Die Thoraxchirurgie ist ein selbständiges chirurgisches Fachgebiet mit eigener Facharztausbildung und organisiert sich national wie international in eigenständigen Fachgesellschaften. Die Gründung einer Abteilung für Thoraxchirurgie und Schaffung einer W3 Professur für Thoraxchirurgie innerhalb der Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie im Jahre 2017 war Ausdruck einer zunehmenden Differenzierung der Klinik und Spezialisierung in einen kardio-vaskulären und einen thorako-onkologischen chirurgischen Schwerpunkt. In der Universitätsmedizin Magdeburg komplettiert die Abteilung Thoraxchirurgie das bereits durch die Universitätskliniken für Pneumologie, interventionelle Radiologie, Nuklearmedizin, Strahlentherapie und Pathologie geschaffene Behandlungsangebot für Patienten mit Lungenerkrankungen.

Die Abteilung Thoraxchirurgie wird von Beginn an von Prof. Dr. med. Thorsten Walles geleitet. „In der Thoraxchirurgie werden neben Patienten mit Lungenkarzinomen und anderen Lungenleiden auch viele Patienten mit anderen Tumorerkrankungen behandelt, die im Verlauf ihrer Erkrankung Metastasen in der Lunge oder in der Pleura bilden. Deshalb müssen wir Thoraxchirurgen uns – mehr als andere chirurgische Teildisziplinen – bei der Behandlung unserer Patienten mit sehr vielen onkologischen Fachgebieten abstimmen, z. B. Viszeralchirurgie, Urologie, Dermatologie, Onkologie und Endokrinologie. Die Bündelung all dieser Fachgebiete im Zentralklinikum der Universitätsmedizin Magdeburg ist wegen der hierdurch entstehenden kurzen Abstimmungswege für uns ein sehr großer Vorteil.“ Im Rahmen von Tumorboards und täglich stattfindenden Konsilen kann so mit den behandelnden Kollegen der unterschiedlichen Fachgebiete die optimale Behandlung für jeden Patienten erarbeitet und zeitnah realisiert werden.

Der Großteil der in der Thoraxchirurgie behandelten Patienten hat jedoch Tumore, Infektionen oder Verletzungen der Lunge und wird primär durch die Universitätsklinik für Pneumologie betreut. Deshalb wurde die Bettenstation der Thoraxchirurgie im Zentralklinikum der Universitätsmedizin Magdeburg, dem Haus 60a, an die bestehende Station der Universitätsklinik für Pneumologie gekoppelt. Die Assistenzärzte für Pneumologie und Thoraxchirurgie arbeiten in zwei Arztzimmern direkt nebeneinander – und sind dabei mit einer Tür verbunden. Bei fachspezifischen Fragen beispielsweise im Rahmen einer Visite wird der Kollege aus der Nachbarabteilung buchstäblich an das Bett des Patienten geholt. „Durch die enge Verzahnung der Lungenmedizin und der Lungenchirurgie ist auf dem Campus ein Lungenzentrum entstanden und die Patienten profitieren von der Expertise beider Fachbereiche.“, so Prof. Dr. med. Jens Schreiber, Direktor der Universitätsklinik für Pneumologie.


Minimalinvasive Operationsverfahren und erweiterte Resektionen

Das Leistungsspektrum der Abteilung umfasst die gesamte Thoraxchirurgie inklusive der Luftröhrenchirurgie. „Dank der rasanten Weiterentwicklung der videoassistierten Thoraxchirurgie in den letzten 10 Jahren können wir alle Frühstadien des Lungenkarzinoms mittlerweile in minimalinvasiver Schlüsselloch-Operationstechnik operieren.“, umfasst Prof. Dr. Walles sein Behandlungsspektrum. Bei diesen Operationen wird die Brustkorbhöhle nicht mehr mit Rippenspreizern eröffnet und die Eingriffe sind für die Patienten weniger belastend. Die Patienten erholen sich deutlich schneller von den Operationen und können die Klinik deshalb in der Regel innerhalb einer Woche wieder verlassen. Wenn nach der Operation eine weitere onkologische Therapie erforderlich sein sollte, kann diese dann auch mit wenig zeitlicher Verzögerung kurz nach der Operation begonnen werden. Durch die minimalinvasive Chirurgie werden so auch Operationen bei Patienten sicher durchführbar, denen man aufgrund von Begleiterkrankungen in der Vergangenheit von einer Operation abgeraten hat.

