Am 25.11.2015 fand der 3. Magdeburger Antiinfektivatag des Universitätsklinikums Magdeburg statt. Die Veranstaltung fokussierte auf ein „Update zur Therapie und Prophylaxe von Infektionen“ und war mit 140 Teilnehmern, die aus Kliniken Magdeburgs und der Umgebung sowie aus Gesundheitsämtern, Apotheken, Laborarztpraxen und Arztpraxen kamen, sehr gut besucht.

In einem exzellenten Vortrag zu „Neuen Antibiotika“ warnte Prof. T. Welte (Medizinische Hochschule Hannover) vor einer „Antibiotika-Übertherapie“ und rief dazu auf, empfindliche Bakterien möglichst gezielt mit in vielen Fällen besser wirksamen Schmalspektrumantibiotika zu behandeln. Viel zu oft werden z. B. Methicillin-sensible Staphylococcus aureus nicht mit Flucloxacillin, sondern mit Reserveantibiotika wie Vancomycin oder Carbapenemen behandelt. Ebenso forderte er, eine kalkulierte Antibiotikatherapie nach Vorliegen des mikrobiologischen Befundes zu überprüfen und gegebenenfalls die Therapie zu deeskalieren. Des Weiteren stellte er das neue Ketolid-Antibiotikum Solithromycin mit Wirkung gegen Makrolid-resistente Bakterien, das neue Oxazolidinon Tedizolid, welches bei Linezolid-resistenten Erregern eingesetzt werden kann, sowie Ceftolozan/Tazobactam, eine neue Alternative zur Behandlung von Carbapenem-resistenten Pseudomonaden, vor.

Frau Dr. C. Gottschalk (Landesamt für Verbraucherschutz Sachsen-Anhalt) berichtete in ihrem Vortrag über Infektionskrankheiten und Impfungen bei Asylsuchenden. Sie rief dazu auf, fehlende Impfungen bei dieser Personengruppe entsprechend der deutschen Impfschemata nachzuholen. Ein wichtiges Infektionsproblem bei Asylsuchenden ist die Tuberkulose, die in dieser Personengruppe auch durch multi-resistente Mykobakterien ausgelöst sein kann.

Prof. H. Hof (Labor Limbach) ging auf verschiedene Aspekte von Impfungen ein und rief dazu auf, den bereits bestehenden Impfstoff gegen Meningokokken der Serogruppe B seitens der STIKO breiter, z. B. auch für medizinisches Personal, zu empfehlen. Ebenso sprach er sich dafür aus, bei Personen über 60 Jahren den schlecht wirkenden Pneumokokken Polysaccharid-Impfstoff durch den besser wirkenden Konjugat-Impfstoff zu ersetzen.
Im 2. Teil des Programms stellte Prof. Dr. U. Groß (Universität Göttingen) die Pathogenese, Epidemiologie, Therapie und Prophylaxe von Infektionen durch Clostrium difficile („Pseudomembranöse Kolitis“) vor. Seine Studien zeigen, dass weltweit sehr unterschiedliche C. difficile-Stämme klinisch relevant sind und dass im Vergleich zu Asien und Afrika in Deutschland deutlich mehr gefährliche C. difficile des Ribotyps 027 auftreten. Im Bereich der Diagnostik wies er darauf hin, dass immer das Toxin A und B des Erregers, nachgewiesen werden müssen, da es auch Infektionen mit Toxin A-negativen Stämmen gibt.

Prof. Dr. R. P. Vonberg (Medizinische Hochschule Hannover) stellte Medizinprodukte als Quelle von Infektionen vor. Insbesondere unzureichend hygienisch aufbereitete Endoskope und Smartphones/Tablets konnte er in eigenen Arbeiten als Quelle von Infektionen mit multi-resistenten Klebsiellen und Pseudomonas identifizieren. Seine Botschaft: Die Infektionsgefahr durch Medizinprodukte wird immer noch unterschätzt und durch Medizinprodukte ausgelöste Infektionen meist erst dann entdeckt, wenn es sich um Infektionen mit multi-resistenten Bakterien handelt. Infektionen mit normal-empfindlichen Bakterien und Viren bleiben meist unerkannt.

Prof. G. Geginat
Prof. G. Geginat
Prof. Dr. D. Schlüter
Prof. Dr. D. Schlüter

In einem abschließenden Vortrag wies Prof. G. Geginat (Universitätsklinikum Magdeburg) auf Sanitärbereiche als Quelle von Infektionen hin. Insbesondere Pseudomonas aeruginosa persistiert in Feuchtbereichen wie Waschbecken, Toiletten, Duschen etc. und stellt für Patienten mit eingeschränktem Immunsystem eine Gefahr dar.
Aufgrund der fortdauernden Aktualität von Themen wie multiresistente Erreger, Infektionsprophylaxe und Krankenhaushygiene ist geplant, im November 2016 den 4. Antiinfektivatag am Universitätsklinikums Magdeburg durchzuführen.

Prof. Dr. med. Dirk Schlüter
Vorsitzender der Antiinfektivakommission

Der Antiinfektivatag wurde im Namen der Antiinfektivakommission von Prof. Dr. Dirk Schlüter und Prof. Dr. Gernot Geginat aus dem Institut für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene organisiert.