Logo Städtisches Klinikum DessauSpezialisiertes geriatrisches Versorgungskonzept am Städtischen Klinikum Dessau

Im höheren Lebensalter führen schwerwiegende Verletzungen, wie beispielsweise Frakturen durch Stürze, schnell zu längeren Klinikaufenthalten. Für die Betroffenen ändert sich mit der stationären Aufnahme oft das gesamte Leben. „Die Zahl hochaltriger, mehrfach erkrankter Patienten, die mit einem hohen Betreuungsbedarf in die Notaufnahmen kommen, nimmt zu. Unsere Aufgabe ist es, diese Patientengruppe spezialisiert sowie fachübergreifend zu versorgen und ihnen im Idealfall die Selbstständigkeit inklusive der Rückkehr in die häusliche Umgebung zu ermöglichen.“ Deshalb etablierte Oberarzt Jens H. Schumacher am Städtischen Klinikum Dessau das erste zertifizierte Alterstraumazentrum in Sachsen-Anhalt.

Mehr Behandlungsqualität für hochbetagte Patienten bietet das Alterstraumazentrum Dessau: Der Leiter, Oberarzt Jens H. Schumacher (links), und Dr. med. Joachim Zagrodnick, Ärztlicher Direktor des Städtischen Klinikums Dessau, freuen sich über die erfolgreiche Zertifizierung.
Mehr Behandlungsqualität für hochbetagte Patienten bietet das Alterstraumazentrum Dessau: Der Leiter, Oberarzt Jens H. Schumacher (links), und Dr. med. Joachim Zagrodnick, Ärztlicher Direktor des Städtischen Klinikums Dessau, freuen sich über die erfolgreiche Zertifizierung.

AltersTraumaZentrum DGU® - Zertifikat
„Wir gehören seit Juni dieses Jahres bundesweit zu den Top 15 der Kliniken, die dieses Qualitätssiegel der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) führen dürfen. Mit der Auszeichnung bescheinigen die Prüfer, dass betagte Traumapatienten hier umfassend versorgt werden. Unfallchirurgen und Geriater arbeiten vor Ort im Städtischen Klinikum interdisziplinär zusammen. Zudem werden pflegerische, therapeutische und soziale Dienste integriert. Dank dieses Konzeptes handeln wir in unserer Klinik schon lange im besten Patientensinne“, bestätigt der Ärztliche Direktor des Städtischen Klinikums Dessau Dr. med. Joachim Zagrodnick. Er leitet als Chefarzt auch die Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie. In den Abteilungen dieser Klinik sind gleichfalls ein regionales Traumazentrum für die Schwerverletztenvorsorgung und ein zertifiziertes Endoprothetikzentrum inte­griert. Durchschnittlich 3.000 Patienten werden hier jährlich versorgt. Bis zu
42 Prozent davon sind über 70-jährige Patienten mit mehreren Erkrankungen. Der Anteil dieser schwer erkrankten, multimorbiden Patienten mit hohem Versorgungsaufwand steigt pro Jahr um bis zu 11 Prozent. Hier resultiert ein jährlich zunehmender hoher Betreuungsaufwand, der nur durch qualifizierte Standards in der interdisziplinären Arbeit bewältigt werden kann.

Steigender Versorgungsbedarf
Diese Zahlen spiegeln einen Trend wider. Laut Statistischem Bundesamt werden im Jahr 2050 bereits 9,1 Millionen Menschen in Deutschland älter als 80 Jahre sein. Für Dessau-Roßlau prognostizieren Experten einen Anstieg der Hochaltrigen von aktuell 7,3 auf 11,6 Prozent im Jahr 2025. Die Stadt hat mit fast 40 Prozent (Ostdeutschland 37,1 Prozent) bereits jetzt den bundesweit höchsten Altenquotienten (Ver-hältnis der über 65-Jährigen Einwohner zu den Jüngeren) und er steigt jährlich weiter. Ebenfalls belegt die Pflegestrukturplanung des Amtes für Soziales und Integration der Stadt Dessau-Roßlau (Stand Oktober 2013) einen Singularisierungsindex: 67 Prozent der Hochbetagten werden im Jahr 2025 alleine leben und im Krankheitsfall einen höheren Betreuungsbedarf beanspruchen.

