Arzt-Patienten-Forum in der Lutherstadt Eisleben

Geriatrische Abteilung HELIOS-Klinik Lutherstadt Eisleben

Am 3. Mai 2017 fand auf Initiative des Seniorenrates der Lutherstadt Eisleben ein Arzt-Patienten-Forum in der HELIOS-KLINIK Lutherstadt Eisleben – von der Geriatrischen Abteilung ausgerichtet – zum Thema Demenz und Schwerhörigkeit statt. Insgesamt leiden rund 14 Millionen Deutsche an Altersschwerhörigkeit, nahezu 40 % aller Menschen über 65 sind schwerhörig – nur etwa 50 % davon sind mit einem Hörgerät adäquat versorgt.
Frau Dr. Bartsch wies zu Beginn der Veranstaltung als ehemalige praktizierende FÄ für HNO-Heilkunde darauf hin, dass ein schwerhöriger Mensch rasch als Demenzkranke abgestempelt werden kann und somit immer eine entsprechende Diagnostik eingeleitet werden sollte (muss). Entsprechende Fallbeispiele wurden von ihr dargestellt. Interessant war während der Veranstaltung zu erfahren, dass es einen Zusammenhang von Schwerhörigkeit und der damit verbundenen Wahrscheinlichkeit, an Demenz zu erkranken, gibt. Typischerweise hören Altersschwerhörige zuerst hohe Frequenzen schlechter. Dabei kann der Höreindruck entstehen, dass Frauen und Kinder undeutlich sprechen oder nuscheln. Altersschwerhörigkeit tritt vermehrt ab dem fünften bis sechsten Lebensjahrzehnt auf. Ursachen können eine langjährige Lärmbelastung und gesundheitliche Probleme wie Bluthochdruck, Diabetes mellitus oder Durchblutungsstörungen sein. Lebensstilfaktoren spielen also auch eine gewichtige Rolle!

Der schwerhörige demenzkranke Mensch ist auch häufig in sozialer Abgeschiedenheit, was sich zusätzlich u. a. negativ auf die Kognition auswirkt. Der Gedanke ist durchaus nachvollziehbar: Fehlende akustische und soziale Reize beschleunigen den kognitiven Abbau. Dass der Hörverlust unabhängig von anderen Faktoren mit einem beschleunigten kognitiven Abbau und dem Auftreten mentaler Beeinträchtigungen zusammenhängt, liegt also nahe. Während ein Mensch mit gesundem Gehör im Alter alle 10,9 Jahre fünf Punkte in einem bestimmten kognitiven Testverfahren nachlasse, sei dies für Schwerhörige schon nach 7,7 Jahren der Fall. Als mögliche Erklärung für den beobachteten Zusammenhang gelten eine geringe Forderung des Gehirns und weniger soziale Teilhabe. Darauf wies auch Frau Dr. Schwiefert (OÄ der HNO-Abteilung der HELIOS-Klinik Hettstedt) hin.

Auch in diesem Fachgebiet ist die Multimedikation ein relevantes Pro-blemfeld. Zu den Medikamenten, die eine rückbildungsfähige Innenohrschwerhörigkeit auslösen können, gehören bestimmte Schmerz- und Rheumamittel wie Acetylsalicylsäure und nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) etc. Studien zufolge kommt es dabei aber sehr auf die Einnahmedauer und die Dosierung an, wie der CA der Geriatrischen Abteilung ausführte.

Es wurde auch im Rahmen der Veranstaltung die neue vom Land zu 100 % für 6.3 Mio. Euro geförderte Geriatrische Fachabteilung mit den therapeutischen Möglichkeiten einer Akutklinik mit begleitenden geriatrischen Frührehabilitationsmöglichkeiten sowie angeschlossener Geriatrischer Tagesklinik vorgestellt (Vorhandensein einer komplexen Strukturqualität, die sicherstellt, dass die bei der Behandlung älterer Patienten auftretenden komplexen Anforderungen sowohl in akutmedizinischer als auch in rehabilitativer Hinsicht erfüllt werden können – erforderliche komplexe Strukturqualität für Geriatrische Fachabteilungen).Frau Blum stellte als leitende Audiologin und Hörgeräteakustikerin der Universität Göttingen u. a. an Hand von Demonstrationsmaterialien die neusten therapeutischen Möglichkeiten vor, vom Hörgerät bis hin zum Implantat. Eine erstaunliche Vielfalt von Möglichkeiten für Hörgeschädigte wurde sehr anschaulich von der erfahrenen Kollegin allen Teilnehmern der Veranstaltung nahegebracht.

Korrespondenzanschrift:
HELIOS Klinik Lutherstadt Eisleben
Dr. Henning Freund
Chefarzt Geriatrische Abteilung
und Geriatrische Tagesklinik
Hohetorstraße 25
06295 Lutherstadt Eisleben
Tel.: 03475/90-1650, Fax: -1616