Die Herbsttagung der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention (DGS) fand vom 21.10.2016 bis 23.10.2016 in Halle (Saale) statt. Die Räumlichkeiten der Leopoldina, der Nationalen Akademie der Wissenschaften, bildeten einen beeindruckenden Rahmen. Das Generalthema „Suizidalität im Kontext hausärztlicher Betreuung“ sprach Ärzte und andere Berufsgruppen weit über den psychiatrisch-psychotherapeutischen Bereich hinaus an. Geleitet und eröffnet wurde die Veranstaltung von Prof. Dr. med. Dan Rujescu, Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Halle, sowie von Frau Professor Dr. med. Barbara Schneider, Köln, Vorstandsvorsitzende der DGS. Ein Grußwort hielt Dr. med. Bernd Langer, Halle, als Vorsitzender des sachsen-anhaltinischen Psychiatrieausschusses. Er verwies darauf, dass die Suizidforschung seit langem Risikofaktoren für suizidales Verhalten beschrieben hat. Allein schon die demografische Situation in Sachsen-Anhalt bedinge eine ungünstige Konstellation. Ein Drittel der Bevölkerung von rund 2,2 Millionen ist über 60 Jahre alt. Die anhaltend hohe Prävalenz von Alkoholmissbrauch und -abhängigkeit stelle einen weiteren bekannten Risikofaktor dar. Depressionen als wichtige Ursache von Suiziden sind gut erkennbar, gut behandelbar und häufig. Die frühzeitige Erkennung und Behandlung der Depression stellt deswegen einen idealen Angriffspunkt für die Suizidprävention dar. Unbedingt unterstützenswert sind in diesem Zusammenhang Aktivitäten des Bündnisses gegen Depression.

Durch Prof. Dr. med. Andreas Klement, Institut für Allgemeinmedizin in Halle, wurde sofort die Verbindung zur Allgemeinmedizin hergestellt. Er wies bereits an dieser Stelle darauf hin, dass der Hausarzt häufig der erste Anlaufpunkt ist, wenn ein Patient oder dessen Angehörige Veränderungen wahrnehmen, die auf eine psychische Erkrankung hinweisen.

Das Wochenende war geprägt von Vorträgen mit ausführlicher fachlicher Diskussion und arbeitsintensiven Symposien, die sowohl Einblick in aktuelle Forschungsergebnisse gaben als auch einen klaren Praxisbezug aufwiesen. So stellte beispielsweise Prof. Dr. med. Ulrich Hegerl, Universität Leipzig und Initiator des „Bündnisses gegen Depression“, an Fallbeispielen die Wichtigkeit der Exploration von Suizidalität dar und zeigte das spezifische Vorgehen auf.

Die Bedeutung von Suizidankündigungen stellte Dr. med. Tim Krause, Universitätsklinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Halle, anhand der aus der psychologischen Autopsie gewonnenen Ergebnisse, ursprünglich aus der Arbeitsgruppe um PD Dr. med. Axel Genz, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, vor. Nach einem erfreulichen Rückgang der Suizidraten auch in unserem Bundesland in den 1990er Jahren liegt die Zahl der Suizide in Deutschland wieder um die 10.000 pro Jahr. Dies bedeutet mehr Tote als durch Verkehrsunfälle, HIV/AIDS, Mord und Totschlag zusammen. Das ist ein Beleg mehr für die Bedeutung der Suizidprävention. Die Problematik muss weiter im Fokus aller medizinisch Tätigen bleiben.

Chefarzt Dr. med. W.-R. Krause,
Blankenburg (Harz)