Prof. Dr. med. habil. Helmut Zühlke
Prof. Dr. med. habil. Helmut Zühlke

Nach Ablauf der VI. Wahlperiode an der „Ärztekammer Sachsen-Anhalt“ im September 2016 und den Neuberufungen der Fach- und Prüfungskommissionen wurde einer der verdienstvollsten Fachbereichsleiter, Herr Prof. Helmut Zühlke, für den Bereich Gefäßchirurgie (der „Facharzt für Gefäßchirurgie“), nach 22 Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit am 31.12.2016 aus dieser verantwortungsvollen Funktion verabschiedet.

Herr Prof. Zühlke entstammt der Schule von Prof. Dr. med. Dr. med. h. c. Rudolf Häring.
Prof. Häring war Ordinarius für Chirurgie am Klinikum Steglitz der Freien Universität Berlin, dem jetzigen Klinikum Benjamin Franklin der Charité. Darüber hinaus war er dort von 1978 bis 1994 Direktor der chirurgischen Klinik. Unter seiner Aegide gingen namhafte Chefchirurgen Deutschlands, u. a. Prof. Dr. A. Hirner, J. Konrad, B. M. Harnus, J. Boese Landgraf, G. Görtz und andere Chefärzte hervor. Prof. Häring hatte diese Funktion in einer Zeitdekade inne, in der sich sowohl in der Viszeral- als auch in der Gefäßchirurgie zahlreiche bedeutende Umwälzungen in der Chirurgie etablierten.

Solche Veränderungen umfassten u. a.:

  • in der Viszeralchirurgie
    • die Etablierung laparoskopischer Techniken des Gastro-Intestinal-Traktes in der Behandlung von benignen und malignen Erkrankungen;
  • in der Gefäßchirurgie
    • die Entwicklung interventionell-radiologischer/-angiologischer bzw. endovaskulärer Verfahren (vor allem periphere Gefäßstrecke, Aorta bis Aortenbogen), die zur Limitierung der eingriffsimmanenten Invasivität führten,
    • die Entwicklung neuer Prothesen-, Stent- als auch Ballonmaterialien und -designs („gefenstert“, „Drugeluting/-coated“, silberbeschichtet etc.),
    • die Etablierung intensiver interdisziplinärer Zusammenarbeit von interventioneller Radiologie und Herzchirurgie/Kardiologie, aber auch Neurologie, Nephrologie, die zur Bildung von Gefäßzentren führten,
    • Einführung von Hybrid-Eingriffen und Hybrid-Op-Sälen u.v.a.m.

In den letzten 3 Jahrzehnten hat die Gefäßchirurgie auf Grund der zunehmenden Bedeutung von Gefäßerkrankungen einen festen Platz im Spektrum der chirurgischen Fachdisziplinen eingenommen.
Die Wertigkeit dokumentiert sich auch bei der Mitwirkung in der Versorgung von unfallchirurgischen und tumorchirurgischen Patienten.
Die Facharztrichtung hat dabei enorme Bedeutung gewonnen. Für die Zukunft jedoch stehen weitere Aufgaben an, sodass sowohl für die „Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Endovaskuläre Chirurgie“, als auch für die Fach- und Prüfungskommission der Ärztekammern

  • richtungsweisende medizinische Herausforderungen,
  • strukturelle Veränderungen (und auch)
  • weiterbildungsbedingte Aufgaben anstehen und bewältigt werden müssen.


Prof. Zühlke hat nicht nur in diesen zukunftsweisenden Themenfeldern entscheidend mitgewirkt. Er führte schon früh in seiner beruflichen Laufbahn am Klinikum Steglitz die erste simultane Pankreas-Nieren-Transplantation in West-Berlin durch und war bis 1991 leitender Oberarzt der Universitätsklinik.
In der von ihm seit Februar 1994 geleiteten Klinik des „Evangelischen Krankenhauses Paul Gerhardt Stift“ in der weltbekannten Lutherstadt Wittenberg hat er als Chefarzt der „Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie/ Phlebologie, Medikamentöse Tumor-therapie“ nicht nur die volle Weiterbildungsbefugnis für Viszeralchirurgie und Gefäßchirurgie, sondern auch die Weiterbildungsbefugnis für Medikamentöse Tumortherapie erhalten und ausgeübt.

Prof. Zühlke wurde 1995 in die Fach- und Prüfungskommission „Gefäßchirurgie“ der „Ärztekammer Sachsen-Anhalts“ berufen und konnte sich dabei auf ein Team bewährter landesweit gefäßchirurgisch tätiger Kollegen stützen, die mit ihm die Fachgruppe „Gefäßchirurgie“ bildeten.

Als Mitglieder der Kommission wurden in dem langen Zeitraum u. a. Prof. Th. Bürger, Dr. R. Langer, Frau Dr. E. Wiegand, Chefarzt F. H. Wolter, Dr. W. Lindemann-Sperfeld, Chefarzt B. Lobenstein, Chefarzt Privatdozent J. Tautenhahn, Chefarzt W. Hofmann sowie Prof. Dr. Z. Halloul berufen.

Prof. Zühlke verkörperte „die gemeinsame Arbeit, die den Begriff der Selbstverwaltung verdient, für die wir eintreten“, wie es die Ärztekammerpräsidentin, Frau Dr. Heinemann-Meerz sehr treffend im „Ärzteblatt Sachsen-Anhalt“ formulierte.

