Eine Einrichtung stellt sich vor

Zur Person
Seit 01.03.2015 bin ich als Nachfolger von Prof. Dr. Thomas Seufferlein als Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Innere Medizin I tätig. Geboren und aufgewachsen in Augsburg, habe ich mein Medizinstudium an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, der University of California in Los Angeles und der Harvard Medical School in Boston absolviert. Meine bisherige berufliche Tätigkeit führte mich zunächst an die Universitätskliniken München-Großhadern und Ulm. Nach einem zweijährigen Forschungsaufenthalt in London wechselte ich im Jahr 2006 an das Universitätsklinikum Marburg, wo ich bis zu meinem Wechsel nach Halle tätig war, zuletzt als Leitender Oberarzt und stellvertretender Klinikdirektor. Zusammen mit meiner Frau und unseren drei Kindern bin ich zum Dienstantritt im März bereits nach Halle gezogen. Mein außerberufliches Interesse gilt der klassischen Musik, sowohl als Hörer als auch als passionierter Hobbyorganist.

Schwerpunkte der Klinik
Bei Dienstantritt habe ich eine gut etablierte Klinik übernommen, welche alle diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten einer universitären Gastroenterologie bietet.

Mein persönlicher klinischer Schwerpunkt liegt seit vielen Jahren in der gastrointestinalen Onkologie. Dies beinhaltet die ambulante und stationäre Diagnostik und Therapie von Tumorerkrankungen des Magen-Darm-Traktes, der Bauchspeicheldrüse, der Leber und der Gallenwege. Zusätzlich zur endoskopischen Diagnosesicherung und interventionellen Therapie mit lokal-ablativen Verfahren oder palliativer Stentversorgung führen wir bei unseren Patienten alle modernen Chemotherapien durch, unter dem Dach des Krukenberg Krebszentrums und in enger Zusammenarbeit mit anderen Fachdisziplinen wie Hämatologie/Onkologie, Viszeralchirurgie und Strahlentherapie. Für viele gastrointestinale Tumorarten bieten wir die Teilnahme an klinischen Studien an, um auf diese Weise den Patienten Zugang zu neuen Therapieverfahren zu ermöglichen.
Ein traditioneller Schwerpunkt der von mir übernommenen Klinik ist seit vielen Jahren die interventionelle Hepatologie, welche auf hohem Niveau und mit überregionaler Sichtbarkeit betrieben wird. Hierzu zählen insbesondere die Evaluation und Durchführung von portosystemischen Shunts (TIPS) bei Patienten mit Leberzirrhose sowie die Vorbereitung und Nachsorge von Lebertransplantationen.

Weitere Schwerpunkte der Klinik bilden die interventionelle Endoskopie, in der alle Verfahren einer modernen Endo-skopie eines Maximalversorgers vorgehalten werden, einschließlich ERCP, PTCD, Endosonographie, Doppelballonenteroskopie, endoskopischer Submukosadissektion und Stenttherapie. Auch die Versorgung von Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen ist im Rahmen einer gut ausgebauten Spezialambulanz sichergestellt. Hier wird insbesondere Patienten mit komplexen Erkrankungsverläufen der Zugang zu neuen immunmodulatorischen Therapieformen im Rahmen zahlreicher klinischer Studien ermöglicht.

Forschungsschwerpunkt gastrointestinale Onkologie
Der Forschungsschwerpunkt meiner Arbeitsgruppe, die großenteils von der Universität Marburg mit mir nach Halle gewechselt ist, liegt im Bereich der molekularen Pathogenese gastrointestinaler Tumore. Ein besonderer Schwerpunkt liegt hierbei auf Tumorerkrankungen der Bauchspeicheldrüse, insbesondere dem Pankreaskarzinom. Diese Krebsart zählt nach wie vor zu den soliden Tumoren mit der schlechtesten Prognose überhaupt. Verantwortlich hierfür ist eine Vielzahl von Faktoren. In den letzten Jahren ist in diesem Zusammenhang die ausgeprägte Bindegewebsreaktion in den Mittelpunkt des wissenschaftlichen Interesses gerückt, welche die Tumorzellen der Bauchspeicheldrüse umgibt und bis zu 90% des Tumorvolumens ausmacht. Man weiß heute, dass einwandernde Bindegewebszellen wie Fibroblasten, Endothelzellen, Lymphozyten und Makrophagen enge Interaktionen mit den Tumorzellen eingehen und hierbei einen starken Einfluss auf die Tumorprogression und Therapieresistenz haben. Uns interessieren hierbei insbesondere ins Bindegewebe einwandernde Makrophagen, vor allem deren Wechselspiel mit den Tumorzellen und die dabei beteiligten molekularen Vorgänge. An einem genetischen Mausmodell des Pankreaskarzinoms konnten wir beispielsweise zeigen, dass eine pharmakologische Inhibition von Makrophagen mittels eines speziell in Liposomen verpackten Bisphosphonats zu einer deutlich verminderten Metastasierung der Tumore führt. Diese Daten eröffnen möglicherweise einen neuen therapeutischen Ansatzpunkt, wofür wir aktuell als „bench-to-bedside“-Ansatz eine klinische Studie am Patienten planen.

