Dr. Lars Mohrenweiser, Inhaber der Sonnen-Apotheke, erklaert u. a. Besonderheiten beim Umgang mit Arzneimittelrezepten
Dr. Lars Mohrenweiser, Inhaber der Sonnen-Apotheke, erklärt Besonderheiten beim Umgang mit Arzneimittelrezepten

Warum ruft die Apotheke häufig in einer Arztpraxis an, wenn es lediglich um formelle Fehler bei der Rezeptausstellung geht? Kann der Apotheker diese Probleme nicht eigenständig lösen und den Ärzten Zeit sparen? „Eindeutig nein. Wir Apotheker sind angehalten, sehr genau auf jedes Detail zu achten. Schon kleine formelle Fehler führen zur Null-Retaxation seitens der Krankenkassen. Bei Arzneimitteln, die im drei- oder vierstelligen Euro-Bereich liegen, kann es sich keine Apotheke leisten, auf die Erstattung zu verzichten. Darum prüfen wir so genau und nerven vielleicht manchmal mit unseren Korrekturwünschen in den Arztpraxen“, erklärte Dr. Lars Mohrenweiser, Inhaber der Sonnen-Apotheke in Magdeburg. Er folgte einer Einladung der Ärztekammer und der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt, die am 25. Oktober 2017 im Bauhaus Dessau eine Fortbildung organisiert hatten.

Dr. Mohrenweiser ging detailliert auf jedes Rezeptfeld ein. Er zeigte häufig auftretende formelle Fehler, die einer Korrektur bedürfen, um Retaxationen zu vermeiden. Angesprochen wurde das Thema Arzneimittelsubstitution und Rabattverträge. Er zeigte Probleme auf, die ein Arzneimittelaustausch mit sich bringen kann. Dabei wurden Punkte wie sensible Wirkstoffe, Packungsgrößen, Arzneiformen und Teilbarkeiten erörtert. Er wies die Ärzte darauf hin, wie wichtig zusätzliche Details (Dosierungshinweise, Einnahmedauer) auf dem Rezept sind. Nur mit diesen Informationen ist der Apotheker oft erst in der Lage zu entscheiden, ob ausgetauscht wird oder nicht.

Gerade hinsichtlich der Wechselwirkungen von Arzneimitteln ist eine gute Kommunikation beider Heilberufe unverzichtbar. „Leider haben nur wenige Patienten einen aktuellen Medikationsplan. Dieser ist aber eine wichtige Arbeitsgrundlage für beide Heilberufsgruppen, um möglichen Neben- und Wechselwirkungen zu begegnen“, so Dr. Mohrenweiser. Im zweiten Fortbildungsbereich ging es um die korrekte Dokumentation von Todesbescheinigungen. Mit vielen formalen Fragen sehen sich die Ärzte beim Erstellen der Bescheinigungen konfrontiert. „Die Leichenschau ist der letzte Dienst des Arztes am Patienten. Da ist es umso wichtiger, dass alle Formalitäten von der korrekten Dokumentation bis hin zum Ausstellen der Todesbescheinigung richtig sind“, erklärte Dr. Norbert Beck.

Der Facharzt für Rechtsmedizin und Geschäftsführer der Ethik-Kommission am Universitätsklinikum Magdeburg kennt bestehende Unsicherheiten in der Ärzteschaft. Er erklärte, dass gemäß statistischer Untersuchungen etwa nur in 25 Prozent der Fälle die Diagnose der Leichenschau mit der der Obduktion komplett übereinstimmt. Auch über den Aufbau der Kausalketten informierte er. Zur im Bundesvergleich höchsten Sterblichkeit in Sachsen-Anhalt an einem Herzinfarkt sah er u. a. auch „eine Ursache darin, dass in der Todesbescheinigung oft Herzversagen zuerst angegeben wird, obwohl andere Erkrankungen, wie Krebsleiden, Leberzirrhose, chronische Nierenerkrankungen oder ähnliches die eigentliche Todesursache sind. So kann es in der Auswertung der Todesbescheinigungen zu statistischen Verschiebungen kommen.“ Ein weiterer wichtiger Part des Vortrags war die Sensibilisierung der anwesenden Ärzte zur Anwendung der richtigen Todesart und der damit verbundenen Meldepflicht an die Polizei beim nichtnatürlichen Tod. Bei Rückfragen steht in Sachsen-Anhalt flächendeckend ein rechtsmedizinischer Bereitschaftsdienst in Halle und Magdeburg zur Verfügung.

Katrin Pohl

Fotos: Katrin Pohl