Aus der Kommission folgt ihm nun sein langjähriger Stellvertreter, Herr Prof. Z. Halloul vom Fachbereich Gefäßchirurgie, Universitätsklinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie des Universitätsklinikums Magdeburg A.ö.R., in dieses Amt, der ein anspruchsvolles Erbe übernimmt.

Zahlreiche Absolventen der Weiterbildung zum „Facharzt für Gefäßchirurgie“ (zunächst als Schwerpunktsbezeichnung) durchliefen unter dem Vorsitz von Prof. Zühlke das Prüfungskolloquium.
Durch seine Tätigkeit als Gefäßchirurg in Wittenberg und in der Fach- und Prüfungskommission prägte er den Inhalt und das Ansehen der Gefäßchi-rurgie in Sachsen-Anhalt in den letzten beiden Jahrzehnten.

Geradezu legendär im Rahmen der Chefarzttätigkeit in Wittenberg wurden seine Zwei-Jahres-Tagungen „Wittenberger Konferenz der Evangelischen Krankenhäuser Deutschlands“ unter verschiedenen innovativen Leitthemen (zuletzt mit der „9. Konferenz“ 2015 mit dem Titel „Mal anders denken“). Seine Intention war u. a. die Verknüpfung von Medizin, Wissenschaft und Forschung sowie die Weiterbildung der Chirurgen in Mitteldeutschland. Ein zusätzlicher Aspekt war die Einbindung von Chi-rurgen aller Bundesländer, um ihnen die Bedeutung und den Fortschritt in der Angleichung von West- und Ostdeutschland aufzuzeigen. Darüber hinaus war der Kongress eine gute Gelegenheit, die mitteldeutsche Region im Raum Wittenberg und Dessau-Roßlau mit ihren Orten des Weltkulturerbes über ein anspruchsvolles Kongressprogramm näher zu bringen.
Neben dem wissenschaftlichen Programm lag ihm vor allem der chirurgische Nachwuchs am Herzen. Dieses dokumentierte sich in dem weithin bekannten und von ihm begründeten „Jungen Forum“, in dem junge Chi-rurgen ihre Ergebnisse präsentieren und erste Erfahrungen in der Präsentation von medizinischen und wissenschaftlichen Ergebnissen sammeln konnten.Prof. Zühlke war Vorsitzender der Chirurgenvereinigung Sachsen-Anhalts sowie Präsident der Mitteldeutschen Chirurgenvereinigung. Seine Kongresshistorie krönte sich durch die Ausrichtung des „7. Kongresses der Mitteldeutschen Chirurgenvereinigung 2014“ in Wittenberg.

Zahlreiche Preise, u. a. der „Herrmann-Kümel-Preis“ der Nordwestdeutschen Chirurgenvereinigung für seine Habilitationsschrift oder der „Kehr-Preis“ 2016 (Halberstadt), legen Zeugnis von der Anerkennung seines Wirkens ab. Er ist Ehrenmitglied der Mitteldeutschen Chirurgenvereinigung und des Tumorzentrums Anhalt in Dessau-Roßlau.
Nach seinem altersbedingten Aus-scheiden aus der Chefarztposition in Wittenberg übernahm Prof. Zühlke doch noch eine ausschließlich gefäßchirurgisch ausgerichtete Fachbereichsleitung in der drittgrößten Stadt Sachsen-Anhalts:
„30.08.2016 – Prof. Dr. med. Helmut Zühlke leitet als Chefarzt eine neu etablierte „Klinik für Gefäßchirurgie, Endo-Vaskuläre Chirurgie, Phlebologie“ am ,Städtischen Klinikum Dessau‘“ lautete die Schlagzeile.

Seine besondere Vorliebe für die Gefäßchirurgie und ihre Probleme wird auch durch das Buch „Septische Gefäßchirurgie“ dokumentiert, welches er bereits 1988 publizierte. Eine erweiterte Neuauflage wird 2017 erscheinen und umfasst alle „Infektionen in der Gefäßmedizin“.

Herrn Prof. Zühlke sei Dank gesagt für sein Engagement und seine Tätigkeit als langjähriger Vorsitzender der Fach- und Prüfungskommission „Gefäßchirurgie“ der Ärztekammer Sachsen-Anhalts.

Wir verbeugen uns vor seiner bisherigen beruflichen Lebensleistung und wünschen ihm gute Gesundheit und weitere Schaffenskraft. Sein fachlicher, berufs- und gesundheitspolitischer Rat soll dem „jungen alten“ Fach Gefäßchirurgie mit seinen anstehenden Herausforderungen vor allem im mitteldeutschen Raum noch lange erhalten bleiben.

Z. Halloul et F. Meyer
Aus dem Fachbereich Gefäßchirurgie, Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie, Universitätsklinikum Magdeburg A.ö.R., Magdeburg, Deutschland

Korrespondenzanschrift:
Prof. Dr. med. Z. Halloul
(Leiter des Arbeitsbereiches Gefäßchirurgie), Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie, Universitätsklinikum Magdeburg A.ö.R.
Leipziger Straße 44
39120 Magdeburg
Tel.: 0391 67 15666
Fax: 0391 67 14318
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