als neue interdisziplinäre Plattform für eine Verbesserung der Berufs- und Arbeitsbedingungen der Ärztinnen und Ärzte in Deutschland – Gedanken eines ihrer Mitbegründer

Ende des Jahres 2013 hat sich in Berlin ein Bündnis „Junge Ärzte“ gegründet (www.bjae.de). Dieses interdisziplinäre, verbands- und fachgesellschaftsübergreifende Bündnis junger Ärztinnen und Ärzte möchte sich gemeinsam dafür einsetzten, dass sowohl die Patientenversorgung als auch die Berufs- und Arbeitsbedingungen verbessert werden. Mitglieder sind die gewählten Vertreter/innen der Assistenzärzte/innen und Fachärzte/innen der größten Berufsverbände und Fachgesellschaften.

Das Bündnis „Junge Ärzte“ hat eine Geschäftsordnung und trifft sich mindestens zweimal im Jahr und führt regelmäßige Telephonkonferenzen durch. Hier werden aktuelle Entwicklungen und Projekte diskutiert sowie das weitere Vorgehen abgestimmt. Das Bündnis wächst stetig und immer mehr Fachgesellschaften und Berufsverbände bitten um Aufnahme.  

Logo Bündnis Junge ÄrzteAus Sorge um die Sicherstellung der zukünftigen medizinischen Versorgungsqualität versteht sich das Bündnis als Ansprechpartner und Mediator für aktuelle Entwicklungen, die fachübergreifend die Qualität der ärztlichen Weiterbildung und damit die zukünftige Basis einer hohen Patientenversorgung bedrohen.  Wir haben erkannt, dass es unabhängig von der Spezialisierung des Einzelnen gewisse Gemeinsamkeiten gibt. Es handelte sich dabei vielfach um die suboptimalen Rahmenbedingungen in dem die junge Ärztin/der junge Arzt in Deutschland tätig ist. Wir dachten hier muss sich etwas ändern.

In den letzten Jahren hat sich der Gesundheitsmarkt in Deutschland enorm entwickelt. Im Vordergrund steht vielfach eine zunehmende Ökonomisierung der medizinischen Leistungen. Die Rendite eines Krankenhauses oder der CMI einer klinischen Abteilung zählen mitunter mehr als die Qualität der ärztlichen Versorgung. Diese Ent-wicklung ist nicht nur verkehrt, sondern birgt auch die Gefahr, dass die Jahrgangsbesten der medizinischen Fakultäten an den deutschen Universitäten nicht mehr den Weg in die kurative Medizin finden. Eine Verschlechterung der Berufs- und Arbeitsbedingungen durch eine enorme Arbeitsverdichtung weg vom Patienten hin zum Schreibtisch, einer zunehmenden  Unvereinbarkeit von Forschung und klinischer Patientenversorgung, der schwierigen Vereinbarkeit  von Beruf und Familie sowie eine mitunter strukturlose und wenig zielführende klinische Weiterbildung an deutschen Krankenhäusern laden nicht gerade ein.

Die Generation, welche in den nächsten 20 - 40 Jahren die medizinische Versorgungsqualität in Deutschland sicherstellen soll, wird aber kaum nach ihren Wünschen und Visionen gefragt. Es gibt zwar junge Foren in den Berufs- und medizinischen Fachverbänden, aber wenn es um Entscheidungen der zukünftigen Ausrichtung der  medizinischen Versorgung in Deutschland geht, wird diese immer noch von einer anderen Generation entschieden. Man hat vielfach den Eindruck, dass es mehr um Besitzstandswahrungen geht. Richtig ist aber auch, dass sich die „Junge Ärzte“generation kaum in den Selbstverwaltungen und Interessensvertretungen der deutschen Ärzteschaft engagiert. Junge Foren sucht man in der Selbstverwaltung und/oder den Standesvertretungen vergeblich.

