9. HNO-Herbstsymposium des Städtischen Klinikums Dessau

Bereits zum neunten Mal kamen Fachärzte aus dem gesamten Bundesgebiet zum HNO-Herbstsymposium im Städtischen Klinikum Dessau zusammen. „Unsere Tagung hat sich als feste Größe zum Fachaustausch zu neuesten Erkenntnissen der Diagnostik und Therapie der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde etabliert. Diesmal erwarten wir Arztkollegen aus Bayern, Sachsen und Thüringen“, berichtete Prof. Dr. med. Stephan Knipping. Der Chefarzt der Dessauer Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie, Plastische Operationen veranstaltet das Symposium jährlich und freut sich, dass die renommierten Fachkollegen das Themenspektrum am 4. November weit spannten. Neben der chirurgischen HNO-Heilkunde standen strahlentherapeutische Aspekte und auch alternative Behandlungsansätze auf dem Programm.

Von Cochlea Implantaten bis Stimmprothesen
Im ersten Themenblock beleuchtete Prof. Dr. med. Andreas Riederer die Nachoperation bei Nasenkorrekturen - die sogenannte Revisionsrhinoplastik. Der sehr erfahrene Facharzt mit eigener HNO-Praxis in München gilt als Spezialist auf diesem Gebiet. Revisionen bei Nasenkorrekturen müssen durchgeführt werden, wenn Patienten mit den voroperierten Ergebnissen unzufrieden sind. Funktionelle Gründe wie Atemprobleme können ebenso dafür sprechen wie ästhetische. Die Nasenkorrektur-Techniken sind inzwischen sehr schonend und häufig auch endoskopisch realisierbar.

Innovativ gestaltet sich heute auch die Versorgung mit implantierbaren Hörsystemen. Von den geschätzten über 13 Millionen hörgeschädigten Bundesbürgern benötigen mehr als die Hälfte technische Hilfsmittel. Für Patienten, die nach dem Spracherwerb an hochgradigem bzw. an Taubheit grenzendem Hörverlust leiden, empfehlen sich Innenohr-(Cochlea)-Implantate als Behandlungsoption. „Wenn Hörschnecke und Hörnerv voll funktionsfähig sind, kann dadurch verlorengegangenes Hörvermögen wiedererlangt werden“, bestätigte Prof. Knipping. Er versorgte in der Dessauer HNO-Klinik bereits mehreren Patienten mit Cochlea Implantaten (CI) und anderen hörverbessernden Systemen. Auf dem HNO-Symposium informierte Prof. Dr. med. Marcus Neudert über den aktuellen Stand der Cochlea Implantation. Prof. Neudert ist der geschäftsführende Oberarzt der Universitätsklinik für HNO-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie am Universitätsklinikum Dresden und ein ausgewiesener CI-Spezialist.

Mit einem anspruchsvollen und vielschichtigen Thema beschäftigte sich der dritte Referent des ersten Vortragsblocks. Dr. med. Andreas Schreiber behandelt in der Praxis für Strahlentherapie in Dresden-Friedrichstadt auch Patienten mit HNO-Tumoren. Welche Bedeutung es für die moderne Radioonkologie hat, wenn diese Patienten zudem mit humanen Papillomaviren (HPV) infiziert sind, erläuterte Dr. Schreiber ausführlich.

Über unerwünschte Nebenwirkungen und Alternativtherapien
Für Tumorpatienten stellen Strahlentherapie und Radioonkologie neben oder in Kombination mit chirurgischen Eingriffen und Chemotherapien oft die angezeigten Behandlungsstrategien dar. Dabei bleiben unerwünschte Nebenwirkungen nicht immer aus. Dr. med. Thomas Bauer aus dem Mund-Kiefer-Gesichts-Zentrum Halle/Dessau analysierte während des Symposiums die Osteoradionekrose und Osteomyelitis. Beides sind relativ häufige Nebenwirkungen der Tumortherapie im Kieferbereich. Rechtzeitig erkannt, lassen sich beide Erkrankungen effizient versorgen. Ziel ist stets, den Patienten Schmerzen und weitere Einschränkungen der Lebensqualität zu ersparen.

Um Lebensqualität geht es auch bei Patienten, denen aufgrund einer bösartigen Tumorerkrankung der Kehlkopf entfernt werden muss. Mit der Laryngektomie gehen erhebliche anatomische Veränderungen einher und eine Stimmprothesenversorgung ist unerlässlich. Über den aktuellen Stand in diesem Bereich informierte Prof. Dr. med. Sven Koscielny. Als stellvertretender Klinikdirektor der Universitätsklinik und Poliklinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde am Universitätsklinikum Jena besitzt er eine nachweisliche Expertise bei der Behandlung dieser Patientengruppe.

Im letzten Vortrag des zweiten Themenblocks des Symposiums widmete sich Dr. med. Alexander Thiele der Neuraltherapie bei Erkrankungen im HNO-Bereich. Der in Zschopau niedergelassene Facharzt stellte diese zu den alternativen Behandlungen gehörende Methode ausführlich vor. Die Neuraltherapie ist eine Form der Regulationstherapie. Sie dient dazu, die Funktionsmechanismen des Körpers zu unterstützen oder wiederherzustellen.

Das Team der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie, Plastische Operationen des Städtischen Klinikums Dessau.

Pi SKD

Foto: SKD