Entzündungsmediatoren spielen nicht nur bei der Tumorprogression und Therapieresistenz eine wichtige Rolle. Eine chronische Entzündung stimuliert in vielen Organen des Magen-Darm-Trakts, der Leber und der Bauchspeicheldrüse die Krebsentstehung bereits im Frühstadium. Aufgrund dieser klinischen Tatsache interessiert uns, welche Risikofaktoren und genetischen Prädispositionen zu einer chronischen Entzündung führen und welche molekularen Veränderungen hierbei die Entstehung invasiver Tumore aus Krebsvorstufen fördern können. Ein wichtiges Ziel in diesem Zusammenhang ist die Identifizierung neuer Zielgene, die für die Entwicklung künftiger Therapiestrategien geeignet sind. Hierzu setzen wir Hochdurchsatz-Screens ein, welche gleichzeitig die Funktion vieler Hunderter von Genen untersuchen können. In Zusammenarbeit mit anderen akademischen und industriellen Partnern können so neue Wirkstoffe entdeckt werden, welche Signalkaskaden hemmen können, die für das Wachstum und die Metastasierungseigenschaft von Tumorzellen bzw. für das Wechselspiel zwischen Tumorzellen und Entzündungszellen verantwortlich sind.

Ziele und Perspektiven
In den nächsten Jahren wollen wir die Klinik in folgenden Bereichen weiter entwickeln:
1. Im Bereich der Krankenversorgung soll die Klinik weiterhin die gesamte Breite der Gastroenterologie auf universitärem Niveau abdecken und verlässlicher Kooperationspartner für Einweiser aus dem ambulanten und stationären Bereich sein. Der Ausbau einer reibungslosen Kommunikationsstruktur mit Hausärzten, fachärztlichen Zuweisern und umliegenden Krankenhäusern ist für eine gute Kooperation essentiell. Eine enge Absprache und gemeinsame Festlegung des therapeutischen Konzeptes zusammen mit den Zuweisern ist für die Kontinuität einer längerfristigen Betreuung von Patienten insbesondere mit onkologischen oder hepatologischen Erkrankungen, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen bzw. nach komplexen endoskopischen Interventionen unabdingbar.

2. Im Bereich der gastrointestinalen Onkologie wollen wir in Zusammenarbeit mit niedergelassenen Hausärzten, Gastroenterologen und Onkologen sowie den umliegenden Krankenhäusern die Rolle der Universitätsmedizin als Zweitmeinungszentrum und als Anlaufstelle für Patienten stärken, die in klinische Studien eingeschlossen werden können. Unter dem organisatorischen Dach des Krukenberg-Krebszentrums Halle können so in Kooperation mit niedergelassenen Kollegen und umliegenden Krankenhäusern Strukturen geschaffen werden, die eine optimale multimodale Therapie ermöglichen, welche auf jeden Patienten individuell zugeschnitten ist. Aktuell und in Zukunft werden immer neue, durch molekulare Marker definierte Subgruppen innerhalb einer Tumorart identifiziert, die unmittelbar Relevanz auf die zu wählende Therapieform haben. Deshalb ist die Schaffung von größeren Verbünden, innerhalb derer ein Zugang zu neuen molekularen Therapieformen auch im Rahmen von Studien möglich ist, und wo die Therapien individuell abgestimmt und in interdisziplinären Tumorboards besprochen werden können, für eine optimale Betreuung der Patienten im Sinne einer „personalisierten Medizin“ essentiell.