Dies hat mitunter sehr vielfältige Ursachen. Ich möchte hier nur wenige nennen, ohne Anspruch auf Vollständigkeit: Frustration, Verdrossenheit, Ermüdung vom klinischen Alltag oder einfach auch kein Interesse. Aber ein Hauptgrund ist sicherlich auch die mitunter sehr antiquiert anmutende Organisation der medizinisch-ärztlichen Selbstverwaltung.  Dies möchte das Bündnis „Junge Ärzte“ ändern.  Glaubt man den von hochrangigen Beratungsfirmen und Zukunftsinstituten aufgestellten Szenarien, so wird das deutsche Gesundheitssystem in den nächsten Jahren vor enormen Herausforderungen stehen. Diese wird man nur meistern können, wenn die zukünftigen Generationen bereit sind, diese Mammutaufgabe zu leisten.

Ich kann versprechen, dass die so viel gescholtene Generation Y dafür bereit und hoch motiviert ist! Sie hat nur auch gewisse Ansprüche an ihre zukünftigen Arbeits- und Lebensbedingungen: Sie möchte nicht nur Karriere machen, sondern diese auch erleben; sie möchte nicht nur arbeiten um zu leben, sondern arbeiten und leben. Sie fordert von den Führungskräften nicht nur eine fachliche, sondern auch eine soziale Kompetenz. Dies mag der älteren Generation etwas zu einfach sein, zu oberflächlich und nicht belastbar. Aber es sind ihre Kinder und das Ergebnis ihrer Erziehung. Es ist natürlich immer so, dass die vorherige Generation der folgenden Generation vorhält wie anders diese doch ist.  Diesen scheinbaren Generationskonflikt muss eine Gesellschaft und die Genrationen untereinander aushalten können. Nicht nur, weil man es nicht verhindern kann, sondern auch, weil man sich gegenseitig braucht. Dies ist auch gut so! Wir benötigen also keine Generationsdebatte! Gemeinsam sollten wir die Herausforderungen anpacken. Unstrit-tig ist auch, dass die bisher geleistete Arbeit und die hohe Versorgungsqualität der deutschen Medizin gepaart mit Spitzenforschung ein großer Verdienst der Generationen vor Y ist.  

Nun hat das Bündnis „Junge Ärzte“ zwei Positionspapiere veröffentlicht: Arbeitsverdichtung in deutschen Krankenhäusern und Forschung und Klinik. Ein weiteres Positionspapier zum Themenkomplex Beruf und Familie steht kurz vor der Veröffentlichung und wird sicherlich wieder zu ausführlichen Diskussionen führen. Seien Sie gespannt. Der ausführliche Wortlaut der Positionspapiere kann unter www.bjae.de eingesehen werden. In unseren Positionspapieren ist es uns immer wichtig, neben einer kurzen Situationsbeschreibung aus Sicht der Betroffenen, immer auch Vorschläge zur Verbesserung mit Forderungen an die großen Player der Gesundheitsbranche zu richten. Wir wollen nicht nur jammern! Wir wollen verändern! Wir wollen gehört werden! Prozesse sollen optimiert werden, wir Ärzte sitzen mehr am Schreibtisch als dass wir am Patienten sind. Wir müssen uns rechtfertigen hinsichtlich unserer Therapieentscheidungen bei Krankenkassen oder dem Medizinischen Dienst der Krankenkassen. Vielfach diskutierten wir in diesen Bereichen nicht auf Augenhöhe. Gesundheitsökonomen, Juristen oder auch Verwaltungsbeamte entscheiden über das zukünftige Gesundheitswesen  in Deutschland. Natürlich haben auch gewisse Fehlentwicklungen ihren Ursprung in unserer eigenen Profession. Zu lange haben wir geglaubt, gewisse Entwicklungen verhindern zu können anstatt sie aktiv mitzugestalten. In der Öffentlichkeit werden wir zudem nur als Kostenfaktor wahrgenommen. Nein, die Ärztinnen und Ärzte in Deutschland haben Großartiges in der medizinischen Versorgung unserer Patienten und unseres Landes geleistet. Das deutsche Gesundheitssystem würde nicht da stehen, wo es jetzt steht. Wir leisten Spitzenmedizin und Spitzenforschung. Dies muss wieder mehr in den Vordergrund der Öffentlichkeitsarbeit treten. Unsere Patienten wissen nur zu gut, was wir geleistet haben und zu was wir im Stande sind. Die Frage, die sich aber stellt, ist: Wie lange können wir dies noch aufrechterhalten?

