Am 15. und 16.09.2017 fand der Jahreskongress des Verbundes der mitteldeutschen Krankenhausärzte im „Europa-Rosarium Sangerhausen“ statt. Eingeladen hatte der Landesvorsitzende, Herr Dr. B. Klinge (Ärztlicher Direktor der Helios-Klinik Sangerhausen) des Landesverbandes Sachsen-Anhalt.

Den Eröffnungsvortrag hielt Dr. J. Phenn, Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie der Klinik Sangerhausen. Er referierte zum Thema „Asymmetrische Bedrohungen und medizinische Konzepte“. Eindrucksvoll schilderte Herr Dr. J. Phenn seine Erlebnisse als Militärarzt bei der Bundeswehr, unter anderem seine Erfahrungen aus der Dienstzeit in Afghanistan. Kritisch nahm er auch zur Situation der Notarztversorgung in Deutschland Stellung. Bei der angestrebten Neuordnung der Notfallzentren dürfen nach Meinung der Anwesenden, notarztärztliche Strukturen nicht auf Kosten kleinerer Einrichtungen reduziert werden.

Zum Treffen der Leitenden Krankenhausärzte am Samstag, den 16. Septem-ber, begrüßten die Teilnehmer auch hochrangige Gesundheitspolitiker. Themenschwerpunkt des Treffens war vor allem die Gestaltung der Krankenhauslandschaft in Mitteldeutschland. Dabei erläuterte der Vorsitzende der Landeskrankenhausgesellschaft Sachsen-An-halt, Herr Prof. Dr. W. Schütte, Bemühungen zur Erarbeitung eines Landeskrankenhausplanes für Sachsen-Anhalt. Allerdings wies er auch auf bestehende Defizite bei der Sicherung einer wohnortnahen stationären Versorgung, insbesondere in ländlichen Regionen, hin und nahm zu Tendenzen Stellung, die die Funktionsfähigkeit stationärer Vorsorgungsstrukturen infrage stellen würden. Insbesondere in flächigen Ländern dürfen diese Aspekte bei der Neuordnung der Krankenhauslandschaften nicht vernachlässigt werden. Dies betraf auch die Umsetzung der sogenannten „Mindestmengenregelung“. Der Vorsitzende des Landesverbandes Hamburg des VLK, Herr PD Dr. H. Maul referierte zu diesem Thema. Sein Vortrag beschäftigte sich mit „Mindestmengen: Wunsch, Ziel oder Gefahr?“

Mindestmengen, insbesondere bezo­gen auf den einzelnen Arzt, welche seit Jahren im Rahmen der Zertifizierung verschiedener Zentren genutzt werden, stellen bei unkritischer Ausweitung nicht nur eine Gefahr für die Aus- und Weiterbildung zukünftiger Arztgenerationen dar. Der Apell geht an alle Ärzte, so Maul, unsere ureigenste Aufgabe der Weiterbildung nicht selbst ad absurdum zu führen. Unter dem Deckmantel der Qualitätssicherung sollen diese Min­destmengen aber aktuell zur Bereinigung der Krankenhausstrukturen missbraucht werden.

Der Geschäftsführer der Landeskrankenhausgesellschaft des Freistaates Thüringen, Herr R. Poniewaß, erläuterte die umfangreichen Aufgaben unserer Krankenhäuser bei der gegenwärtig erfolgenden Implementierung des Entlassmanagements. Die Bemühungen zur Entlastung der Ärztinnen und Ärzte von bürokratischen Verpflichtungen werden durch die Forderungen zum Entlassmanagement widerlegt. Unter den Bedingungen unzureichender personeller Ausstattungen in unseren Krankenhäusern ergeben sich auch für die Krankenhausträger nicht zu unterschätzende Probleme. In der Podiumsdiskussion mit der Thüringer Gesundheitsministerin Frau H. Werner und der Staatssekretärin im Gesundheitsministerium von Sachsen-Anhalt Frau B. Bröcker sowie mit dem Präsidenten des VLK Herrn Prof. Dr. F. Weiser und den Vizepräsidenten der Landesärztekammern Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt wurde das Thema Entlassmanagement umfangreich diskutiert.

Die neuen Pläne des gestuften Systems der Notfallstrukturen in Krankenhäusern stehen gegenwärtig im Brennpunkt der gesundheitspolitischen Diskussionen. In seinem Beitrag wies Prof. Dr. Weiser auf Leistungen zur umfassenden notärztlichen Betreuung der Krankenhäuser hin. Er warnte, dass Unzulänglichkeiten im vertragsärztlichen Versorgungssystem den stationären Notfallzentren und Beratungsstellen angelastet werden. Der Anspruch, sektorenübergreifende Versorgungsstrukturen zu realisieren, wäre mit der Neugestaltung des Notarztsystems beispielhaft umsetzbar. Nach Auffassung der Thüringer Gesundheitsministerin Frau H. Werner wäre dies ein sinnvoller Schritt, die sektorale Trennung unseres Versorgungssystems zu überwinden. In der Diskussion wurde betont, dass eine Überforderung des Notfallsystems in Deutschland auch durch eine unkritische Inanspruchnahme mit bedingt sei, da den Patienten heute eine scheinbar unerschöpfliche Verfügbarkeit von medizinischen Leistungen suggeriert wird. Es muss bei diesen Themen in der Öffentlichkeit mehr Ehrlichkeit eingefordert werden.

Der Jahreskongress der Leitenden Krankenhausärzte Mitteldeutschlands war, nach Auffassung alle Gäste, eine interessante und lohnende Veranstaltung. Das Tagungsprogramm fokussierte auf aktuelle Themen, die die Ärzteschaft in unseren Krankenhäusern bewegt.


Dr. med. Bernd Klinge
Chefarzt Allgemein- und Viszeralchirurgie
Ärztlicher Direktor
Helios Klinik Sangerhausen
Am Beinschuh 2a
06526 Sangerhausen
Landesvorsitzender Sachsen-Anhalt des VLK

Prof. Dr. med. Reinhard Fünfstück
Chefarzt Innere Medizin
Ärztlicher Direktor
Sophien- und Hufeland-Klinikum gGmbh Weimar
1. Sprecher des Mitteldeutschen Verbundes VLK

 

Foto: HELIOS Klinik Sangerhausen