Gruppenpsychotherapie in der Tagesklinik
(v. l.) Dr. med. H. Hopf, Dr. med. C. Bergunder, Prof. Dr. H. U. Schmidt, im Hintergrund Puppe Maurice Ravel aus der Puppentheater-Inszenierung „Konzert für eine taube Seele“

9. Tagesklinik-Symposium am 26.Oktober 2018 in den Räumlichkeiten des Puppentheaters auf der Kulturinsel Halle

Das Symposium im letzten Jahr stand im Zeichen des 25-jährigen Bestehens der Tagesklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des AWO Psychiatriezentrums Halle mit einem verhaltenstherapeutischen und tiefenpsychologisch orientierten Gruppenpsychotherapiekonzept.

Dies war uns Anlass, Resonanzen und Schwingungen in der tagesklinischen Arbeit in besonderer Weise einzufangen. Dafür konnten hervorragende vielseitige Experten gewonnen werden. Herr Dr. Herald Hopf, Vorsitzender der Deutschen Arbeitsgemeinschaft der Tageskliniken für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik (DATPPP e. V.) und Chefarzt der Tagesklinik Waldfriede und Privatklinik Nikolassee, stimmte unter dem Titel „Die Tagesklinik als Resonanzraum – was bringt Patienten in Schwingung?“ zunächst die fast 90 Teilnehmer mit Zimbel und Rassel ein und brachte sie dadurch in Schwung, eh er einen umfassenden Überblick dazu gab, wie tagesklinische Spezifika wirken. Zu diesen konnte er auch auf von ihm veröffentlichte Ergebnisse von Befragungen von 667 Tageskliniken in Deutschland zurückgreifen, was dann in höchst lebendigem Erfahrungsaustausch im Workshop in Bezug zu praktischen Erfahrungen der Teilnehmer gesetzt worden ist. Der besondere Resonanzraum Tagesklinik wurde hier sehr lebendig.

Teilnehmer des Symposiums
Teilnehmer des Symposiums

Herr Professor Hans Ulrich Schmidt trug mit seinem Referat „Gruppenmusiktherapie und ihre Schwingungen im psychotherapeutischen Prozess“ diese weiter zu dem Medium Musik, einer wichtigen Säule im Therapieprozess. Der Werdegang von Prof. Schmidt, eines Universalgelehrten mit Studium der Klavierpädagogik, der Musiktherapie, der Humanmedizin bis zum Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, mit leitenden Tätigkeiten sowohl im Bereich ärztliche Psychotherapie am UKL Hamburg-Eppendorf wie auch beim Masterstudiengang am Leopold-Mozart-Zentrum Augsburg, rief bei vielen Zuhörern Bewunderung hervor und bot ausgezeichnete Voraussetzungen für höchst differenzierte Einblicke zu den neusten Forschungsergebnissen und deren Interpretationen von Gruppenmusiktherapie. Speziell zum Thema der Behandlung von Patienten mit Borderline-Störung wurde der hohe Stellenwert der Musiktherapie als nonverbale Kommunikationsmöglichkeit innerhalb des gruppentherapeutischen Settings in den Workshop-Diskussionen gewürdigt. Ein weiterer Workshop richtete sich in traditioneller Weise dem innigen Anliegen der Veranstalter, das Augenmerk auf die Lebendigkeit der Zusammenarbeit im multiprofessionellen Team zu richten. So standen praktische Übungen im Vordergrund im Sinne einer Selbsterfahrung mit non- und paraverbalen Expressionsübungen mit Fokus auf Atmung und Bewegung im tagesklinischen Gruppensetting.

Der Workshop-Leiter André Borchardt, staatlich geprüfter Atem,- Sprech- und Stimmlehrer und als Psychologe (M. Sc.) in unserer Tagesklinik tätig, schaffte, gemeinsam mit der Stationsleiterin Frau Anke Reinhardt, ausreichend Raum für die Reflektion des Erlebten und für Anregungen zur Wirkungsweise der Übungen und zu ihren Umsetzungen in der Tagesklinik.

Mit dem Puppentheaterstück „Konzert für eine taube Seele – ein Spiel für Ragna Schirmer und Puppen“ schloss sich der thematische Kreis künstlerisch in geradezu einmaliger Weise. Beim Zusammentreffen von einer Ausnahmepianistin und Puppenspielern waren die Teilnehmer zu dem Exkurs eingeladen, nicht nur die Innenräume der Seele von Maurice Ravel zu betreten. Diese Inszenierung des Puppentheaters Halle, in der Regie von Christoph Werner, sei den Lesern des Ärzteblattes an dieser Stelle ausdrücklich empfohlen nach der einhellig begeisterten Resonanz der Symposiumsteilnehmer. Diesen wird auch der atemberaubende Blick auf die Türme von Halle von der Terrasse des Casinos aus, wo das Buffet eingenommen werden konnte, in Erinnerung bleiben. Wir würden uns freuen, wenn die Schwingungen und Resonanzen dieses Symposiums in den therapeutischen Alltag der Beteiligten nachhallen.

Korrespondenzanschrift:
Dr. med. Cornelia Bergunder
Amtierende Chefärztin
AWO Psychiatriezentrum Halle
Zscherbener Straße 11
06124 Halle (Saale)
E-Mail: cornelia.bergunder@awo-sachsenanhalt.de

Fotos: AWO Psychiatriezentrum Halle