Dank der minimalinvasiven Operationsverfahren können in vielen Kliniken in Deutschland thoraxchirurgische Operationen mit guten Ergebnissen durchgeführt werden. Eine unlösbare Aufgabe für viele Kliniken stellen jedoch Patienten mit sehr großen Tumoren des Brustkorbs dar. Lange und ausgedehnte Operationen erfordern eine aufwändige intensivmedizinische Nachbehandlung. Häufig erfordert die Entfernung von tumorbefallenen Geweben wie Wirbelsäule, Speiseröhre, Aorta oder Nervenplexus die Zusammenarbeit mit Chirurgen anderer Fachgebiete. Prof. Dr. Walles wurde für solche Operationen an einer der führenden deutschen Spezialkliniken ausgebildet und er schätzt das kollegiale Miteinander am Universitätsklinikum Magdeburg: „Uns stehen am Standort für die Operationsplanung alle diagnostischen Möglichkeiten inklusive MRT und PET-Bildgebung und CT-gesteuerten Biopsieverfahren zur Verfügung. So ist es uns möglich, das erforderliche Resektionsausmaß vor einer Operation sehr genau festzulegen und zu entscheiden, ob eine Operation sinnvoll und durchführbar ist.“ Seit 2017 wurden so unterschiedliche Operationen unter Beteiligung von HNO-, Gefäß-, Allgemein-, Viszeral-, Unfall-, Neuro- und Plastischen-Chirurgen sowie Orthopäden durchgeführt. Dank dieser Expertise finden zunehmend auch Patienten aus anderen Bundesländern den Weg nach Magdeburg. Durch die sehr enge Kooperation mit den herzchirurgischen Klinikpartnern ist es der Magdeburger Thoraxchirurgie auch möglich, Operationen mit Einsatz der Herz-Lungen-Maschine durchzuführen und Patienten mit einem Lungenversagen zu betreuen. „In unserer Klinik arbeiten Herzchirurgen und Thoraxchirurgen eng zusammen und ergänzen sich in Ihrer fachlichen und chirurgischen Expertise. Dieses Miteinander werden wir – zusammen mit der guten Kooperation mit unseren internistischen Partnern – in dem neu entstehenden Herzzentrum strukturell ausbauen.“, führt der Klinikdirektor Prof. Dr. Wippermann aus. 

Operation eines Mediastinaltumors mit dem DaVinci Operationsroboter
Abb. 1: Operation eines Mediastinaltumors mit dem DaVinci Operationsroboter
A: Die Operationsinstrumente werden von dem Chirurgen mittels hochsensibler Steuerungsinstrumente gelenkt. B: Die Instrumente und die Operationskamera werden über kleine Schnitte zwischen den Rippen seitlich in den Brustkorb eingeführt. Dem Patienten wird so eine Brustbein-Eröffnung erspart.

Operationsroboter und Laserchirurgie

Seit Einführung des DaVinci-Operationsroboters durch die Universitätsklinik für Allgemein-, Viszeral-, Gefäß- und Transplantationschirurgie am Universitätsklinikum Magdeburg in 2017 werden auch durch die Thoraxchirurgie Operationen mit diesem High-TechSystem durchgeführt (Abb. 1).

