Die Entstehung des gegenwärtigen Instituts für Pathologie geht zurück auf das Jahr 1906, in dem „Das Magdeburger Pathologische Institut“ gegründet wurde.

Die Entwicklungsgeschichte der Magdeburger Pathologie wurde von Gustav Ricker und Hasso Essbach wesentlich geprägt. Zu dieser Zeit gab es in Magdeburg zwei städtische Krankenhäuser: das Krankenhaus Altstadt und das Sudenburger Krankenhaus. Die pathologischen Untersuchungen für diese beiden Einrichtungen wurden von dem o. g. „Magdeburger Pathologischen Institut“ vorgenommen, in dem Gustav Ricker ab 1906 tätig war. Sein Nachfolger war Dr. Otto Schultz-Brauns, der im Oktober 1933 zum Direktor des Pathologischen Instituts ernannt wurde. Von 1946 bis 1952 übernahm Dr. Richard Penecke die Leitung des Pathologischen Instituts.

1952 übernahm Professor Hasso Essbach das Amt als Direktor des Instituts für Pathologie im Sudenburger Krankenhaus, das ab 1948 in das Gustav-Ricker-Krankenhaus umbenannt wurde. Essbach war einer der Gründer der Medizinischen Akademie, einer medizinischen Hochschuleinrichtung, die im September 1954 aus dem Sudenburger Krankenhaus hervorging. Bedingt durch die Kriegsschäden wurde 1947 das Institut an seiner alten Stelle neu gebaut. Durch die neu hinzugekommenen Aufgaben des Lehrbetriebes erwies sich der Neubau jedoch als unzureichend, woraufhin im September 1959 ein neues Institut für Pathologie errichtet wurde. Unter Essbachs Leitung wurden verschiedene Abteilungen ins Leben gerufen, unter anderem die Neuropathologie und die Elektronenmikroskopie sowie die Abteilung für Kinderpathologie, die erste Einrichtung dieser Art in Deutschland. Auch das Institut für Gerichtsmedizin ist aus dem von Essbach geleiteten Institut hervorgegangen.

1974 wurde Prof. Werner Kühne zum Direktor des Instituts für Pathologie ernannt. 1982 wurde ein zweiter Lehrstuhl eingerichtet, die Paidopathologie. Prof. Ingeborg Röse, eine langjährige Mitarbeiterin von Essbach, wurde mit der Verantwortung für diesen Bereich betraut. In der Amtszeit von Professor Kühne wurde die bis dahin mitbetreute pathologische Abteilung am Städtischen Altstadtkrankenhaus ausgegliedert. Prof. Kühne bekleidete das Amt des Direktors des Institutes für Pathologie bis 1992.

Nach der politischen Wende im Jahre 1989 bestand ein erheblicher Baubedarf für die Medizinische Fakultät. Für das Institut für Pathologie wurde im Rahmen des Hochschulbauförderungsgesetzes (HBFG) eine großzügige Renovierung vorgenommen, sodass der Pathologie, Neuropathologie und Rechtsmedizin gute Voraussetzungen geboten wurden, den wissenschaftlichen Herausforderungen sowie den Anforderungen des Lehrbetriebes gerecht zu werden. Mit der Universitätsgründung am 3. Oktober 1993 ging aus der Medizinischen Akademie die Medizinische Fakultät der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg hervor. Im August desselben Jahres wurde Prof. Dr. Albert Roessner zum Leiter des Institutes für Pathologie ernannt, das er bis September 2016 führte. Unter seiner Führung wurde ein Knochentumorregister eingerichtet, und zahlreiche wissenschaftliche Mitarbeiter des Institutes haben in seiner Amtszeit habilitiert.

Im August 1993 begann die Errichtung einer molekularbiologischen Abteilung, die gemeinsam von den Instituten für Rechtsmedizin und Neuropathologie genutzt wurde. Die Abteilung ist seitdem mit den modernsten Geräten ausgerüstet, die unter anderem auch eine hochsensitive DNA-Sequenzierung ermöglichen. Hieraus ergaben sich neue Möglichkeiten im Rahmen der Routinediagnostik, zum Beispiel im Hinblick auf die Identifizierung von Prognosefaktoren beim Mammakarzinom, Amplifikation des EGF-Rezeptors und Mutationen des p53-Gens. Seit Oktober 2016 obliegt die Leitung des Institutes für Pathologie Prof. Dr. Dr. Johannes Haybäck. Dieser ist Facharzt für Pathologie und Neuropathologie, auch promoviert im Bereich der Naturwissenschaften mit Schwerpunkt Molekularbiologie und Molekularpathologie. Der Wahldeutsche stammt aus Österreich und wurde in Innsbruck, Linz, Salzburg und Zürich ausgebildet. In den Jahren vor seiner Berufung an den Lehrstuhl des Institutes für Pathologie der Medizinischen Fakultät der Universität Magdeburg leitete er sowohl die Abteilung für Neuropathologie als auch das Comprehensive Cancer Center (CCC) an der Medizinischen Universität Graz.

Das Institut für Pathologie innerhalb des Universitätsklinikums

Wie bereits oben erwähnt, ist das Magdeburger Universitätsklinikum aus den 1891 eröffneten Sudenburger Krankenanstalten hervorgegangen. Am
7. September 1954 wurde aus diesem Komplex die Medizinische Akademie, und im Oktober 1993 ging daraus die Medizinische Fakultät der Otto-von-Guericke Universität Magdeburg hervor. Sie ist seit dem 1. Januar 2006 eine rechtsfähige Anstalt des Öffentlichen Rechts (AöR) des Landes Sachsen-Anhalt.

