Eine Einrichtung stellt sich vor

Unter neuer Leitung erweitert die Abteilung für Nuklearmedizin des Universitätsklinikums Halle ihr diagnostisches und therapeutisches Spektrum und setzt dabei auf interdisziplinäre Kooperationen zur Verbesserung der Qualität in Patientenversorgung, Lehre und Forschung.

Seit Juli 2016 wird die eigenständige Abteilung für Nuklearmedizin des Universitätsklinikums Halle (UKH) von Dr. A. Odparlik geleitet. Gleichzeitig ist er Stellvertreter des derzeitigen geschäftsführenden Direktors (Prof. Dr. D. Vordermark) des neu gegründeten Departments für Strahlenmedizin, welchem ebenfalls die Klinik und Poliklinik für Radiologie und die Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie angehören.
Bereits unter seinem Vorgänger Prof. Dr. M. Bähre, dem vormaligen Direktor der Nuklearmedizin, war Dr. A. Odparlik ab dem Jahr 2012 als Leitender Oberarzt und stellvertretender Klinikdirektor tätig. Von Beginn an legte er dabei Schwerpunkte in der Einführung und Weiterentwicklung moderner nuklearmedizinischer Therapieverfahren sowie der Etablierung der Hybridbildgebung. Letztere erlaubt die kombinierte Darstellung von Stoffwechselvorgängen und Morphologie mittels Schnittbildgebung, was die Qualität der diagnostischen Aussagen entscheidend verbessert. Die Beschaffung eines modernen PET-Scanners mit einem volldiagnostisch nutzbaren 64-Zeilen-Computertomographen im Jahr 2014 und die Aufnahme der zusätzlichen Tätigkeit im MVZ des UKH war eine wesentliche Voraussetzung für diese Erweiterung des diagnostischen Angebots für interne und externe Partner.

Als Doppelfacharzt für Nuklearmedizin und Diagnostische Radiologie bringt Dr. A. Odparlik dafür beste Voraussetzungen mit. Er absolvierte sein Humanmedizinstudium an den Universitäten Halle, Greifswald und Pretoria/Süd-afrika. Die Facharztweiterbildungen erfolgten in verschiedenen Kliniken in Halle, Erfurt und schließlich in Jena, wo er am dortigen Universitätsklinikum bereits als Leitender Oberarzt tätig war.

„Heute können wir nahezu das gesamte Spektrum der nuklearmedizinischen Diagnostik anbieten“, freut sich Andreas Odparlik. Das wäre, wie er betont, ohne die Voraussetzungen, die seine Vorgänger seit Gründung der Abteilung für Nuklearmedizin am UKH unter Prof. Dr. L. Kölling im Jahr 1965 geschaffen haben, heute nicht möglich. So wurde von Prof. Dr. T. Mende, welche die Universitätsklinik für Nuklearmedizin von 1986 bis 2009 leitete, eine Station für Nuklidtherapien mit 12 Betten eröffnet. Diese befindet sich noch heute am Standort Professor-Friedrich-Hoffmann-Str. 1 in Halle, jedoch haben sich seitdem die stationären nuklearmedizinischen Therapieverfahren rasant weiterentwickelt. Darauf aufbauend können heute deutlich mehr Therapieverfahren angeboten werden als die bewährte Radioiodtherapie bei gut- und bösartigen Schilddrüsenerkrankungen. So gibt es u. a. die Möglichkeit der Behandlung von Patienten mit metastasiertem, hormonrefraktärem Prostatakarzinom, die das prostataspezifische Membranantigen (PSMA) exprimieren (177Lutetium-PSMA-Therapie). Patienten mit metastasierten, differenzierten neuroendokrinen Tumoren können von einer ebenfalls sehr gut verträglichen Peptidtherapie (177Lutetium-DOTA-Therapie) profitieren. Die selektive interne Radiotherapie (SIRT mit 90Y beschichteten Partikeln) ist sowohl in der Behandlung von hepatozellulären Karzinomen als auch in der lokal ablativen Therapie von hypervaskularisierten Lebermetastasen etabliert worden. Andreas Odparlik setzt dabei stark auf eine interdisziplinäre Zusammenarbeit: „Sie ist eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg dieser neuen Therapien, da der Austausch und die enge Zusammenarbeit der verschiedenen beteiligten Fachrichtungen dazu beiträgt, die für die betroffenen Patientinnen und Patienten jeweils beste Therapiestrategie festzulegen.“

