Die Sterblichkeit bei Auftreten eines akuten Herzinfarktes ist im Bundesland Sachsen-Anhalt im Ländervergleich der Bundesrepublik nach wie vor überdurchschnittlich hoch. So verzeichnet der Deutsche Herzbericht 2013, dass in Sachsen-Anhalt 103 Todesfälle pro 100.000 Einwohner im Jahr 2012 aufgetreten sind. Nur in Brandenburg sterben mit 105 Herzinfarkt-Patienten mehr Menschen an dieser Erkrankung. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 65 Todesfällen auf 100.000 Einwohner.

Die Ursachen für diesen Zustand sind sicher multifaktoriell. So zählt das Land Sachsen-Anhalt auch zu den Spitzenreitern bei der Prävalenz der Risikofaktoren für das Auftreten einer koronaren Herzerkrankung. Unser Bundesland liegt bei Auftreten einer Adipositas oder eines metabolischen Syndroms auf Platz 1 im Ländervergleich, bei der Prävalenz von Diabetes mellitus, Nikotinkonsum und einer arteriellen Hypertonie jeweils auf Platz 2. Zusätzlich sind pro Einwohner auch weniger niedergelassene Kardiologen in Sachsen-Anhalt tätig. Der Deutsche Herzbericht 2013 verzeichnet hier einen niedergelassenen Kardiologen auf 37.634 Einwohner. Zum Vergleich ist in Bremen ein Kardiologe für 19.516 Einwohner vorhanden und in Bayern kommen 25.138 Einwohner auf einen niedergelassenen Kardiologen. Im Ländervergleich befindet sich Sachsen-Anhalt auf dem letzten Platz; der Bundesdurchschnitt liegt bei einem niedergelassenen Kardiologen auf 26.830 Einwohner.

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Um diese Situation zumindest auf der therapeutischen Seite zu verbessern, haben sich auf Initiative von Herrn Dr. Tom Giesler, Direktor der Klinik für Kardiologie und Angiologie des MediClin Herzzentrum Coswig, Vertreter der Regional- und Landespolitik, der Krankenkassen und der Rettungsdienste sowie die kardiologischen Leistungserbringer in der Region am 29. Juni 2015 getroffen, um ein regionales Netzwerk Herzinfarkt zu gründen und durch die Verbesserung des Informationsflusses und die Schaffung einer übersichtlichen Struktur Patienten mit akutem Herzinfarkt schnell und leitliniengerecht versorgen zu können. Zur Begrüßung sprach Herr Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff ein Grußwort und betonte die Bedeutung dieses überregionalen Treffens und die Wichtigkeit, Fortschritte bei der Senkung der Sterblichkeit bei diesem akuten Krankheitsbild zu erreichen. Er erklärte sich gleichzeitig bereit, als Schirmherr des Netzwerkes unterstützend tätig zu sein. Von Seiten der Kostenträger war Herr Peter Löbus als Stabsstellenleiter der AOK Sachsen-Anhalt anwesend, der im Rahmen der Veranstaltung die Sichtweise der Krankenkassen bei der Versorgung ihrer Mitglieder hervorhob und die Bereitschaft der AOK Sachsen-Anhalt unterstrich, konstruktiv an der Verbesserung der Strukturen mitzuwirken.
Letztlich entscheidet der Faktor Zeit bei der Therapie des akuten Herzinfarktes über das Ergebnis der Behandlung. Nur durch gemeinsame Anstrengungen der unterschiedlichen Partner gelingt ein reibungsloser organisatorischer Ablauf bei der Betreuung der Patienten. Im Jahr 2009 hatte das MediClin Herzzentrum Coswig bereits ein Netzwerk Herzinfarkt im Landkreis Wittenberg etabliert. Hier hatte sich gezeigt, dass durch die verbesserte Abstimmung des Rettungsdienstes mit den Krankenhäusern und durch die zusätzlich geschaffene Möglichkeit einer Online-Übertragung des Akut-EKGs die Behandlungszeiten deutlich verkürzt und damit optimiert werden konnten.

Ablaufschema für Patienten mit Verdacht auf akutes Koronarsyndrom
Die nunmehrige Erweiterung des Netzwerkes soll mehr Menschen schneller Hilfe bringen. Dazu wurden ein Ablaufschema und eine Übersicht der Leistungserbringer mit wichtigen Kontaktdaten erarbeitet und gemeinsam abgestimmt. Dadurch sollen ein einheitliches Vorgehen bei der Erstellung der korrekten Diagnose, eine Verkürzung der Zeit bis zur Diagnose und die Einleitung der schnellstmöglichen effektiven Therapie erreicht werden. Ziel ist es, bei Infarktverdacht binnen 10 Minuten ein EKG zu schreiben und entsprechend auszuwerten. „Das sollte uns gelingen“, sagt Tom Giesler.
Wichtig ist aber auch, dass Politik und Mediziner kontinuierlich daraufhin wirken, die Prävalenz der Risikofaktoren für das Auftreten einer koronaren Herzerkrankung günstig zu beeinflussen. Dieser Aufgabe müssen wir uns alle stellen, damit letztlich nachhaltig eine Verbesserung der Ausgangsbedingungen erreicht wird. Außerdem sagte Frau Karin Rybak, dass Sachsen-Anhalter erst relativ spät zum Arzt gehen, um verdächtige Symptome abklären zu lassen. Hier gibt es ebenfalls noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten. Frau Rybak betonte in diesem Zusammenhang die Wichtigkeit von zertifizierten Chest Pain Units und Brustschmerzambulanzen, wovon es in den neuen Bundesländern noch zu wenig gibt.

Die Initiatoren dieses regionalen Netzwerkes Herzinfarkt würden sich freuen, wenn das Beispiel im Bundesland Schule macht und an anderen Orten im Interesse der Patienten kopiert werden würde.

Für weitere Informationen:
MediClin Herzzentrum Coswig
Dr. Tom Giesler, M.A., FESC        
Direktor der Klinik für Kardiologie und Angiologie        
Lerchenfeld 1, 06869 Coswig (Anhalt)    
Tel.: 034903/49-401, Fax: 034903/49-403