Onkologischer Experte seit März Chefarzt am Carl-von-Basedow-Klinikum Saalekreis

Hämatologen und Onkologen sind von Natur aus Internisten. Spezielle Internisten fürwahr. Was zeichnet sie aber aus in der Therapie von Krebserkrankungen, die in Deutschland zunehmend auch von den jeweiligen Organspezialisten betreut werden?

„Wir verstehen uns als Lotsen im Dickicht der onkologischen Therapiemöglichkeiten und bündeln für unsere uns anvertrauten Patienten das Wissen im Kampf gegen Krebserkrankungen“, beschreibt Dr. Jörn Rüssel die Herausforderung. Seit Anfang März ist der 37-jährige Mediziner Chefarzt der Medizinischen Klinik II am Carl-von-Basedow-Klinikum in Merseburg.

Wenn Patienten mit diffusen Beschwerden in das Notfallzentrum des Klinikums eingeliefert werden und der Verdacht auf einen soliden Tumor oder eine hämatologische Erkrankung vorliegt, erfolgt umgehend die Abklärung. Mit der vor Ort verfügbaren hämatologischen und onkologischen Expertise kann rund um die Uhr die relevante Diagnostik durchgeführt werden. Nach der Diagnose werde mit den Patienten das weitere Vorgehen beraten, denn es stehen mitunter vielfältige Behandlungsoptionen zur Verfügung und nicht immer ist das medizinisch mögliche auch tatsächlich für den einzelnen Patienten sinnvoll. „Wir decken das komplette Spektrum der Hämatologie und Onkologie ab mit Ausnahme der Transplantationsmedizin“, umreißt Dr. Rüssel. In solchen Fällen bewährt sich die Kooperation mit dem Universitätsklinikum Halle. Hier hat er nach Abschluss des Studiums der Medizin seine Ausbildung zum Internisten, Hämatologen und Onkologen genossen, war seit Anfang 2014 dort als Oberarzt tätig. Während er unter dem Direktorat von Prof. Dr. Hans-Joachim Schmoll, der 2014 in den Ruhestand ging, die Hämatologie und Onkologie von der Pike auf lernte und sich besonders im Bereich der soliden Tumorbehandlung profilierte, bekam sein hämatologisches Wissen unter dem Nachfolger Prof. Dr. Carsten Müller-Tidow, der mittlerweile an das Uniklinikum in Heidelberg gewechselt ist, den nötigen Feinschliff.

Dr. Rüssel freut sich insbesondere auf eine Fortführung, und wo es nötig erscheint auch behutsame Weiterentwicklung der onkologischen Diagnostik und Therapie am Carl-von-Basedow-Klinikum. Zu den häufigsten Diagnosen in Merseburg zählen gastrointestinale Tumore, Leukämien, Lymphdrüsenkrebs, darunter auch das Multiple Myelom, sowie gynäkologische Tumor-erkrankungen. Je nach den personalisierten Therapiemöglichkeiten werden die Patienten stationär, in der Tagesklinik oder in der spezialfachärztlichen §116b-Ambulanz für Hämatologie und gastrointestinale Onkologie behandelt. Langfristiges Ziel ist der Aufbau eines onkologischen Zentrums, um Patienten aus der Region jederzeit moderne und zielgerichtete Therapien nach dem aktuellen Wissensstand anzubieten. Hierzu ist in einem ersten Schritt der Anschluss an das Krukenberg-Krebszentrum Halle (KKH) der Universitätsmedizin Halle erfolgt. Doch nicht immer ist Heilung oder Chronifizierung der Erkrankung möglich. Auf der Palliativstation unter Leitung von Oberärztin Dr. Nadine Bruchlos sind Versorgung und Betreuung bis zuletzt gesichert. Wie Chefarzt Dr. Rüssel versichert, soll dieser Bereich ausgebaut werden, dazu gehört auch die Kooperation mit umliegenden Hospizen. Seit Mai ist auch Dr. Bärbel Schädlich in das Team um Dr. Rüssel gerückt, die bisher in einer onkologischen Praxis in Halle tätig war.
Um das höchste medizinisch verfügbare Niveau zu erreichen, ist eine noch engere Vernetzung mit umgebenden Fachärzten und den besonderen Ressourcen des Universitätsklinikums in Halle im Bereich Patientenversorgung, Forschung und Lehre geplant.
Dr. Rüssel gefällt die moderne Denkweise des Merseburger Krankenhauses und die bewusste Öffnung für Kooperationen, die für alle Seiten, insbesondere aber die Patienten nützlich sind. Die Onkologie wird altersbedingt in den nächsten Jahren einen immer größeren Stellenwert einnehmen. Gleichzeitig eröffnen zielgerichtete Therapiekonzepte neben einer optimierten Supportivtherapie immer mehr älteren Patienten eine sinnvolle Therapieoption. Die geriatrische Onkologie ist ein zunehmend wichtiger Zweig, auch wissenschaftlich betrachtet. „Das Carl-von-Basedow Klinikum und die Martin-Luther-Universität gehen daher nicht zuletzt mit der Einrichtung einer gemeinsamen Stiftungsprofessur für Geriatrie im Moment genau den richtigen Weg“, so Dr. Rüssel.

Echtheit und humorvolle Gelassenheit sind Eigenschaften, die der Familienvater an sich und anderen schätzt. Er möchte in Merseburg ein zufriedenes Team leiten, denn schlechte Stimmung überträgt sich schnell auf die Patienten, die aber hochmotivierte und empathische Mitarbeiter verdient haben.

| Pi CvBK

Fotos: Basedow-Klinikum