Hallesche OP-Wochen
Live aus dem OP in den Hörsaal: Das ist das Prinzip der „Halleschen OP-Wochen“

Ein Highlight für die Studierenden der Medizinischen Fakultät und der Auszubildenden in den Gesundheitsfachberufen der Universitätsmedizin Halle (Saale) waren zweifelsohne die „Halleschen OP-Wochen“. Diese gingen im letzten Jahr am 19. November 2018 bereits zum fünften Mal an den Start. Zwei Wochen lang wurde jeweils von Montag bis Donnerstag, immer zwischen 18 und 20 Uhr eine Operation live aus dem Zentral-OP in den Hörsaal des Universitätsklinikums Halle (Saale) übertragen.

Allen Veranstaltungen war neben der Übertragung auch der Lehrcharakter – auch im Sinne der interprofessionellen Lehre – gemein, denn im Hörsaal saßen angehende Humanmediziner, Zahnmediziner, Gesundheits- und Pflegewissenschaftler sowie Auszubildende zusammen. Die jeweiligen Fälle wurden anonymisiert vorgestellt und hinsichtlich des Krankheitsbildes, der zugrundeliegenden Anatomie und Pathophysiologie sowie der Therapieprinzipien und der OP-Technik erläutert. Die Studierenden und Auszubildenden konnten Fragen stellen, die entweder von den Moderatoren im Hörsaal beantwortet oder an den/die Operateur/in direkt im OP gerichtet wurden, denn die Übertragung war nicht einseitig. Die Patientinnen und Patienten haben im Vorfeld zugestimmt, dass ihre OP gezeigt werden darf. „Neben dem Einsatz der Kolleginnen und Kollegen für die OP-Wochen gebührt daher auch der Dank unseren Patientinnen und Patienten, die in für sie nicht leichten Situationen bereit sind, sich für die wissenschaftliche und praktische Ausbildung zur Verfügung zu stellen. Das ist wirklich großartig“, sagte Prof. Stefan Plontke, Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie und Initiator der OP-Wochen.

Diesmal standen im Zeitraum vom 19. bis 22. November eine Operation an der Halsschlagader (Carotis), eine Schulterarthroskopie, eine herzchirurgische OP (Aortenklappe oder Bypass) und eine hörverbessernde Mittelohr-Operation auf dem Stundenplan. In der zweiten Woche waren dann eine zervikale Nukleotomie (Bandscheiben-Operation) und eine laparoskopische Hysterektomie, das heißt die Entfernung der Gebärmutter mittels minimal-invasiver Schlüssellochtechnik, eingeplant sowie die roboterassistierte Entfernung eines Nierentumors und eine Keratoplastik, das heißt eine Hornhaut-Operation am Auge, bei der ein Transplantat eingesetzt wird. „Die OP-Wochen haben wir geschaffen, weil die Studierenden im Laufe ihrer Ausbildung aus Kapazitätsgründen und wegen der Struktur des Studiums nicht die Möglichkeit haben, bei allen denkbaren Eingriffen selbst mit im Operationssaal zu stehen. Mit der Live-Übertragung ist es aber fast so, als wären sie direkt dabei, weil auch jeder Handgriff vom Operateur erklärt wird und sie dazu Fragen stellen können“, sagte Plontke. Die aktuellen Termine eingerechnet sind den Studierenden und Auszubildenden dann seit Beginn der Veranstaltungsreihe mehr als 40 Eingriffe gezeigt worden.

Die „Halleschen OP-Wochen“ zeichnen sich durch hohes persönliches Engagement der mitwirkenden Ärztinnen und Ärzte als Operateure und Moderatoren, der gesamten OP-Teams, des Dorothea Erxleben Lernzentrums Halle und insbesondere der Technikabteilungen des Universitätsklinikums aus und sind in ihrer Form nahezu einzigartig in der deutschen Universitätsmedizin-Landschaft.

| Pi UKH

Foto: Fotostelle UKH