Akademischer Festakt zur Urkundenverleihung

Die meisten kennen einen Vertreter der Gattung Drosophila: die Fruchtfliege, die vor allem im Sommer herumschwirrt. Doch Drosophila sind auch sehr beliebte Insekten in der Forschung. Warum das so ist, erklärte Professorin Dr. rer. nat. Elisabeth Knust am 29. Oktober 2016 in ihrem Festvortrag „Klein, aber oho: Die Taufliege Drosophila in der Grundlagenforschung“ in der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Diese zweite Erxleben-Lecture hielt die Direktorin des Max-Planck-Institutes für Molekulare Zellbiologie und Genetik Dresden im Rahmen des akademischen Festaktes anlässlich der Urkundenübergabe an Habilitanden, Doktoranden sowie zum Goldenen Doktorjubiläum.

Die Veranstaltung begann mit der Begrüßung der Gäste seitens des Dekans der Medizinischen Fakultät, Professor Dr. Michael Gekle, und einem Grußwort des Prorektors für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs der Martin-Luther-Universität, Professor Dr. Michael Bron. Danach begrüßte Dr. Simone Heinemann-Meerz, Präsidentin der Ärztekammer Sachsen-Anhalt, Professorin Knust, deren Vortrag im Anschluss folgte. Sie würdigte dabei die außerordentliche akademische und berufliche Karriere der Lecture-Referentin. Denn nach wie vor sind Frauen in keiner ausreichenden Anzahl in Professorenstellen vertreten.

Dr. Simone Heinemann-Meerz verwies darauf, dass Professorin Elisabeth Knust 1951 in einer Zeit geboren wurde, in der die Anstellung von Frauen in akademischen Positionen eine Ausnahmeerscheinung war. Sie studierte an der Universität Düsseldorf Biologie und wurde dort auch promoviert. Nach Stationen an den Universitäten Erlangen-Nürnberg und Köln habilitierte sie sich im Fach Entwicklungsbiologie in Köln. Sie wurde zur Professorin am Institut für Entwicklungsbiologie der Universität Köln berufen und später Leiterin des Instituts für Genetik der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Professorin Knust ist seit 2007 Direktorin und Forschungsgruppenleiterin am Max-Planck-Institut für Molekulare Zellbiologie und Genetik. Die Kammerpräsidentin verwies darauf, dass Professorin Knust 1997 den Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis erhielt, den renommiertesten Förderpreis für Wissenschaftler in Deutschland. Seit 2015 ist sie Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina. Zudem war Professorin Knust von 2009 bis 2013 Vizepräsidentin der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Sie forscht zu den genetischen Grundlagen retinaler Degeneration, vorwiegend an der Taufliege Drosophila melanogaster.

Die besondere Vorlesung wurde zu Ehren Dorothea Christiane Erxlebens veranstaltet, die 1755 an der Universität Halle zur ersten Ärztin Deutschlands promoviert wurde. Sie war eine Pionierin für das Frauenstudium. Der 300. Geburtstag von Dorothea Christiane Erxleben, der im vergangenen Jahr in einem Festakt durch die Medizinische Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und der Ärztekammer Sachsen-Anhalt gewürdigt wurde, war für beide Anlass, eine „Erxleben-Lecture“ ins Leben zu rufen. Den Vortrag zu dieser ersten Lecture hielt Professorin Dr. med. Elke Lütjen-Drecoll von der Universität Nürnberg-Erlangen zum Thema „Zum Sehen geboren, zum Schauen bestellt. Aspekte zur funktionellen Morphologie des Sehorgans“. Diese Lecture-Serie, zu der einmal im Jahr ausgewählte Referenten geladen und damit ausgezeichnet werden, soll durch die Präsentation von Vorbildern auch zur Förderung der Karrierewege von Frauen beitragen.

Fotos: Arvid Rosteck/Zentrale Fotostelle UKH