Das Institut für Pathologie befindet sich im Hauptstandort des Universitätsklinikums. Eines der vorrangigsten Ziele des Institutes für Pathologie ist es, eine bestmögliche Diagnostik zu gewährleisten. Es erbringt diagnostische Leistungen in der Patientenversorgung auf höchstem Niveau. So trägt das Institut auch zur Qualitätssicherung in der klinischen Medizin bei. Dafür kommt zeitgemäße und optimale Technik zum Einsatz. Folgende Untersuchungen werden unter anderem im Institut durchgeführt:

  • Intraoperative Schnellschnittuntersuchungen
  • Zytologische Untersuchungen von Punktaten und Abstrichen
  • Feingewebliche histomorphologische Untersuchungen von Biopsien
  • Untersuchungen basierend auf Methoden der Immunhistologie und Immunfluoreszenzanalyse
  • In-situ-Hybridisierung (Her2/neu-FISH, CISH u. a.)
  • Enzymhistochemische, ultrastrukturelle und molekularpathologische Untersuchungen von Probeexzisionen und Organpräparaten
  • Liquide Biopsien
  • Obduktionen
  • Zahlreiche Spezialfärbetechniken


Alle diese Untersuchungen, die nach den modernsten Richtlinien ausgeführt werden, tragen zu einer umfassenden und präzisen Diagnostik bei. Eine enge interdisziplinäre Kooperation mit allen Fachabteilungen und Instituten des Klinikums ist ein wesentlicher Bestandteil des Institutes. Das Team setzt sich aus ärztlichen und nicht-ärztlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zusammen. Zusätzlich zu diesem hochqualifizierten Personal leisten die am Institut beschäftigten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Labor aufgrund ihrer professionellen Kompetenz hochwertige Beiträge zur Erforschung von Krankheitsmechanismen und zur Weiterentwicklung diagnostischer Möglichkeiten. Ständige Schulungen und Fortbildungen der ärztlichen/nichtärztlichen und wissenschaftlichen Mitarbeiter gewährleisten die hohe Qualität der erbrachten Leistungen. Das Institut selbst steht im Ruf einer hochqualifizierten Ausbildungsstätte für Studierende, Ärzte/Ärztinnen in Weiterbildung und Fachärzte/Fachärztinnen für Pathologie. Dies soll auch in Zukunft so bleiben, und daher strebt das Team des Instituts konsequent nach positiver Weiterentwicklung und Trachten nach Exzellenz.

Darüber hinaus sieht sich die Belegschaft als Diagnostikzentrum, welches insbesondere im Bereich der Krebsvorsorge, Diagnose und Nachsorge den Anspruch auf Exzellenz erhebt. Modernste Technologien, von 3D-Zellkultur, Chemosensitivitätstestungen bis hin zu „Computational Pathology“, also Computer-gestützte erstklassige Diagnostik im Bereich aller Organsysteme, finden an diesem zentralen Pathologiestandort Anwendung. Insbesondere onkologische, aber auch alle anderen Patienten finden hier höchst kompetente, hervorragend ausgebildete Ärztinnen und Ärzte vor. Ein wesentlicher Bestandteil des Institutes für Pathologie ist die Forschung. Mehrere Arbeitsgruppen unter der Leitung von ausgewiesenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern bearbeiten in einem engen Arbeitsbündnis diverse, unter anderem von der DFG oder anderen Drittmittelgebern geförderte Forschungsaufgaben. Das Hauptanliegen unserer Forschungsaktivitäten ist die Identifizierung, Charakterisierung und das Targeting von Biomarkern in der Therapie. Untersucht werden onkologisch einsetzbare prognostische sowie prädikative Biomarker. Weitere Forschungsschwerpunkte sind die Untersuchung von zirkulierenden Tumorzellen, zirkulierender Tumor-DNA und Gewebebiomarke für eine Vielzahl von Krebsentitäten verschiedener Organsysteme. Auf nationaler und internationaler Ebene erforschen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kooperation mit namhaften Partnerinstituten neue Biomarker in Zellkulturen, Tiermodellen einschließlich Xenograft-Modellen, humanen primären und metastastischen Tumorgeweben und Zellen. Die Biomarker-Forschung konzentriert sich aber auch stark auf entzündliche und degenerative Erkrankungen. Für diese Untersuchungen werden die neuesten morphologischen und molekularen Methoden eingesetzt. Auch hier besteht eine enge Kooperation mit akademischen Partnern aus dem In- und Ausland sowie der Pharmaindustrie.

Hauptprojekte sind unter anderem die Untersuchung von Translationsinitiationsfaktoren in der Karzinogenese von unterschiedlichen Tumorarten, die Tumor-initiierende Chromatin Remodellierung bei Darmkrebs, die Rolle von Cathepsin X in der Helicobacter pyloriinduzierten gastralen Karzinogenese, die Tamoxifen-Resistenz bei Mammakarzinomen, sowie die Erforschung der Entzündungs-assoziierte gastrointestinalen Karzinogenese und die Funktion von GPR55 bei der Tumorgenese und Metastasierung im Kolonkarzinom. Für Absolventen eines biowissenschaftlichen oder medizinischen Studiums besteht die Möglichkeit, im Rahmen dieser Forschungstätigkeiten zu promovieren. Aufgrund der o. g. Zusammenarbeit mit Partnern des Universitätsklinikums Magdeburg und national und international namhaften Kooperationspartnern werden am Institut für Pathologie wegweisende Forschungsergebnisse in den Biowissenschaften und der Medizin erbracht.

Korrespondenzanschrift:
Prof. Dr. med. univ. Dr. sc. nat. Johannes Haybäck
Institutsdirektor
Institut für Pathologie, Universitätsklinikum Magdeburg A.ö.R.
Medizinische Fakultät, Otto von Guericke Universität Magdeburg
Leipziger Str. 44, Haus 28,
39120 Magdeburg