zur Stellungnahme von Dr. Gerhard Hoh im Ärzteblatt Sachsen-Anhalt 11/2018, S. 33 zum Leserbrief von Prof. Dr. Frank P. Meyer im Ärzteblatt Sachsen-Anhalt 10/2018, S. 44

Ob es die Senkung des LDL-Cholesterines ist, die eine Ereignisreduktion begründet, ist nicht so sicher, wie Kollege Hoh es darstellt.

Letztlich ist es die Einnahme eines Statines, für die eine Ereignisreduktion als belegt gelten kann. Die Verwendung der relativen Risikoreduktion („20%ige Reduktion“) ohne Angabe von absoluten Risiken ist wertlos und weniger informativ als manipulativ. Die Senkung eines geringen Risikos um 20 % dürfte weniger relevant sein als die gleiche Senkung bei einem hohen Risiko.

Die Daten der (zwischenzeitlich in Frage gestellten – Deloughery/Prasad 2018) IMPROVE-IT-Studie zur Kombination Simvastatin und Ezetrol zeigen zwar eine deutlich stärkere Senkung des LDL-C unter der Kombination gegenüber Simvastatin allein. Allerdings bleiben Koronar-, Herz-Kreislauf- und auch Gesamtsterblichkeit von dieser Senkung unbeeinflusst. Lediglich nicht tödliche Infarkte, zu denen in der Studie auch Enzymanstiege nach Intervention gezählt werden, werden signifikant vermindert. Und dies in einer Größenordnung, in der 63 Patienten 6 Jahre zusätzlich mit Ezetrol behandelt werden müssen, um bei einem Patienten einen nicht-tödlichen Infarkt zu verhindern. Das heißt auch, dass 62 Patienten das Medikament sechs Jahre ohne Effekt einnehmen.

Die geschilderte Orientierung auf Laborwerte befremdet. Das Erreichen eines LDL-Zielwertes ist kein patientenrelevanter Endpunkt.

Dr. med. Ilja Karl
Facharzt für Allgemeinmedizin
Arendsee