Das Landesamt für Verbraucherschutz Sachsen-Anhalt informiert

In Deutschland sind gemäß § 8 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) Ärzte, Leiter von medizinischen Laboratorien, Tierärzte, Angehörige anderer Heil- oder Pflegeberufe und Leiter von Gemeinschaftseinrichtungen zur Mel­- dung von Krankheiten bzw. Krankheitserregern an das zuständige Gesundheitsamt verpflichtet. Die meldepflichtigen Krankheiten (§ 6) und Krankheitserreger (§ 7)  sind im IfSG festgelegt. Zusätzlich gilt in Sachsen-Anhalt eine Verordnung über die erweiterte Meldepflicht übertragbarer Krankheiten (GVBl. LSA Nr. 21/2005).

Abbildung: Inzidenzen ausgewählter meldepflichtiger Krankheiten und Krankheitserreger in Sachsen-Anhalt und Deutschland, 2016. Quelle: Landesamt für Verbraucherschutz Sachsen-Anhalt

Die Gesundheitsämter stellen die notwendigen Ermittlungen an, um z. B.  Infektketten zu unterbrechen und Infektionsquellen aufzudecken. Die eingehenden Meldungen werden außerdem von ihnen nicht nur erfasst, sondern auch bewertet und anonymisiert an den Fachbereich Hygiene des Landesamtes für Verbraucherschutz (LAV) übermittelt. Das LAV ist die zuständige Landesbehörde für die Beobachtung und epidemiologische Beurteilung der von den Gesundheitsämtern gesammelten Meldungen übertragbarer Krankheiten in Sachsen-Anhalt. Die Aufarbeitung und Veröffentlichung der anonymisierten Daten erfolgt regelmäßig wöchentlich als Epidemiologischer Wochenbericht und jährlich als Infektionskrankheitenbericht.  

Gemäß § 11 IfSG werden Daten zu meldepflichtigen Krankheiten und Nachweisen von Krankheitserregern von der zuständigen Landesbehörde an das Robert Koch-Institut (RKI) übermittelt.

Im Herbst 2017 wurde der Infektionskrankheitenbericht für 2016 fertiggestellt. Darin wird u. a. über gastrointestinale Infektionen, Virushepatitiden, impfpräventable Krankheiten, Tuberkulose und auch über nosokomiale Infektionen in Sachsen-Anhalt berichtet.

Unter den gastrointestinalen Infektionen spielten 2016 Norovirus-Infektionen, Campylobacter-Enteritiden, Rotavirus-Infektionen und Salmonellosen zahlenmäßig die größte Rolle. Bei den weniger häufigen gastrointestinalen Infektionen kommen Erkrankungen durch enterohämorrhagische E. coli (EHEC) wegen der möglichen Komplikationen (HUS) eine besondere Bedeutung zu. Während EHEC-Erkrankungen 2016 mit einer Inzidenz von 3,95 übermittelten Fällen pro 100.000 Einwohner deutlich häufiger als im Bundesdurchschnitt auftraten, wurde nur ein HUS-Fall aus Sachsen-Anhalt übermittelt.

Die Inzidenz von Hepatitis E steigt seit 2 Jahren deutlich an. In Zusammenarbeit mit den Gesundheitsämtern in Sachsen-Anhalt wird durch das LAV aktuell eine Fall-Kontroll-Studie zur Ursachenabklärung durchgeführt. Auch die Virushepatitis B zeigt seit 2015 einen starken Anstieg ihrer Inzidenz, der sich 2016 mit geringerer Ausprägung fortgesetzt hat. Dieser Anstieg ist mit dem Flüchtlingszustrom in Verbindung zu bringen. Hierbei muss allerdings beachtet werden, dass bei der Erstaufnahme von Asylbewerbern zielgerichtet auf Hepatitis B und zwingend auf Tuberkulose untersucht wird. Viele Asylbewerber kommen aus Ländern, in denen Tuberkulose häufiger vorkommt als in Deutschland. In Zusammenhang mit der aktiven Fallsuche bei der obligaten gesundheitlichen Untersuchung in der Erstaufnahmestelle für Asylbewerber ist dies auch ein Grund für die seit 2015 höhere Tuberkulose-Inzidenz.

Impfpräventable Erkrankungen werden im Allgemeinen als „Kinderkrankheiten“ bezeichnet. Deren Überwachung im Rahmen der Meldepflicht weist jedoch darauf hin, dass diese Infektionen auch im Erwachsenenalter auftreten und sie zeigt Impflücken auf. Beispielsweise lässt sich ableiten, dass Erwachsene nicht ausreichend gegen Pertussis geschützt sind.

Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) gehören zu den Erregern, welche eine besondere Rolle bei nosokomialen Infektionen spielen können. Im Jahr 2016 wurde in Sachsen-Anhalt die bundesweit höchste Meldeinzidenz für MRSA-Nachweise in Blut oder Liquor registriert. In Zusammenarbeit mit den Gesundheitsämtern hat das LAV auch hier zur Abklärung der Ursachen eine Untersuchung durchgeführt, deren Auswertung in Kürze abgeschlossen und der Fachöffentlichkeit zur Verfügung gestellt wird.  

Seit Jahresmitte 2016 werden außerdem Nachweise multiresistenter (Carbapenem-resistenter) gramnegativer Bakterien mit der Meldepflicht erfasst. Durch die Kürze des Meldezeitraums können zu diesem Thema noch keine validen Aussagen getroffen werden.

Für detaillierte Informationen zur Epidemiologie meldepflichtiger Krankheiten und Krankheitserreger in Sachsen-Anhalt können die Infektionskrankheitenberichte auf der Webseite des LAV abgerufen werden: https://verbraucherschutz.sachsen-anhalt.de/hygiene/publikationen/

Kontakt:
Landesamt für Verbraucherschutz Sachsen-Anhalt,
Fachbereich 2 Hygiene
Große Steinernetischstraße 4,
39104 Magdeburg
Telefon: 0391-2564-0
Fax: 0391-2564-192
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