Die Kongressteilnehmer sahen den OP-Teams live zu (Foto: Ferring Arzneimittel GmbH)
Die Kongressteilnehmer sahen den OP-Teams live zu (Foto: Ferring Arzneimittel GmbH)
400 Urologen und Gäste aus ganz Deutschland schauten aus einem Kongress-Saal in Mannheim gespannt zu, als am 8. Februar 2019 in drei großen Krankenhäusern der Bundesrepublik live operiert wurde, darunter auch in der Universitätsklinik für Urologie und Kinderurologie Magdeburg. PD Dr. Uwe-Bernd Liehr, stellvertretender Klinikleiter, berichtet: „In der Universitätsklinik Gießen, der Asklepios Klinik Altona und bei uns liefen jeweils acht Operationen, die so zugeschnitten wurden, dass fachkundige Zuschauer in Mannheim die Highlights der jeweiligen Operation auf einer großen Leinwand anschauen konnten.“ Dies war ein gigantischer Aufwand und er betont: „Die operativen Eingriffe wurden dabei über eine Zentrale zusammengeschaltet. Zwei Moderatoren führten durch die Veranstaltung und kommentierten die schnell wechselnden Filmsequenzen und befragten die Operateure live während ihrer Arbeit am OP-Tisch. Auch die Zuschauer konnten jederzeit ihre Fragen stellen.“
 
Durch genau abgestimmte Teamarbeit konnten alle OPs reibungslos ablaufen (Foto: Melitta Dybiona)
Durch genau abgestimmte Teamarbeit konnten alle OPs reibungslos ablaufen
(Foto: Melitta Dybiona)

Direkt aus Magdeburg sahen die Kongress-Teilnehmer spezielle laparoskopische und roboterassistierte Eingriffe, moderne uro-radiologisch-bildgeführte Therapien der Niere, Fokale Therapien der Prostata sowie Verfahren moderner Prothetik wie die Implantation eines künstlichen Harnleiters, ein Verfahren, welches speziell in der Universitätsmedizin Magdeburg europaweit führend durchgeführt wird. Hintergrund des Events war der 2010 ins Leben gerufene UroClub, der sich in den vergangenen Jahren als ansprechende und innovative Veranstaltungsreihe im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und OP-Techniken in der Urologie und Uro-Onkologie etabliert hat.

Prof. Dr. Martin Schostak, Direktor der Universitätsklinik für Urologie und Kinderurologie Magdeburg, wertete die Live-Übertragung als große Anerkennung und auch Herausforderung: „Auch beim Operieren gibt es so etwas wie Lampenfieber.“ PD Dr. Liehr erklärt, warum: „Man operiert und kommuniziert im Team, muss aber gleichzeitig auf die Fragen aus dem Kongress-Saal reagieren. Er zitiert den Kommentator: „Wir schalten live nach Magdeburg, jetzt kommt die heiße und entscheidende Phase…, Herr Liehr welche Schritte gehen Sie jetzt, erklären Sie bitte, warum so und nicht althergebracht…?“ Nach Meinung aller Teilnehmer ist genau dieses „Auf-die-Finger-schauen“ das Spannende. Eben wenn die „verschiedenen-Wege-nach-Rom“ von den Experten öffentlich diskutiert werden.

Aus dem Satellitenwagen wurde live nach Mannheim gesendet. Das MDR-Fernsehen berichtete in der Sendung „Sachsen-Anhalt heute“ über den Kongress und die OP-Übertragungen (Foto: MDR Sachsen-Anhalt)
Aus dem Satellitenwagen wurde live nach Mannheim gesendet. Das MDR-Fernsehen berichtete in der Sendung „Sachsen-Anhalt heute“ über den Kongress und die OP-Übertragungen (Foto: MDR Sachsen-Anhalt)

Doch wie plant man ein solches Mammut-Projekt? Erfolgreich war dies nur durch eine sehr gute Vorbereitung: Im Vorfeld mussten die Operationen koordiniert und mit den anderen Krankenhäusern abgestimmt werden, schließlich wollten wir verschiedene OPs zeigen. Weiterhin entstanden im Vorfeld Videosequenzen von minimal-invasiven Eingriffen, die von Radiologen und Strahlentherapeuten in Zusammenarbeit mit der urologischen Universitätsklinik entwickelt und durchgeführt werden. Diese wurden dann hier vor Ort live kommentiert in Mannheim eingespielt. Eine weitere Herausforderung war die logistische Planung von jeweils zwei Patienten für die entsprechenden OPs, denn Ausfälle sollten aufgrund von plötzlichen Krankheiten oder anderen Erfordernissen unbedingt vermieden werden. Das Entscheidende während dieser Ausnahmesituation war vor allem das gut organisierte Zusammenspiel aller Beteiligten: „Da sich die OP-Teams sehr gut eingearbeitet und vorbereitet hatten und die Operateure sich in den entscheidenden Momenten auf alle verlassen konnten, gestalteten sich die OP-Verläufe, wie man sich diese in solch einem Setting wünscht: Alles lief, wie am Schnürchen – das war einfach großartig! Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle nochmal an die OP-Teams, aber auch an das Team der Schwestern und Pfleger im OP-Saal und auf den Stationen. Ebenfalls bedanken möchte sich das Team der Urologie bei den Anästhesie-Teams, welche durch ihre punktgenauen Narkosen überhaupt erst die Staffelung der OP-Highlights ermöglichten“, betont PD Dr. Liehr.

Ziel der Universitäts-Urologen ist eine hochprofessionell-individuelle und patientenorientierte Behandlung. Dies konnten die Universitäts-Urologen via Satellit live in Mannheim zeigen: „Es muss nicht immer gleich ‚geschnitten‘ werden, wir entscheiden dies für jeden Patienten individuell. Viele von den gezeigten, sehr speziellen Operationen sind Therapieempfehlungen, welche in unserer neu entwickelten Sprechstunde URBIT (Uro-Radiologisches Zentrum für bildgeführte Diagnostik und Therapie) mit den Patienten gemeinsam erarbeitet wurden. Hier beraten wir unsere Patienten und finden in unserer gut gefüllten ‚Therapie-Toolbox‘ für jeden Patienten die optimale Therapie.“
 
| Pi UKM