Hausärzte und Neurowissenschaftler suchen Gemeinsamkeiten

Am 09.09.2015 fand in Magdeburg das Abschluss-Symposium des Projektes NEUROTRANS auf Einladung des Instituts für Allgemeinmedizin und des Instituts für Sozialmedizin und Gesundheitsökonomie statt. Das Projekt startete im Oktober 2013 in Kooperation mit dem Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen am Standort Magdeburg (DZNE, Prof. Düzel, Prof. Heinze) an der medizinischen Fakultät der Otto-von-Guericke-Uni-versität Magdeburg. Untersucht wurden Erfahrungen und Sichtweisen aus Praxis und Forschung, d. h. von Hausärzten und Neurowissenschaftlern, zur Prä-vention, (Früh)Erkennung und Behandlung demenzieller Erkrankungen. Beide Gruppen agieren bisher weitgehend unabhängig voneinander. Ziel des Projektes ist, einen wechselseitigen Wissenstransfer zwischen diesen Akteuren zu fördern und gemeinsamen Forschungsvorhaben den Weg zu bereiten. Dazu wurden u. a. Interviews und Gruppendiskussionen mit Vertretern beider Gruppen geführt, über die im Symposium berichtet wurde.

Nach einführenden Worten von Prof. Dr. Markus Herrmann (Projektleitung, Institut für Allgemeinmedizin), erläuterte Dr. Astrid Eich-Krohm (Projektkoordinatorin) den Gästen, darunter u. a. Allgemeinmediziner, Mitglieder des Fördervereins Allgemeinmedizin, Vertreter des Sozial- und Wohnungsamtes der Landeshauptstadt Magdeburg, der Deutschen Alzheimergesellschaft e. V. und des Deutschen Ärzteblattes die Ergebnisse des Projektes. Die Analysen aus dem Projekt machen u. a. deutlich, dass Hausärzte eine (zu) frühe Demenzdiagnostik (vor dem 70. Lebensjahr) und Diagnosestellung aufgrund fehlender Therapiemöglichkeiten als nicht sinnvoll erachten. Neurowissenschaftler hingegen suchen verstärkt nach möglichst jungen Patienten (unter 50) in frühen Stadien. Diese unterschiedlichen Sichtweisen, Folge einer grundsätzlich sinnvollen fachlichen Arbeitsteilung, erschweren eine wechselseitige Perspektivübernahme und behindern gemeinsame Forschung. Perspektivübernahme und Wissenstransfer werden erst möglich, wenn eine gemeinsame Basis für Forschung gelegt ist.

Vier geladene Referenten vertieften die Möglichkeiten kooperativer Forschung und evidenzbasierter Versorgung von Menschen mit Demenz: Frau Prof. Dr. Hanna Kaduszkiewicz (Leiterin des Instituts für Allgemeinmedizin, Kiel) informierte über „Chancen und Barrieren bei der Forschung mit Hausärzten“, Frau Prof. Dr. Gabriele Meyer (Direktorin des Instituts für Gesundheits- und Pflegewissenschaften, Halle) referierte zu „Screening auf Demenz aus Sicht der evidenzbasierten Medizin“. Die Seite der neurowissenschaftlichen Forschung wurde vertreten durch Prof. Dr. Notger Müller (Gruppenleiter des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen in Magdeburg), der Aspekte der Demenzforschung in Magdeburg erläuterte. Abschließend ergänzte PD Dr. René Thyrian (DZNE Rostock/Greifswald) Erfahrungen aus einem lebensweltorientierten Unterstützungsprojekt „De-
mentia Care“ in Mecklenburg-Vorpommern.

In der anschließenden Podiumsdiskussion (Moderation: Lilo Berg), an der neben den Referenten der Impulsreferate auch Dr. Stefan Andrusch (Vorsitzender des Hausärzteverbandes Sachsen-Anhalt) und Frau Jansen als Vertreterin der Selbsthilfe (Alzheimer Gesellschaft) teilnahmen, wurde der besondere Versorgungsbedarf von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen erneut deutlich. Der in Sachsen-Anhalt besonders ausgeprägte demographische Wandel zu einer alternden Gesellschaft und auch der Bedarf nach neuen Versorgungsstrukturen, nicht zuletzt im ländlichen Raum, verlangen, Versorgungsforschung in Zusammenarbeit mit hausärztlichen Praxen auszubauen und zu fördern.

NEUROTRANS wird durchgeführt von den Instituten für Allgemeinmedizin und für Sozialmedizin und Gesundheitsökonomie der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Das Projekt wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Förderschwerpunktes ELSA: „Ethische, rechtliche und soziale Aspekte der modernen Lebenswissenschaften“, FZ 01GP1307

Yvonne Marx
Julia von Hintzenstern

Korrespondenzanschrift:
Dr. Astrid Eich-Krohm
(Projektkoordinatorin NEUROTRANS)
Otto-von Guericke-Universität Magdeburg
Medizinische Fakultät
Institut für Allgemeinmedizin und
Institut für Sozialmedizin und
Gesundheitsökonomie
Leipziger Straße 44, 39120 Magdeburg
Tel.: 0391/67-24322, Fax: 0391/67-24310
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