Das Gruppenbild der Absolventinnen und Absolventen im Foyer des Löwengebäudes der MLU bildete den Abschluss der Veranstaltung
Das Gruppenbild der Absolventinnen und Absolventen im Foyer des Löwengebäudes der MLU bildete den Abschluss der Veranstaltung

180 Studierende der Medizin haben im Frühjahr und Herbst 2018 ihr Studium an der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg beendet. Sie wurden am Samstag, dem 26. Januar 2019, feierlich verabschiedet. Der Festakt fand in der Aula des Löwengebäudes der Universität Halle statt.

Nach einer musikalischen Einführung sowie Begrüßung durch den Dekan, Prof. Dr. Michael Gekle, löste der Lehrpreisträger 2018, Prof. Dr. Stefan Plontke, seine „Gewinnschuld“ ein. „Kein Preis ohne Preis“, sagte er und übernahm gern den Festvortrag. In diesem ging er auf die Entwicklung der Medizin am Beispiel seiner Fachdisziplin, der Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde, ein.

Nach einem geschichtlichen Abriss, der auch die Verdienste hallescher Vertreter des Fachs würdigte, gab er einen Einblick in den Stand der Medizin heute. Hörimplantate, Mittelohrprothesen, aber auch neue Therapiemethoden bei angeborener oder erworbener Gehörlosigkeit, robotergestützte Operationen, die Immuntherapie im Allgemeinen, aber auch Prävention von Krankheiten und der individuelle Anteil daran insgesamt spielten dabei eine Rolle.
Selbst Martin Luther und Star Trek (Raumschiff Enterprise, natürlich!) waren Teil des Vortrags, letzteres wegen der schon vor Jahrzehnten von Gene Roddenberry erdachten Vision von Medizinscannern für den Menschen zur Früh(st)erkennung. Doch dass dies auch Fragen aufwirft – beispielsweise wie weit Genmanipulation gehen darf oder ob wir irgendwann Cyborg-ähnliche Kreaturen sein werden – und zudem das Gesellschaftskonstrukt im Sinne einer Daseinsfürsorge in der Gesundheitsversorgung wichtig ist, ließ Plontke nicht außer Acht. Immerhin gebe es bereits heute Apps, die vorgeben, die Ärztin oder den Arzt ersetzen zu können. Deshalb komme der Wissenschaft ein großer Stellenwert, aber auch große Verantwortung zu, beispielsweise im Verhältnis von Qualität versus Quantität von Forschung und Studien oder Geld versus Kreativität, so Plontke.

Die Präsidentin der Ärztekammer Sachsen-Anhalt richtete ein Grußwort an die neuen Kolleginnen und Kollegen
Die Präsidentin der Ärztekammer Sachsen-Anhalt richtete ein Grußwort an die neuen Kolleginnen und Kollegen

Dr. Simone Heinemann-Meerz, die Präsidentin der Ärztekammer Sachsen-Anhalt, wandte sich ebenfalls an ihre neuen „Kolleginnen und Kollegen“. Sie ging auf den Status des Arztberufes und die Stellung der medizinischen Versorgung ein. Die Voraussetzungen angesichts des Ärztemangels seien für Absolventinnen und Absolventen so gut wie lange nicht, aber die Kommerzialisierung der medizinischen Versorgung aufgrund privater Krankenhauskonzerne problematisch zu sehen. „Betrachten Sie Ihre universitäre Ausbildung nach heutigem Standard als Privileg“, appellierte sie an die frischgebackenen Ärztinnen und Ärzte.

Gleichzeitig kritisierte sie aber auch, dass die gegenwärtigen Entwicklungen im Gesundheitswesen scheinbar einfach hingenommen werden. „Das alles läuft ohne merkbaren Protest der Öffentlichkeit. Auch die Studenten sind still“, sagte sie und ergänzte, dass man sich in dem Zusammenhang ein bisschen die 68er zurückwünsche, da hätte es mehr „Rabatz“ gegeben.

Heinemann-Meerz gab zum Schluss ihren neuen Kolleginnen und Kollegen noch den ein oder anderen Rat mit auf den Weg, so beispielsweise auf die eigene Gesundheit zu achten, trotz oder gerade auch wegen aller Umstände selbstbestimmt zu bleiben, kritisch gegenüber politischen Entscheidungsträgern zu sein, immer die aktuellen Leitlinien ihres Fachgebietes zu kennen, die Patienten wertschätzend zu behandeln und sich immer wieder gern an ihre Studienzeit in Halle zu erinnern – „insbesondere auch wegen der Dozenten und Professoren – denn bessere und nettere finden Sie nicht mehr“.

Ihrer Rede folgten dann die Glückwünsche des Studiendekans, Prof. Dr. Matthias Girndt, an die Absolventinnen und Absolventen sowie ein paar Worte dieser in Vertretung von Wiebke Dettmer.

| Pi UKH

Fotos: Fotostelle UKH