Unter Prof. Dr. M. Bähre, der die Klinik von 2009 bis zum Sommer 2016 leitete, wurde die Ausstattung der Kameratechnik fortwährend erweitert.
So konnte die universitäre Nuklearmedizin in Halle beispielsweise schon frühzeitig über ein modernes SPECT/CT-Gerät verfügen und den damit eingeschlagenen Weg hin zur Hybridbildgebung durch die spätere Installation des PET/CT-Scanner konsequent fortsetzen. Nach dem Umzug des diagnostischen Teiles der Nuklearmedizin im Oktober 2014 in moderne und freundliche Räume des Hauptstandortes UKH in der Ernst-Grube-Str. 40 in Halle konnten nunmehr auch kurze Wege für ambulante und stationäre Patienten realisiert werden.

Diese technischen und räumlichen Voraussetzungen sowie das Engagement im MVZ des UKH erlauben es, alle ambulanten nuklearmedizinischen Untersuchungsmethoden, wie z. B. die Myokard-, die Skelett- und die Nie-rensequenzszintigraphie sowie PET/CT-Untersuchungen bei ausgewählten onkologischen, kardiologischen, inflammatorischen oder neurodegenerativen Fragestellungen und die gesamte Palette der Schilddrüsendiagnostik sowohl bei gut-, als auch bei bösartigen Erkrankungen, anzubieten. Darüber hinaus werden ambulante Radiosynoviorthesen (RSO) bei entzündlichen Gelenkserkrankungen von nahezu allen Gelenken durchgeführt.

„Ein wichtiges Ziel für die weitere Entwicklung der Abteilung für Nuklearmedizin am UKH ist der Ausbau der interdisziplinären Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen am UKH und externen Krankenhäusern in Form von Kooperationen, gemeinsamen Zertifizierungen und der Mitarbeit in der ambulanten Spezialversorgung für eine weitere Verbesserung der gemeinsamen Patientenversorgung“, erläutert Andreas Odparlik. Auch im Bereich Forschung wird an der Weiterentwicklung der universitären Nuklearmedizin in Halle durch den Aufbau von Kooperationen gearbeitet. So wird nach umfangreicher personeller Neuaufstellung in der Radiochemie und Medizinphysik der Abteilung für Nuklearmedizin derzeit ein Reinraumlabor aufgebaut und zertifiziert, um dem Arzneimittelrecht entsprechend nach GMP-Kriterien selbst Radiopharmazeutika nicht nur für die Patientenversorgung, sondern auch für Forschungsprojekte mit universitären Partnern herstellen zu können. Vor allem in der präklinischen Forschung wird das in der Abteilung etablierte Kleintier-PET/CT innerhalb einer Core Facility genutzt.

Dr. Andreas Odparlik
Dr. Andreas Odparlik, 
Foto: Arvid Rostek

Andreas Odparlik, der über die volle Weiterbildungsermächtigung für die Facharztweiterbildung Nuklearmedizin verfügt, engagiert sich auch in der Lehre. Neben der Facharztausbildung und dem Unterricht von Medizinstudierenden beteiligt sich die Abteilung für Nuklearmedizin auch an der Ausbildung Medizinisch-technischer Radiologieassistenten/innen und angehender Medizinphysiker/innen. „Darüber hinaus liegt uns ein enger Austausch mit unseren niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen am Herzen“, betont Andreas Odparlik, „so dass wir im Frühherbst dieses Jahres eine halbjährlich stattfindende Fortbildungsreihe ins Leben gerufen haben, um nuklearmedizinische Sachverhalte und neue Entwicklungen darzustellen.“

„Das gesamte Team der Abteilung für Nuklearmedizin des UKH arbeitet in der Patientenversorgung, der Forschung sowie der Aus- und Weiterbildung daran, als kompetenter und zuverlässiger Partner noch wirksamer zu werden“, betont ihr neuer Leiter Andreas Odparlik. „Dafür sind wir für Anregungen und Optimierungsvorschläge unserer Kolleginnen und Kollegen offen und hoffen auf eine gute Zusammenarbeit.“

Korrespondenzanschrift:
Department für Strahlenmedizin
Abteilung für Nuklearmedizin
Universitätsklinikum Halle (Saale)
Ernst-Grube-Strasse 40
D-06120 Halle (Saale)