3. Wissenschaftlich sind wir bestrebt, die von Marburg nach Halle umgezogenen neuen Arbeitsgruppen in die bestehenden Forschungsschwerpunkte der Fakultät bzw. der Universität zu integrieren und Synergien zu schaffen. Hierbei sehe ich sehr gute Interaktionsmöglichkeiten auf dem Feld der molekularen Onkologie, aber auch der Epidemiologie und Versorgungsforschung. Ziel muss es sein, den Standort Halle durch den Aufbau von nationalen und internationalen Verbundprojekten und Teilnahme an EU-weiten Forschungskonsortien zu stärken und besser sichtbar zu machen. Hier sehe ich gute Interaktionsmöglichkeiten mit am Standort bereits etablierten wissenschaftsaktiven Gruppen aus dem Bereich der Zellbiologie, der Tumorbiologie, der Hämatologie/Onkologie und der Immunologie. Bereits nach den ersten Wochen sind hier die ersten Kooperationsprojekte bereits in Planung.

4. Neben Krankenversorgung und wissenschaftlicher Tätigkeit ist die studentische Lehre und die Ausbildung des ärztlichen Nachwuchses die dritte wichtige Säule, welche eine Universitätsklinik definiert. Die Universitätsmedizin in Halle hat einen zentralen Platz als Alma Mater und Ausbildungsstätte für den ärztlichen Nachwuchs im südlichen Sachsen-Anhalt. Ein besonderes Anliegen ist es mir, die Studenten für die Vielfalt und den Abwechslungsreichtum des Faches Gastroenterologie zu begeistern und engagierten, qualifizierten Nachwuchs sowohl im klinischen als auch im wissenschaftlichen Bereich zu gewinnen. Während der Facharztausbildung muss sich dies in einer individuellen Förderung der jeweiligen Interessen der Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung sowohl in den Bereichen Krankenversorgung, Wissenschaft und Lehre fortsetzen. Ich bin überzeugt, dass die Gastroenterologie mit ihrer Möglichkeit zu komplexen, handwerklich anspruchsvollen Interventionen einerseits und dem vielfältigen, differenzialdiagnostisch anspruchsvollen Krankheitsspektrum andererseits zu den spannendsten Fächern gehört und möchte diese Überzeugung auch an die nächsten Generationen von Studenten und Ärzten in Weiterbildung weitergeben.

Erste Eindrücke in Halle
In den ersten Monaten meiner Tätigkeit in Halle ist mir eine überaus freundliche und herzliche Aufnahme zuteilgeworden. Beeindruckend empfand ich das gute kollegiale Miteinander und die positive konstruktive Zusammenarbeit mit allen Berufsgruppen, vom Fakultäts- und Klinikumsvorstand bis zum Pflegedienst. Die ersten Kontakte zu den niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen sowie den Kolleginnen und Kollegen in den umliegenden Krankenhäusern empfand ich als sehr wohlwollend und konstruktiv. Auch privat haben sich meine Familie und ich mittlerweile sehr gut in Halle eingelebt und sind bereits dabei, die kulturellen Angebote von Stadt und Umland zu erkunden und zu genießen. Ich freue mich auf die zukünftige Zusammenarbeit mit allen hausärztlichen und fachärztlichen Kolleginnen und Kollegen und hoffe, dass mein Team und ich zusammen mit ihnen die Versorgung unserer Patienten weiterentwickeln können und die Gastroenterologie in der Region Halle und darüber hinaus stärken können. Für eine Kontaktaufnahme, für Anfragen, Kritik oder eine telefonische Zweitmeinung stehen mein Team und ich unter den unten angegebenen Kontaktnummern jederzeit gerne zur Verfügung.

Prof. Dr. Patrick MichlKorrespondenzanschrift:
Prof. Dr. Patrick Michl
Universitätsklinikum Halle (Saale), Klinik für Innere Medizin I
Ernst- Grube- Str. 40, 06120 Halle
Tel.: 0345/557 – 0 (Zentrale)
Tel.: 0345/557 – 26 61 (Sekretariat Prof. Michl)
Tel.: 0345/557 – 55 30 (Belegmanagement KIM I)
Tel.: 0345/557 – 2612 (24h-Facharzthotline für Einweiser)