Hallescher Rechtsmediziner wurde zum Vizepräsidenten einer internationalen Fachgesellschaft gewählt

Professor Dr. Rüdiger Lessig, Direktor des halleschen Instituts für Rechtsmedizin, ist zum Vizepräsidenten der Fachgesellschaft „International Organisation for Forensic Odontostomatology“ gewählt worden. „Es ist für mich eine große Ehre, dass meine Expertise auf diesem Fachgebiet international diese Anerkennung findet“, sagt der Rechtsmediziner. Im Vorstand sei er der einzige Vertreter, der in den beiden Fächern Zahnmedizin und Rechtsmedizin ausgebildet sei. Als Vizepräsident werde er sich vor allem um die organisatorische Weiterentwicklung der internationalen Fachgesellschaft, die seit mehr als 30 Jahren existiert, kümmern. Professor Lessig war in den vergangenen drei Jahren bereits Vorstandsmitglied der IOFOS.

Professor Lessig wurde 1958 in Leipzig geboren und studierte zunächst Zahnheilkunde und absolvierte dann ein Humanmedizin-Studium, welches er 1983 abschloss. Seit 2010 leitet er in Halle das Institut für Rechtsmedizin. Seine jahrelangen Erfahrungen auf dem Gebiet der Identifizierung aufgrund des Gebisszustandes von Todesopfern führ­ten nicht nur zur Mitgliedschaft in der Identifizierungskommission des Bundeskriminalamtes, sondern auch zu einem insgesamt mehrmonatigen Einsatz nach der Tsunami-Katastrophe in Asien. Zudem wirkt er bundesweit als Ausbilder für das BKA auf dem Gebiet der stomatologischen Identifikation, um andere Zahnmediziner für Katastropheneinsätze vorzubereiten.

Die IOFOS beschäftigt sich unter anderem mit der wissenschaftlichen Förderung der forensischen Zahnheilkunde sowie dem fachlichen Austausch. Die Forensische Odontostomatologie ist ein interdisziplinäres Fachgebiet, angesiedelt zwischen der Rechtsmedizin und der Zahnmedizin. Neben den für die Rechtsmedizin wichtigen Bereichen der Identifikation unbekannter Toter und der Analyse von Bissspuren beschäftigt sie sich mit rechtsrelevanten Fragen der zahnärztlichen Behandlung. Die Fachgesellschaft organisiert zudem weltweit die Einsätze von Fachkräften zur Identifizierung von Toten nach größeren Katastrophen wie Erdbeben.

Aufgrund der Tatsache, dass das menschliche Gebiss als höchstindividuell gilt und mit einem Fingerabdruck vergleichbar ist, wird dies insbesondere bei der Identifizierung unbekannter Toter genutzt. Dazu kommt eine große Widerstandfähigkeit gegen äußere Einflüsse, die zum Erhalt der Zähne auch bei Bränden oder Ähnlichem führen. Dies spielt insbesondere bei Massenunfällen eine große Rolle. Der Abgleich des Zahnstatus mit den Daten eines Vermissten stellt eine primäre Identifizierungsmethode neben dem Fingerabdruckvergleich und der DNA-Analyse dar. In der Regel sind über 90 Prozent der Fälle mit Hilfe des Zahnstatus sicher zu klären. Die Schätzung des Alters eines Menschen ist ebenfalls mit Hilfe der Zähne möglich.

| Pi und Foto: UKH