Logo Universitätsklinikum Halle (Saale)Mehr Aufklärung über Symptome notwendig – Neues Herzinfarktregister leistet wertvolle Arbeit

Die Herzinfarktsterblichkeit in Deutschland ist den vergangenen Jahrzehnten deutlich zurückgegangen. Auch im Bundesland Sachsen-Anhalt hat die Sterblichkeit am Herzinfarkt abgenommen. Im Jahr 2000 lag diese nach Korrektur für das Alter noch bei 108 pro 100.000 Einwohner. 2010 waren es nur 77 pro 100.000 Einwohner. Trotz dieses positiven Trends lag Sachsen-Anhalt bezüglich der Herzinfarktsterblichkeit im Jahr 2012 38 Prozent über dem Bundesdurchschnitt und nahm nach Brandenburg bundesweit eine Spitzenposition ein. Belastbare Daten zur Ursache dieser erhöhten Sterblichkeit lagen bisher nicht vor. Das Land Sachsen-Anhalt, die AOK Sachsen-Anhalt, die IKK gesund plus, der Verband der Ersatzkassen und die beiden Medizinischen Fakultäten in Magdeburg und Halle haben daraufhin vor etwas mehr als zwei Jahren das Regionale Herzinfarktregister Sachsen-Anhalt (RHESA) ins Leben gerufen.
Am 30. September 2015 haben der Gesundheitsminister des Landes Sachsen-Anhalt, Norbert Bischoff, und die beiden RHESA-Vertreter, Prof. Dr. Wilfried Mau (Halle; Leiter) und Prof. Dr. Bernt-Peter Robra (Magdeburg, stellv. Leiter) erste Studienergebnisse vorgelegt.

Seit Beginn der Registrierung aller überlebten und tödlichen Herzinfarkte in zwei ausgesuchten Regionen Sachsen-Anhalts (einer ländlichen: Altmark und einer städtischen: Halle) im Juli 2013 wurden bis zum September dieses Jahres 1.642 Infarkte aus den beteiligten Krankenhäusern mittels eines Erhebungsbogens an RHESA gemeldet. Die Mehrheit der Patienten sind Männer (66 Prozent). Das Durchschnittsalter liegt bei 70 Jahren. 83 Prozent der Betroffenen leiden an Bluthochdruck und 44 Prozent an eine Hypercholesterinämie (zu hoher Cholesterinspiegel). 41 Prozent der Männer und 20 Prozent der Frauen mit einem Herzinfarkt rauchen. Darüber hinaus sind 34 Prozent der Männer und 44 Prozent der Frauen Diabetiker. Bluthochdruck, Diabetes, Rauchen und ein zu hoher Cholesterinspiegel gelten neben anderen als Risikofaktoren, die zu einem Herzinfarkt führen können.

