Bastian Himpe zeigt an einem Modell, an welchen Teilen der Wirbelsäule Implantate eingesetzt werden können.
Bastian Himpe zeigt an einem Modell, an welchen Teilen der Wirbelsäule Implantate eingesetzt werden können.

Erstmalig in Mitteldeutschland hat ein Expertenteam der Orthopädischen Universitätsklinik Magdeburg eine Stabilisierung der Wirbelsäule ausschließlich mit Karbon-Implantaten durchgeführt.Der 68-jährige Patient aus Sachsen-Anhalt musste wegen einer Tumorerkrankung operiert werden, da alternative konservative und minimal-invasive Verfahren nicht mehr ausgereicht haben, um die Belastungsfähigkeit der Wirbelsäule wiederherzustellen.

„Karbon eignet sich wegen seiner hohen Elastizität, die dem natürlichen Knochen ähnlich ist, sowie seiner hohen Bruchfestigkeit hervorragend zur Entlastung und sicheren Wiederherstellung der Ausrichtung der Wirbelsäule“, berichtet Klinikdirektor Prof. Dr. Christoph Lohmann. Aufgrund der langjährigen Expertise der Orthopädischen Universitätsklinik in der Behandlung von Wirbelsäulen- und Tumorerkrankungen entschlossen sich daher die Spezialisten zum Einsatz des neuen Verfahrens. Für die Versorgung von Tumorpatienten bietet das innovative Implantatsystem aus Karbon viele Vorteile: Das Material hat einzigartige Eigenschaften bei der Aufnahme von Röntgen-Strahlen und MRT-Signalen. Im Gegensatz zu typischen Metallimplantaten ist es röntgentransparent und störungsfrei, das heißt, eine Verzerrung (Streustrahlung) oder Aufhärtung von Strahlenteilchen wird vermieden. Auch Magnetfelder, wie sie zur Diagnostik im MRT genutzt werden, werden durch Karbon deutlich weniger beeinflusst.

„Bislang werden Stabilisierungen oder Versteifungen der Wirbelsäule durch den Einsatz von Metalllegierungen wie Titan oder Kobalt-Chrom herbeigeführt. Bei Tumorpatienten ist aber hierdurch die Kontrolle auf eine mögliche lokale Tumor­ausbreitung erschwert“, berichtet Bastian Himpe, einer der wirbelsäulenchirurgisch tätigen Ärzte der Orthopädischen Universitätsklinik Magdeburg. Im Unterschied dazu verringern Karbon-Implantate die Umwandlung von therapeutischer radioaktiver Strahlung in zellschädigende Strahlung.

„Bei der Implantation bringen wir die Schrauben über einen knöchernen Kanal in die Wirbelkörper ein. Die radiologische Kontrolle der korrekten Schraubenposition wird über die äußere Beschichtung aus Titan ermöglicht“, erklärt der Wirbelsäulenchirurg Bastian Himpe weiter. „Ist im Verlauf der OP ein MRT notwendig, können wir den Bereich um die Schraube problemlos einsehen. Hierdurch kann in der Zukunft schädliche Strahlung vermieden und auf risikobehaftete Diagnostik wie die Myelographie, das ist eine Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel, verzichtet werden.“

Prof. Lohmann: „In Auswertung dieser Vorteile werden wir untersuchen, inwieweit das Verfahren auch bei degenerativen, also verschleißbedingten Wirbelsäulenleiden angewendet werden kann. Die Experten in der Forschungsabteilung unserer Klinik planen derzeit entsprechende Studien. Erste Ansätze sind vielversprechend.“

| Pi UKM
Foto: Elke Lindner/Uniklinik