 pro 100.000 bei Männern und 300 pro 100.000 bei Frauen. Damit liegt die Neuerkrankungsrate in Sachsen-Anhalt bei Männern und Frauen unter der Schätzung für Deutschland, die bei Männern 459 und bei Frauen 347 pro 100.000 beträgt (Quelle: GEKID). Für das Diagnosejahr 2014 erwartet das GKR nach eigener Schätzung bei Männern 8.019 und bei Frauen 6.636 neue Krebserkrankungen (ohne nicht-melanotische Hauttumoren).

Während in Sachsen-Anhalt die Krebsinzidenz insgesamt in den letzten 10 Jahren stabil blieb, gibt es unterschiedliche Entwicklungen in den einzelnen Lokalisationen. Bei Männern und Frauen sind die Neuerkrankungsraten für maligne Melanome der Haut gestiegen. Bei Frauen stiegen zusätzlich die Brust- und Lungenkrebsinzidenz und bei Männern die Inzidenz von Mund-Rachen-Tumoren. Teilweise erklärt sich der Anstieg durch die Einführung von Screeningmaßnahmen.

Andere Lokalisationen traten dagegen in den letzten Jahren immer seltener auf. Bei Männern waren das Lungen-, Magen-, Nieren- und Kehlkopfkrebs und bei Frauen unter anderem Darm-, Gebärmutterkörper-, Eierstock-, Gebärmutterhals- und Magenkrebs sowie Leukämien.
Krebs kann in jedem Alter auftreten, am häufigsten jedoch im höheren Lebensalter. Knapp drei Viertel aller Krebserkrankungen in Sachsen-Anhalt betreffen Menschen, die 60 Jahre und älter sind. Weniger als ein Prozent aller Krebserkrankungen betrifft Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene unter 25 Jahren. Das mittlere Erkrankungsalter (Median) beträgt 70 Jahre.
Die meisten Neuerkrankungen treten in der Altersgruppe der 70- bis 75-Jährigen auf. Pro Jahr erhalten in Sachsen-Anhalt 1.602 Männer und 988 Frauen dieses Alters eine Krebsdiagnose. Das sind 2,1 % bzw. 1,1 % der Bevölkerung in dieser Altersgruppe.

Im GKR-Gebiet leben fünf Jahre nach einer Krebsdiagnose im Schnitt noch 60 % der Männer und 64 % der Frauen. Die relativen 5-Jahres-Überlebensraten haben sich damit in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert. In den 1980er Jahren lagen sie noch bei 27 % bzw. 42 %.

Mit verbesserten Überlebensraten steigt auch die Prävalenz in der Bevölkerung. So lebten am 31.12.2011 in Sachsen-Anhalt 32.530 Männer und 32.417 Frauen mit einer in den letzten 10 Jahren diagnostizierten Krebserkrankung (ohne C44). Das entspricht 2,9 % bzw. 2,7 % der Gesamtbevölkerung Sachsen-Anhalts. Dabei entfallen auf die häufigsten Krebserkrankungen – Prostatakrebs bei den Männer und Brustkrebs bei den Frauen – 11.140 bzw. 13.670 Fälle. Die für den Bericht ausgewerteten Daten stammen größtenteils von Meldungen der Tumorzentren in Sachsen-Anhalt. Hinzu kommen Meldungen von niedergelassenen Ärzten und Zahnärzten sowie Leichenschauscheine. Der Anteil an Krebsneuerkrankungen, die nur durch Leichenschauscheine gemeldet wurden, liegt im Bericht bei 18,6 %.
Der Bericht kann über die Webseite des Gemeinsamen Krebsregisters (www.krebsregister.berlin.de) bestellt oder heruntergeladen werden. Dort stehen ebenfalls Landesberichte für Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Thüringen zur Verfügung, die zeitgleich veröffentlicht wurden, sowie die Kreisdatenblätter Sachsen-Anhalt 2012 mit den aktuellsten Auswertungen auf Kreisebene.

Korrespondenzanschrift:
Ramona Scheufele
Registerstelle
Gemeinsames Krebsregister der Bundesländer Berlin,
Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt
und der Freistaaten Sachsen und Thüringen
Brodauer Str. 16-22, 12621 Berlin
Tel: 030/56581 412
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Internet: www.krebsregister.berlin.de