In gewohnter Tradition fand am 14. November 2015 das 11. Einsendertreffen des Fehlbildungsmonitoring Sachsen-Anhalt statt. Der Einladung zum interdisziplinären Austausch waren rund 50 Gäste aus den Kliniken, Schwangerenberatungsstellen und Apotheken in ganz Sachsen-Anhalt gefolgt. Das Programm umfasste ein breites Spektrum an perinatalen Themen – vom fetalen Hören bis zum Sterben eines kleinen Patienten.

Dr. med. Heidemarie Willer vom Ministerium für Arbeit und Soziales des Landes Sachsen-Anhalt eröffnete die Veranstaltung und hob in ihrem Grußwort die Beispielhaftigkeit des Fehlbildungsregisters hervor. Die gesammelten Daten aus dem Jahr 2014 stellte Dr. med. Anke Rißmann, Leiterin des Fehlbildungsmonitoring, im Anschluss vor und ging dabei auf signifikante Entwicklungen, wie einem ansteigenden Trend der Prävalenz der Trisomie 21 im Jahr 2013 und 2014 ein. Wie in jedem Jahr, stand auch in dem Jahresbericht 2014 ein besonderes Thema im Fokus – die Hypospadie. Die Häufigkeit für den Zeitraum 1995 bis 2014 in Sachsen-Anhalt von 18,6 pro 10.000 Geborene 1 und weitere epidemiologische Kenndaten im europäischen Vergleich wurden dargestellt. Den Auftakt zum fachlichen Austausch bildete der Vortrag von Prof. Dr. med. Michael Tchirikov vom Universitätsklinikum Halle.

Der Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Geburtshilfe und Pränatalmedizin stellte Methoden der Fetalchirurgie bei pränatal diagnostizierter subvesikaler Obstruktion vor. Dabei zeigte er Möglichkeiten und Grenzen der fetalen Chirurgie für die einzelnen Krankheitsbilder, die mit dieser pränatal detektierbaren Anomalie einhergehen, auf.
Den Bogen vom Lebensanfang zum Ende des Lebens schlug dann Dr. med. Norbert Beck aus dem Zentrum für Pathologie und Rechtsmedizin der Universitätsklinik Magdeburg. Er berichtete über die Bedeutung einer Obduktion im Fall einer ungeklärten Todesursache. Die Obduktion ist die letzte Möglichkeit auch zunächst nicht sichtbare Fehlbildungen oder genetische Ursachen zu detektieren, um nicht zuletzt daraus eventuelle Wiederholungsrisiken auch für Geschwister eruieren zu können.

Im Anschluss referierte Kinderchirurg Dr. med. Hans-Jürgen Haß vom Universitätsklinikum Magdeburg zur operativen Korrektur von Hypospadien. Er nahm die Zuhörer mit auf einen geschichtlichen Ausflug zur Entwicklung der verschiedenen Operationstechniken der Hypospadiekorrektur. Im Besonderen stellte er aktuelle Aspekte der Behandlung der Hypospadie heraus und wies darauf hin, dass eine rechtzeitige Operation auch für das psychische Wohlbefinden der Betroffenen eine wichtige Rolle spielt.

Chefarzt Dr. med. Roberto Müller aus dem Altmark-Klinikum in Salzwedel sprach zum Thema „Fetales Hören“ und stellte fest, dass das Hören im Mutterleib nicht dem Hören außerhalb des Mutterleibes entspricht. So nimmt der Fetus im Mutterleib beispielsweise hochfrequente Geräusche wesentlich abgeschwächter wahr, niederfrequente Geräusche bleiben hingegen gleich oder werden teilweise sogar verstärkt. Studien haben zwar ergeben, dass Lärm während der Schwangerschaft das Risiko für kindliche Hörstörungen erhöht, leider konnte der protektive Effekt einer Beschallung mit einer Mozartsonate nicht wissenschaftlich evaluiert werden. Der „Mozart Effekt“ zur besseren Entwicklung des Ungeborenen ist leider eine medizinische Legende.

Den Abschluss der Veranstaltung bildete eine Fallvorstellung von Dr. med. Karoline Blaschke aus der Universitätskinderklinik Magdeburg. Sie beschrieb einen Fall einer seltenen Nierenerkrankung, bei dem genetisch das LOWE-Syndrom nachgewiesen werden konnte.

Mit dem Einsendertreffen bedankt sich das Fehlbildungsmonitoring in jedem Jahr bei seinen Einsendern und stellt die Ergebnisse dieses Monitorings vor.

Die interdisziplinäre Fehlbildungserfassung und -auswertung bietet die Grundlage zur Erstellung des Jahresberichts des Bundeslandes Sachsen-Anhalt zur Häufigkeit von congenitalen Fehlbildungen und Anomalien sowie genetisch bedingten Erkrankungen. Für alle Kolleginnen und Kollegen, die sich zum Thema Fehlbildungen informieren möchten, halten wir den aktuellen und alle weiteren Jahresberichte auf unserer Website bereit: www.angeborene-fehlbildungen.com. Nicht vergessen:  Am 3. März ist der weltweite Tag der angeborenen Fehlbildungen!

1 Geborene = Lebendgeborene, Totgeborene, Spontanaborte ab der 16. Schwangerschaftswoche und induzierte Aborte nach pränataler Diagnose jeglicher Schwangerschaftswoche

Katrin Rißmann

Korrespondenzadresse:
Fehlbildungsmonitoring Sachsen-Anhalt*
an der Medizinischen Fakultät der
Otto-von-Guericke-Universität
Leipziger Str. 44, Haus 39
39120 Magdeburg
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Telefon: 0391-67-14174

*Das Fehlbildungsmonitoring Sachsen-Anhalt wird gefördert durch das Ministerium für Arbeit und Soziales des Landes Sachsen-Anhalt.

Fotos: Elke Lindner, Universitätsklinikum