Erstmals wurde in Deutschland bei einem Vogel, der Mitte August 2018 in Halle (Saale) in seiner Voliere tot aufgefunden worden war, eine Infektion mit dem West-Nil-Virus (WNV) festgestellt. Der Nachweis gelang im Fachbereich Veterinärmedizin des Landesamtes für Verbraucherschutz Sachsen-Anhalt (LAV) und wurde vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) bestätigt.

Das WNV wird vor allem über Vektoren, z. B. Aedes-Stechmücken, aber auch über die in Deutschland vorherrschenden heimischen Culex-Stechmücken sowie durch Zecken auf Vögel (Hauptwirt) und den Menschen übertragen. Beim Einschleppen und Ausbreiten von WNV in nicht endemische Gebiete spielen Zugvögel eine wichtige Rolle. Serologische Untersuchungen bei Vögeln und anderen Vertebraten weisen darauf hin, dass WNV in Europa weit verbreitet ist. Krankheitsfälle bei Vögeln, aber auch bei Pferden treten saisonal kurz vor den menschlichen Erkrankungen auf. Sie können daher als Indikator für die Gefährdung des Menschen durch WNV angesehen werden. Der Mensch wird als Fehlwirt angesehen, der nicht zur weiteren epidemischen Verbreitung beiträgt.

Eine Schutzimpfung für Menschen gibt es nicht. Wie bei anderen durch Mücken oder Zecken übertragbaren Infektionen zählt zu den Schutzmaßnahmen u. a. die Vermeidung von Mücken- bzw. Zeckenstichen durch entsprechende Kleidung und Repellents. Vektor-Monitoring, das nun aufgrund des Fundes in Halle (Saale) durch das FLI erfolgt, und die Reduzierung von möglichen Brutstätten für Mücken sind weitere Präventionsmaßnahmen.

Die überwiegende Zahl der Infektionen beim Menschen verläuft unauffällig oder mild. Nach einer Inkubationszeit von 3-14 Tagen entwickeln etwa 20 % der Infizierten eine fieberhafte Erkrankung, die 3-6 Tage andauert. Zu den Symptomen gehören Unwohlsein, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Hautausschlag, Lymphknotenschwellungen sowie Augenschmerzen. Vorherrschend sind dabei plötzlich einsetzendes Fieber und Symptome eines grippalen Infekts. Nur etwa jede 150. infizierte Person erkrankt schwer. Ein wesentlicher Risikofaktor ist das Alter der Erkrankten. Eine schwere Erkrankung kann jeden treffen, Personen über 50 Jahre sowie Immunsupprimierte haben das höchste Risiko. Bei einem schweren Verlauf (West-Nil-Enzephalitis, -Meningitis, -Poliomyelitis) treten Symptome wie Kopfschmerzen, hohes Fieber, Nackensteifigkeit, Stupor, Desorientierung, Koma, Tremor, Krämpfe, Muskelschwäche und Paralyse auf. Die supportive Therapie des neuroinvasiven West-Nil-Fiebers erfolgt intravenös, durch Beatmung und durch die Vorbeugung von Sekundärinfektionen. Die Zahl tödlich verlaufender WNV-Infektionen bei hospitalisierten Personen lag bei den bisherigen Ausbrüchen in den USA, Rumänien, Israel bzw. Russland zwischen 4 % und 14 %.

Bis heute wurde keine Mensch-zu-Mensch-Übertragung von WNV durch enge Kontakte dokumentiert, auch keine Übertragung auf medizinisches Personal, wenn Standardhygienemaßnahmen eingehalten wurden. Eine Übertragung über die Muttermilch, Plazenta sowie durch Blut bzw. Blutprodukte ist allerdings in einigen Fällen aufgetreten. Um lokale Blutspendedienste über das Auftreten von West-Nil-Fieber zu informieren findet durch das European Center for Disease Prevention and Control (ECDC) während der West-Nil-Fieber-Saison von Juni bis November ein Monitoring von Fällen in Europa statt. Mit Stand vom 23.08.2018 wurden in diesem Jahr bereits 410 humane Fälle in der EU gemeldet: Italien (183), Griechenland (106), Rumänien (56), Ungarn (58), Frankreich (5) und Kroatien (2). In Deutschland sind bisher keine Fälle von West-Nil-Fieber bekannt.

Bei seltenen und neu auftretenden Erkrankungen kommt einer Surveillance in der Bevölkerung – und hier insbesondere einer erhöhten Aufmerksamkeit von Ärzten – eine besondere Rolle zu. Im Jahr 2016 wurde die Labor-Meldepflicht nach § 7 Infektionsschutzgesetz (IfSG) auf den direkten oder indirekten Nachweis von WNV und sonstigen Arboviren ausgedehnt. Ein Nachweis erfolgt serologisch, durch PCR oder Virusanzucht, z. B. am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Ärzte können nach § 6 IfSG sowohl den Verdacht, die Erkrankung als auch den Tod durch ein virales hämorrhagisches Fieber melden. In Sachsen-Anhalt besteht überdies die Pflicht, Virusmeningitiden zu melden. Das dadurch erst mögliche Beobachten und Nachverfolgen von Virusmeningitiden unklarer Ursache durch die Gesundheitsämter Sachsen-Anhalts und durch den Fachbereich Hygiene des LAV kann dazu beitragen, erste humane West-Nil-Fieber-Fälle zu entdecken.

 

Kontakt:
Landesamt für Verbraucherschutz Sachsen-Anhalt
Fachbereich 2 Hygiene

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39104 Magdeburg
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Fax: 0391-2564-192
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Quellen: