Professor Dr. Jörg Kleeff
Professor Dr. Jörg Kleeff

Der international anerkannte Experte für Bauchchirurgie, Professor Dr. Jörg Kleeff, ist als Professor für Viszeralchirurgie an die hallesche Universitätsmedizin berufen worden. Er leitet ab sofort die Universitätsklinik und Poliklinik für Viszerale, Gefäß- und Endokrine Chirurgie. Der Dekan der Medizinischen Fakultät, Prof. Dr. Michael Gekle, freut sich, dass mit Prof. Kleeff ein forschungsstarker Wissenschaftler und Arzt gewonnen werden konnte: „Das zeigt, dass die Universitätsmedizin Halle ein akademisch attraktiver Standort mit guter Infrastruktur ist.“ Damit werden die Forschungsschwerpunkte der Universitätsmedizin und die Krankenversorgung, insbesondere bei onkologischen Erkrankungen, gestärkt.

Prof. Kleeff war bisher am Royal Liverpool University Hospital tätig. Er hat in Tübingen und München Medizin studiert und bereits während seines Studiums Auslandsaufenthalte in Boston, Bern, Toronto und Seattle absolviert. Nach Abschluss des Medizinstudiums führte den heute 47-Jährigen ein Forschungsaufenthalt an die University of California in den USA. Seine chirurgische Ausbildung erhielt er in Bern, Heidelberg und München. Im Klinikum rechts der Isar in der bayrischen Landeshauptstadt war er mehrere Jahre als leitender Oberarzt der Chirurgischen Klinik tätig.

In Halle wird Professor Kleeff drei Positionen ausfüllen: Professor für Viszeralchirurgie, Direktor der entsprechenden Uniklinik und – als Novum – auch als Direktor der Allgemeinchirurgie am BG Klinikum Bergmannstrost in Halle. „Damit vertiefen wir die Vernetzung und Kooperation mit dem Bergmanns-trost“, erklärt PD Dr. Thomas Klöss, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums. Beide Seiten erhoffen sich daraus Synergien für die Krankenversorgung in Halle. Für den Chirurgen ist diese Doppelfunktion als ärztlicher Leiter zweier Kliniken eine besondere Herausforderung: „Ich erwarte eine spannende Tätigkeit, die zwar viel Koordination und Einsatz erfordert, aber sich für beide Seiten und die Patienten positiv auswirken wird.“ So können Fortbildungen und die Facharztausbildung gemeinsam durchgeführt werden. Patienten mit komplexen Erkrankungen an der BG könnten von der Einbindung in universitäre Krankenversorgungsstrukturen profitieren. So werden onkologische Patienten am BG Klinikum über das Krukenberg Krebszentrum in die universitäre Krankenversorgung eingebunden. Bereits in seiner ersten Woche in Halle führt Prof. Kleeff Operationen sowohl im UKH als auch in der BG durch.

Mit seinem Dienstantritt erhält seine Uniklinik eine neue Struktur, um der weiteren Spezialisierung der chirurgischen Fächer gerecht werden zu können. Den Bereich der endokrinen Chirurgie (insbesondere der Schilddrüse) leitet Prof. Kerstin Lorenz und die Gefäßchirurgie wird von OA Dr. Jörg Ukkat geführt. „Die in der Klinik vorhandenen Kompetenzen können wir damit bewahren“, sagt der neue Klinikdirektor, der mit einer Ärztin verheiratet ist und zwei Kinder hat. Sein Schwerpunkt in der Krankenversorgung liegt im Bereich der komplexen Bauchchirurgie, insbesondere bei onkologischen Erkrankungen im Bauchraum. „Ich freue mich dabei auf die Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen an der halleschen Universitätsmedizin wie der Gastroenterologie, Onkologie, Strahlentherapie, Anästhesie und Pathologie.“ Hier spiegele sich der Vorteil einer universitären Medizin wider: alle Fachdisziplinen unter einem Dach, die interdisziplinär bei komplexen und schweren Erkrankungen zusammenarbeiten. Bei Krebserkrankungen der Leber, der Bauchspeicheldrüse, des Magens und der Speiseröhre habe es in den vergangenen Jahren viele Fortschritte bei der Therapie gegeben. „Dabei kommen beispielsweise moderne Medikamente und Kombinationen verschiedener Therapien zum Einsatz.“ Professor Kleeff hat in München und Heidelberg – dort hat er auch auf dem Gebiet der Bauchspeicheldrüsenkrebsforschung habilitiert – an den führenden Zentren in Deutschland für solche Erkrankungen seine medizinischen Kompetenzen erwerben können.

Die Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse interessierten ihn bereits seit seiner Assistenzarzt-Zeit an der Universität Bern (Schweiz). Der Pankreaskrebs habe eine schlechte Prognose und stelle in der Grundlagen- und klinischen Forschung eine besondere Herausforderung dar. Prof. Kleeff: „Es hat zwar in den vergangenen Jahren positive Entwicklungen bei der Therapie gegeben und die Lebenserwartung der Betroffenen ist angestiegen, aber sie ist im Vergleich mit anderen Krebserkrankungen immer noch sehr niedrig.“ Er sieht daher eine besondere Motivation, die Forschung auf diesem Gebiet voranzutreiben. Der Chirurg setzt dabei unter anderem auf die Kooperation mit den Gastroenterologen an der halleschen Universitätsmedizin. Der Professor für Gastroenterologie, Prof. Dr. Patrick Michl, setzt sein Augenmerk ebenso auf die Erforschung von Erkrankungen der Bauchspeicheldrüsen. Neben dieser Grundlagenforschung möchte Professor Kleeff auch in der klinischen Forschung den Patientinnen und Patienten direkte Fortschritte bei der Therapie und Dia-gnostik von Erkrankungen im Bauchraum bringen.

| Pi und Foto: UKH