In der weltweiten, mehr als 40 Staaten umfassenden Kinder- und Jugendgesundheitsstudie HBSC („Health Behaviour in School-aged Children“) der Weltgesundheitsorganisation WHO wurden am 26. September 2018 Daten zum Alkoholkonsum bei Kindern und Jugendlichen veröffentlicht.

Auch für Deutschland wurden diese Daten erhoben und durch das hallesche Institut für Medizinische Soziologie an der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität zur Verfügung gestellt. Institutsdirektor Prof. Dr. Matthias Richter leitet die HBSC-Studie seit 2015 in Deutschland. Weltweit konnte festgestellt werden, dass der Alkoholkonsum bei Kindern und Jugendlichen zurückgegangen ist.

Der Soziologe Prof. Richter erklärt: „Auch für Deutschland zeigt sich ein deutlicher Rückgang im Alkoholkonsum von 2002 bis 2014.“ Der wöchentliche Alkoholkonsum hat sich sowohl bei Mädchen als auch bei Jungen in der Zeit von 2002-2014 stetig reduziert und im Vergleich von 2002 (ca. 30 %) zu 2014 (ca. 13 %) sogar mehr als um die Hälfte verringert. Dabei konsumieren Jungen jedoch deutlich häufiger regelmäßig Alkohol als Mädchen. Damit liegt Deutschland im Vergleich zu anderen Erhebungs-ländern im unteren Mittel. Bier bleibt über die Zeit bei Mädchen, wie auch bei Jungen, das am meisten konsumierte alkoholische Getränk. Während Schnaps und Alkopops häufiger regelmäßig von Jungen getrunken werden, trinken Mädchen häufiger wöchentlich Wein. „Insgesamt zeigt sich jedoch, dass Jugendliche aus Familien mit hohem Wohlstand häufiger wöchentlich Alkohol trinken als Heranwachsende aus Familien mit niedrigem familiären Wohlstand.“ Der Unterschied beträgt fast 20 Prozentpunkte. Auch wenn im Trendvergleich ein Rückgang im Alkoholkonsum erkennbar ist, bleiben die sozioökonomischen Ungleichheiten über die Zeit bestehen.

Neben dem wöchentlichen Alkoholkonsum ist auch die Anzahl Jugendlicher, die angeben zwei- oder mehrmals in ihrem Leben betrunken gewesen zu sein, zwischen 2002 und 2014 deutlich zurückgegangen. Während im Jahr 2002 noch ca. 34 % der Mädchen und 44 % der Jungen angaben, mehrfach alkoholbedingte Rauscherfahrungen gemacht zu haben, sank die Zahl im Jahr 2014 auf knapp 23 % (Mädchen) bzw. 26 % (Jungen); international liegt Deutschland dennoch über dem internationalen Durchschnitt. Auch hier zeigen sich Unterschiede nach dem familiären Wohlstand: Jugendliche aus Familien mit höherem Wohlstand geben häufiger an, zwei- oder mehrmals im Leben betrunken gewesen zu sein, wobei diese Ergebnisse nur für Jungen signifikant sind.

Trotz dieser insgesamt positiven Nachrichten fordert die Weltgesundheitsorganisation, die Bemühungen zur Senkung des Alkoholkonsums mit einer stärkeren Regulierung des Einkaufs fortzuführen, einschließlich Mindestpreisen pro Einheit, der Durchsetzung des Mindestalters für den Kauf von Alkohol und der Begrenzung des Alkoholmarketings bei Musik- und Sportveranstaltungen sowie in den sozialen Medien.

Nähere Informationen zum Alkoholkonsum im Jugendalter können dem Report entnommen werden: www.t1p.de/who

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