Städtisches Klinikum Dessau etabliert multidisziplinäres ABS-Team

Nach Erhebungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) erhält etwa jeder vierte Klinikpatient Antibiotika. Zur Behandlung bakterieller Infektionen werden Antibiotika seit den 1940er-Jahren verordnet.

Damals bedeuteten sie einen therapeutischen Meilenstein in der Medizin. Als Arzneimittel hemmen diese natürlich gewonnenen oder synthetisch hergestellten Substanzen schon in geringen Mengen das Wachstum von Bakterien oder töten diese ab. Doch auf die Erfolgsgeschichte der Antibiotika fällt seit einigen Jahren ein Schatten. Die Unempfindlichkeiten (Resistenzen) dagegen nehmen weltweit zu. Können sich bakterielle Krankheitserreger ausbreiten, gegen die Antibiotika wirkungslos bleiben, hat das für die betroffenen Patienten schwerwiegende Folgen. „Umso wichtiger ist es, dieser Entwicklung gegenzusteuern. Ursachen für die zunehmenden Resistenzen liegen im unsachgemäßen und übermäßigen Gebrauch von Antibiotika sowie in Hygienemängeln“, sagt Prof. Dr. med. Sabine Westphal. Die Chefärztin leitet das Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsdiagnostik am Städtischen Klinikum Dessau und absolvierte die zweijährige Fortbildung „Krankenhaushygiene“ der Bundesärztekammer. Inzwischen verantwortet sie die Stabsstelle Krankenhaushygiene im Klinikum und brachte das Antibiotic Stewardship (ABS)-Team auf den Weg.

Weniger Antibiotikaeinsatz bringt oft mehr
Das Infektionsschutzgesetz 2011 (IfSG) verpflichtet Kliniken dazu, Infektionen vorzubeugen. Erstmals sind darin gemeinsam mit den Aufgaben der Krankenhaushygiene auch Anforderungen zum Einsatz von Antibiotika als Beitrag zur Verhütung der Entstehung und Ausbreitung resistenter Erreger und der Therapie von Infektionen festgeschrieben. So müssen Verbrauchsdaten erfasst und analysiert werden. Über die daraus abgeleiteten Schlussfolgerungen hinsichtlich des künftigen Antibiotikaeinsatzes (Auswahl, Dosierung, Einnahme und Anwendungsdauer) ist das Klinikpersonal zu informieren. „Mit der Bildung des ABS-Teams erfüllt das Klinikum Dessau den Auftrag des IfSG. Gemäß den Vorgaben gehören ein Infektiologe, ein Fachapotheker, ein Facharzt für Mikrobiologie und der Hygienebeauftragte des Krankenhauses dazu“, informiert Prof. Westphal. Leiterin des ABS-Teams am Dessauer Klinikum ist Dr. med. Nicole Dobbert. Die Oberärztin der Klinik für Innere Medizin wird unterstützt von Marion Puttkammer, Leiterin der Krankenhausapotheke sowie von Dr. rer. nat. Claudia Röser und Prof. Dr. med. Sabine Westphal vom Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin. Sowohl
Dr. Dobbert als auch Dr. Röser absolvierten erfolgreich die von der Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) bundesweit angebotene Qualifizierung zum ABS-Experten.

Teil des ABS-Programms ist die regelmäßige Erfassung des Antibiotikaverbrauchs in allen 18 Fachkliniken, aufgeschlüsselt nach Normal- und Intensivstationen und nach Präparaten. Gemeinsam mit Klinikkollegen werden Strategien gefunden, welches Antibiotikum wie oft und in welcher Form verabreicht wird. Ziel ist immer das beste Behandlungsergebnis für den einzelnen Patienten. Aufbauend auf der krankenhauseigenen „Liste“ mit empfohlenen antibiotischen Präparaten und möglichen Ersatzmitteln werden Diagnostik- und Behandlungsleitfäden für die wichtigsten Infektionserkrankungen entstehen. All diese Maßnahmen dienen dazu, die Antibiotikaanwendung zu optimieren. Im Idealfall werden weniger Antibiotika verordnet und in der Folge nehmen dann auch die Resistenzen bei Bakterien ab. Beides bedingt eine größere Patientensicherheit und eine höhere Kosteneffektivität.

| Pi und Foto: SKD