Am Nierentransplantationszentrum der urologischen Universitätsklinik und Poliklinik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg wurden kürzlich die ersten zwei Nierentransplantationen mit dem OP-Robotersystem Da-Vinci in den neuen Bundesländern durchgeführt. Es handelt sich dabei, um die dritte und vierte in Deutschland, nach dem die ersten zwei an der von Prof. Dr. Michael Stöckle geleiteten Universitätsklinik und Poliklinik für Urologie, der Universität des Saarlandes einige Wochen zuvor durchgeführt worden.

Die roboter-assistierte Chirurgie ist in der Urologie mittlerweile Routine geworden, heute werden immer mehr komplexe onkologische Operationen roboter-assistiert durchgeführt, vorwiegend handelt es sich um funktions- und organerhaltende Tumoroperationen an Prostata und Niere. An ausgewiesenen Transplantationszentren konnte zwar die Entnahme einer Spenderniere entweder laparoskopisch oder roboter-assistiert durchgeführt werden, die Transplantation der Niere selbst blieb aber bislang Domäne der konventionellen offenen Chirurgie, laparoskopisch durchgeführte Transplantationen waren bisher nie gewagt worden, da sie als technisch äußerst schwierig gelten.

Auf Initiative von Prof. Dr. Michael Stöckle, Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Urologie der Universität des Saarlandes und Vorsitzender des Arbeitskreises Nierentransplantation der Akademie der Deutschen Urologen, wurde 2015 eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen mit dem Ziel, die roboter-assistierte Nierentransplantation in Deutschland zu implementieren.

Nach einer Reihe tierexperimenteller und klinischer Vorbereitungsmaßnahmen und einer Hospitation an der Fundació Puigvert in Barcelona bei Prof. Dr. Alberto Breda, dem verantwortlichen Leiter des dortigen Nierentransplantationsprogrammes, konnten in Homburg (Saar) im Juni diesen Jahres die ersten beiden roboter-assistierten Nierentransplantationen in Deutschland durchgeführt werden. Bei den Eingriffen erhielt Prof. Dr. Michael Stöckle Unterstützung von Prof. Dr. Alberto Breda, der diese Operationstechnik bereits 2015 an seiner Klinik etabliert hatte und derzeit europaweit über die größte Erfahrung auf dem Gebiet der roboter-assistierten Transplantation europaweit verfügt.

Im August konnten zwei weitere roboter-assistierte Nierentransplantationen, ebenfalls mit der Unterstützung von Prof. Dr. Alberto Breda, am Transplantationszentrum der Martin-Luther-Universität in Halle (Saale) unter der Leitung von Prof. Dr. Paolo Fornara durchgeführt werden, dabei handelte es sich um die ersten zwei Transplantationen, die in den neuen Bundesländern roboter-assistiert durchgeführt wurden. Halle ist somit das vierte Transplantationszentrum in Europa, das die Technik der roboter-assistierten Nierentransplantation eingeführt hat.

Beide in Halle durchgeführten Transplantationen – die im Rahmen von Lebendspenden (Mutter zu Sohn und Bruder zu Schwester) durchgeführt wurden, verliefen äußerst erfolgreich. Sowohl den Spendern als auch den Empfängern geht es klinisch exzellent, es traten keinerlei Komplikationen auf und beide Empfänger erfreuen sich einer exzellenten Transplantatfunktion. Die Spender konnten beide am 4. postoperativen Tag entlassen werden, die Empfänger am 14. postoperativen Tag und damit deutlich früher als bei einem sonstigen Verlauf nach konventioneller Nierentransplantation.

Die roboter-assistierte Nierentransplantation ist eine noch junge Errungenschaft der Urologie, durch den Einsatz des OP-Roboters ist es nun möglich geworden, den gesamten Vorgang einer Lebendspende minimalinvasiv durchzuführen, die Spenderniere kann laparoskopisch, also ohne chirurgischen Schnitt entnommen und nun auch minimalinvasiv roboter-assistiert ebenfalls ohne Schnitt transplantiert werden. Durch die Reduzierung des chirurgischen Traumas wird die Belastung für Spender und Empfänger geringer, die deutlich besseren Sichtverhältnisse bei der roboter-assistierten Transplantation bieten geradezu die besten Voraussetzungen für eine optimale Durchführung der Gefäßnaht zwischen den Gefäßen der Lebendspenderniere und die des Transplantatempfängers.

Die Reduzierung des operativen Traumas spielt bei der Lebendspende eine besondere Rolle, da verständlicherweise dies beim Spender an oberster Stelle steht und beim immunsupprimierten Empfänger typische Komplikationen der offenen Chirurgie deutlich reduziert werden. Durch die Möglichkeit der roboter-assistierten Transplantationen wird somit eine neue Ära der Transplantationsmedizin eingeläutet. Die Operationsmethode ist gegenwärtig nur den Transplantationen im Rahmen von Nierenlebendspenden vorbehalten, wird sich aber sicherlich in naher Zukunft weiter entwickeln und möglicherweise auch auf Transplantationen mit postmortalen Organen ausweiten lassen.

Korrespondenzadresse
Dr. K. Weigand
Leiter des Nierentransplantationsprogrammes
Universitätsklinikum Halle (Saale)
Klinik und Poliklinik für Urologie
Ernst-Grube-Str. 40
06120 Halle/Saale
Tel.: 0049-345-5574246
Fax: 0049-345-5572052
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Fotos: UKH