Als Schwerpunktkrankenhaus entwickelt das Städtische Klinikum Dessau deshalb frühzeitig spezialisierte Versorgungsstrukturen. „Häufig ergibt sich ein erster geriatrischer Behandlungsansatz bereits in der Notaufnahme. Spezialisierte Ärzte und geschultes Pflegepersonal erkennen diesen Bedarf und können die nötigen Maßnahmen einleiten“, weiß Oberarzt Jens H. Schumacher. Als Facharzt für Innere Medizin und Geriatrie sowie Facharzt für Allgemeinmedizin mit Zusatzbezeichnung Geriatrie und 3-jähriger klinischer Erfahrung in der Chirurgie arbeitet er seit 2014 im Dessauer Klinikum. Die Versorgung betagter Patienten erfolgt hier in der Unfallchirurgie nach geria-trischen Vorgaben. Fachschwestern und Therapeuten absolvierten spezielle Schulungen und eine Station mit 14 Betten wurde entsprechend der Empfehlungen der geriatrischen Fachgesellschaften komplett umgebaut. Neben altersgerechten Bädern verfügt die Station jetzt u. a. über Therapieräume zur Rehabilitation und bietet ein Orientierungssystem für kognitiv Beeinträchtigte.

Hochaltrige Patienten mit altersspezifischen Mehrfacherkrankungen brauchen meist mehr Unterstützung und fachlich kompetente Anleitung. Sie neigen aufgrund der Immobilisation und kognitiven Vulnerabilität postoperativ zu wiederholten Stürzen, Schmerzen, Infektionen oder es tritt ein prolongiertes Delir auf. Bei über 80-Jährigen kommt es häufiger zu Komplikationen infolge Mangelernährung, kardialer oder pulmonaler Dekompensationen. Ein eingespieltes Team aus Unfallchirurgen und Altersmedizinern, Physio- und Ergotherapeuten, Logopäden, Neuropsychologen, Ernährungsberatern, Sozialarbeitern sowie Seelsorgern kann für Senioren schon bei frühzeitigem Einsatz in der Akutphase der Alterstraumatologie die Chance für eine Genesung und Teilhabe am Leben erhöhen. Deshalb gehört beispielsweise eine individuelle indikationsbezogene geriatrische Rehabilitationsmaßnahme zum Therapiekonzept im jetzt zertifizierten Alters­traumazentrum Dessau. In den bundesweiten reinen geriatrischen Kliniken wird ein solches Konzept schon seit Jahren erfolgreich gelebt. Neu im Alterstraumazentrum Dessau ist die intensive interdisziplinäre Zusammenarbeit u. a. von Unfallchirurgen, Geriatern, Anästhesisten, Radiologen, Neurologen und Internisten. Ziel ist, die Patienten auch bei schweren Erkrankungen innerhalb von 24 Stun­den, d. h. schnell nach der stationären Aufnahme operativ und anschließend ganzheitlich auf einer Station zu versorgen und Verlegungen innerhalb des Klinikums möglichst zu vermeiden. Therapien bei kognitiven Störungen werden so ebenfalls erfolgreicher umgesetzt.

Belegt ist,* dass bei Patienten ab 70 Jahren mit Hüftfraktur sich im Vergleich zur üblichen orthopädischen Versorgung die Mobilität nach vier Monaten durch umfassende geriatrische Versorgung auf einer Spezialstation verbesserte. (* Prestmo A, Hagen G, Sletvold O, et al. Comprehensive geriatric care for patients with hip fractures: a prospective, randomised, controlled trial. The Lancet. February 5, 2015)

Ältere Patienten besser bei der Genesung unterstützen
Die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) entwickelte gemeinsam unter Beteiligung der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG), der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie (DGGG) und dem Bundesverband der Geriatrie (BVG) einen Kriterienkatalog für eine interdisziplinäre unfallchirurgisch-geriatrische Versorgungsqualität. Aktuell kann zwischen zwei inhaltlich ähnlichen Zertifikatsoptionen der genannten Fachgesellschaften gewählt werden. Um im Zertifizierungsverfahren bestehen zu können, müssen die Kliniken strenge Kriterien erfüllen und kontinuierlich Nachweise erbringen.

Erfolgreich zertifizierte AltersTraumaZentren der DGU® geben ihre erfassten Daten zur Auswertung anonym an ein AltersTraumaRegister DGU® weiter. Dieses Instrument erfasst z.B. alle Patienten mit der Indikatorverletzung „coxale Femurfraktur“. Die daraus resultierenden Berichte dienen den Kliniken als Benchmark und bieten die Möglichkeit, die eigene Qualität national und international zu vergleichen und einzuordnen. Die Auditierung des AltersTraumaZentrum DGU® erfolgt jeweils durch das unabhängige Zertifizierungsunternehmen CERT iQ, das von der Deutschen Akkreditierungsstelle Berlin zugelassen ist. Bundesweit gibt es nur wenige zertifizierte Alters­traumazentren, umso größer sind ihr Modellcharakter und ihre Vorbildfunktion für andere Krankenhäuser.

Weitere Informationen unter:
www.alterstraumazentrum-dgu.de

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