Aber wie kann es nun funktionieren: Eine Diskussion mit allen Protagonisten des deutschen Gesundheitswesens ist dafür notwendig. Wir benötigen eine offene Diskussion nicht nur mit der Politik, sondern auch mit den Krankenkassen, Krankenhausgesellschaften  und Patientenvertretungen. Wir müssen Motor der Entwicklung sein und nicht die Bremse! Ein einheitliches Auftreten DER DEUTSCHEN ÄRZTESCHAFT ist dafür unabdingbar. Das Zerstreuen in Partikularinteressen einzelner Interessensgemeinschaften oder Zweckverbünde mag verständlich aber wenig zielführend sein. Wir sollten eigene Konzepte entwerfen und mit diesen aktiv in die Öffentlichkeit gehen. Dass dies möglich ist, zeigt das Bündnis „Junge Ärzte“.

Die „Junge Ärzte“schaft wird sich in Zukunft noch mehr engagieren müssen. Wir müssen unsere Interessen und Visionen  mehr denn je vortragen. Immer nur jammern und hinter vorgehaltener Hand diskutieren, wie schlecht alles ist, wird uns keinen Schritt weiter bringen. Man kann nur etwas verändern und mitgestalten, wenn man bereit ist, sich dafür zu engagieren. Natürlich wird es auch Misserfolge und Niederlagen geben. Davon dürfen wir uns aber nicht entmutigen lassen. Zwei Schritt nach vorn und ein Schritt zurück bedeuten immer noch netto ein Schritt nach vorn. Die „Junge Ärzte“schaft muss Entwicklungen begleiten und mitbestimmen können! Sie muss zuhören können, um zu erkennen, wohin gewisse Entwicklungen treiben. Sie muss kompromissbereit in der Sache sein.  Sie sollte aber auch klar kommunizieren, was mit ihr nicht machbar ist. Dies bedeutet aber auch, dass die „Junge Ärzte“schaft nicht nur fordern darf. Eine sogenannte WIN-WIN-Situation kann nur entstehen, wenn wir bereit sind, uns zu engagieren!

Ein weiterer Schritt ist gemacht worden. Der Vorstand der Ärztekammer Sachsen-Anhalt hatte mich zu einer Vorstandssitzung im August eingeladen. In einer sehr offenen Atmosphäre wurden kritisch Argumente ausgetauscht. Ich konnte erkennen, dass man im Grunde das Gleiche möchte. Nur der Weg zum Ziel und die dafür notwendige Dynamik scheinen mir unterschiedlich zu sein. Eine kleine Generationsdebatte durfte natürlich auch hier nicht fehlen. Man lernte sich kennen. Der nächste Schritt muss aber nun sein, daraus eine fruchtbare Zusammenarbeit zu machen. Das Bündnis „Junge Ärzte“ steht dafür zur Verfügung!


Dr. med. Matthias Krüger
Dr. med. Matthias Krüger

Korrespondenzanschrift:
Dr. Matthias Krüger
Bündnis „Junge Ärzte“
Mitglied des Präsidiums des
Berufsverbandes Deutscher Chirurgen e. V.

Klinikadresse:
OA Dr. M. Krüger MA
Klinikum Magdeburg gGmbH
Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie
Birkenallee 34
39130 Magdeburg