Bis zur Alarmierung des Rettungsdienstes verging durchschnittlich mehr als eine Stunde. Prof. Mau: „Durch eine geeignete Aufklärung der Bevölkerung über die Symptome eines Infarktes können wir dafür sensibilisieren, schneller den Rettungsdienst zu rufen.“ Denn, so unterstreicht der Wissenschaftler: Je schneller ein Patient behandelt werde, umso größer sei die Chance, schwerwiegende Schädigungen des Herzen zu vermeiden oder zu verringern.
Gesundheitsminister Norbert Bischoff dankte allen am Herzinfarktregister Beteiligten. Das Register leiste wertvolle Arbeit, um gezielt gegen die Krankheit vorzugehen. Ein Schlüssel sei die gezielte Aufklärung der Bevölkerung. „Je besser die Menschen wissen, wie Zeichen für einen Herzinfarkt erkannt werden können und was dann zu tun ist, umso höher ist die Chance einer Heilung.“ Bischoff äußerte sich erfreut darüber, dass das Register  laut den bisherigen Ergebnissen  die strukturellen Gegebenheiten durch die zur Verfügung stehenden Krankenhäuser in und um Sachsen-Anhalt als ausreichend bewertet.  Erste Analysen zeigten zudem, dass die Hilfefristen des Rettungsdienstgesetzes in beiden Regionen eingehalten werden. Die Analysen des Registers zeigen vor allem für die  Altmark ein Problem bei notwendigen  Verlegungen von Patienten mit verengten Gefäßen in Krankenhäuser mit einem Linksherzkatheter. Bei Patienten mit verengten Gefäßen sollen mittels Katheter die Gefäße gedehnt werden. „Bis zum Beginn der Weiterverlegung geht nach ersten Daten in dieser Region bei einem Teil der Patienten wertvolle Zeit verloren“, berichtet  Professor Robra. Die Versorgung in einem geeigneten Krankenhaus und ggf. eine zügige Weiterverlegung sollten gewährleistet sein. Hierfür müssen genauere Regularien getroffen werden.
In den kommenden Jahren werde geklärt, warum die Sterblichkeit nach einem Herzinfarkt in Sachsen-Anhalt höher ist als in anderen Regionen. Aus den bisherigen Daten lassen sich, so die Wissenschaftler aus Halle und Magdeburg, noch keine definitiven Schlüsse ziehen. Durch Nachbefragungen soll außerdem die ambulante Versorgung der Betroffenen vor und nach einem Infarkt unter die Lupe genommen werden. Minister Bischoff, Prof. Mau und Prof. Robra äußerten sich zuversichtlich, dass  zeitnah über die weitere Finanzierung von RHESA entschieden werden könne.  Bisher wird RHESA von dem Ministerium für Wissenschaft und Wirtschaft und dem Ministerium für Arbeit und Soziales des Landes Sachsen-Anhalt, der Deutschen Herzstiftung e.V., der ikk gesund plus, der AOK Sachsen-Anhalt, dem Verband der Ersatzkassen e.V. sowie dem Bundesministerium für Gesundheit gefördert. Die ergänzende Nachbefragung der Patienten in der Studie RHESA CARE wird als Anschubfinanzierung bis Ende April 2016 von der Medizinischen Fakultät in Halle unterstützt. Der Dekan der Medizinischen Fakultät Halle-Wittenberg, Prof. Dr. Michael Gekle, unterstreicht die Bedeutung der RHESA-Studie für die Fakultät: „Das Herzinfarktregister ist neben der Nationalen Kohor-te ein wichtiger Baustein unseres For-schungschwerpunktes Epidemiologie und Pflegeforschung. Es zeigt außerdem beispielhaft, welchen Nutzen Investitionen in medizinische Forschung für die gesundheitliche Daseinsfürsorge haben.“ Seine Fakultät könne dabei die jahrelangen Erfahrungen auf dem Gebiet der Gesundheitsstudien einbringen.

Hintergrund zu RHESA
Vielfältige Faktoren, wie die häufig vorkommenden Risikofaktoren für Herzkreislauferkrankungen im Bundesland Sachsen-Anhalt, unzureichende Strukturen und Prozesse des Rettungsdienstes oder im Krankenhaus könnten zu dieser erhöhten Sterblichkeit bei Herzinfarkten beitragen. Die Etablierung eines regionalen bevölkerungsbezogenen Herzinfarktregisters wurde daher als ein notwendiger Schritt zur Untersuchung und Verminderung der Herzinfarktsterblichkeit im Land Sachsen-Anhalt angesehen. Ein Herzinfarktregister ist in der Lage, das Krankheits- und Sterblichkeitsgeschehen in einer umschriebenen Region abzubilden und wesentliche Aufschlüsse zu den oben genannten Faktoren zu liefern. Damit ist es möglich, problemorientiert die Qualität der Versorgung von Herzinfarktpatienten wissenschaftlich begründet zu sichern.
Ziel von RHESA ist es, in einer städtischen und einer ländlichen Wohnbevölkerung eine regionale, bevölkerungsbezogene Herzinfarktregistrierung aufzubauen, um Ursachen der überdurchschnittlich hohen Sterblichkeit am akuten Herzinfarkt im Land Sachsen-Anhalt zu untersuchen und mögliche Maßnahmen zur gezielten Beeinflussung zu finden.
Registriert werden alle überlebten und tödlichen Herzinfarkte aus der Stadt Halle (Saale) und der Altmark (Landkreis Stendal, Altmarkkreis Salzwedel). Überlebte Herzinfarkte werden über 16 beteiligte Krankenhäuser, darunter auch solche außerhalb der bevölkerungsbezogenen Registerregion, tödliche Herzinfarkte über die Gesundheitsämter der Registerregion in Kooperation mit den leichenschauenden Ärzten an das RHESA gemeldet. Des Weiteren erhält RHESA von der Rettungsleitstelle in Halle und von den Johannitern in Stendal sowie der Kreisverwaltung Salzwedel die Einsatzprotokolle des Rettungsdienstes, um die Versorgung vor der Krankenhausaufnahme abbilden zu können. Das Datenschutzkonzept des Registers ist mit dem Landesdatenschutzbeauftragten abgestimmt.

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