„Tumore im Mittelfellraum, dem Mediastinum, können mit dem Operationsroboter onkologisch radikal und in minimalinvasiver Operationstechnik entfernt werden und vielen Patienten wird so eine Sternotomie erspart.“, erläutert der Chefarzt. Dank der präzisen Operationstechnik brauchen viele Patienten am Ende der Operation keine Drainagen mehr und kehren nach der Operation zurück auf die Normalstation. Der daVinci-Operationsroboter wird gemeinsam mit den Chirurgen, Urologen und Gynäkologen genutzt. Für den Einsatz des Operationsroboters wurde eigens ein Ärzte- und Pflegeteam für die Thoraxchirurgie geschult.

Lungenmetastasen werden mittels eines Lasers entfernt
Abb. 2: Lungenmetastasen werden mittels eines Lasers entfernt
A: Das Ärzte- und Pflegeteam trägt bei den Operationen Schutzbrillen, um die Augen vor den Laserstrahlen zu schützen. B: Lungenmetastasen können dank des Lasers sehr gewebesparend aus der Lunge entfernt werden. Das Lungengewebe wird durch den Laser gleichzeitig wieder versiegelt.

Weiterhin werden in der Abteilung der Universitätsmedizin Magdeburg auch Lungenresektionen mittels Laser durchgeführt (Abb. 2).

Die Entfernung der oft zahlreichen Lungenmetastasen infolge von colorektalen Karzinomen und Nierentumoren sowie von Osteosarkomen ist so sehr gewebeschonend für die Lunge möglich. Die Patienten profitieren von einer gewebesparenden Lungenresektion und einer deutlich schnelleren Ausheilung der operativen Lungenverletzungen. „Die Entscheidung, ob eine Resektion von Lungenmetastasen sinnvoll ist, hängt maßgeblich von dem Volumen des zu resezierenden Lungengewebes ab und kann nicht an der Anzahl der Metastasen festgemacht werden.“, erläutert Dr. med. Henning Busk, Oberarzt der Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie und Spezialist für Laserbehandlungen am Herzen.

Eng vernetzt in Klinik und Ambulanz

Viele Patienten mit thoraxchirurgischen Krankheitsbildern werden in der Abteilung Thoraxchirurgie durch externe Kliniken und niedergelassene Fachärzte vorgestellt und mitunter von ihren Hausärzten geschickt. Oft ist bei der ersten Vorstellung noch nicht klar, ob ein Patient einen bösartigen Tumor hat oder ob es sich möglicherweise doch um eine gutartige Lungenveränderung oder mediastinale Raumforderung handelt. In Abhängigkeit von der vorliegenden Befundkonstellation werden die weiteren diagnostischen Schritte organisiert, um die Diagnose zu sichern und die weitere Therapie festlegen zu können. Bei einigen Patienten wird im Rahmen des stationären Aufenthalts ein diagnostischer Eingriff durchgeführt und die Diagnose kann erst gestellt werden, wenn der Patient bereits wieder in die ambulante Betreuung entlassen worden und die pathologische Untersuchung des OP-Präparates abgeschlossen ist. Mitunter müssen die Patienten dann für die weitere Behandlung in anderen Abteilungen oder externen Kliniken vorgestellt werden.

Für viele Tumorentitäten existiert in der Universitätsmedizin Magdeburg ein eigenes Tumorboard. Patienten mit Tumorerkrankungen werden in dem für sie zuständigen Tumorboard vorgestellt und diskutiert. „Der Weg in die Thoraxchirurgie und wieder hinaus ist für viele Patienten nicht geradlinig. Wir möchten unsere Patienten vom Vorgespräch über die stationäre Behandlung bis zur Nachkontrolle begleiten.“, so Prof. Walles. Um dies zu gewährleisten, unterhält die Abteilung Thoraxchirurgie eine eigene ambulante Sprechstunde, in der sich neue Patienten mit ihren Befunden zunächst ambulant vorstellen. Alle Patienten werden 4 Wochen nach ihrer Entlassung aus der stationären Behandlung noch einmal untersucht. Hier wird dann sichergestellt, dass alle Untersuchungsergebnisse vollständig vorliegen, der Patient über seine Behandlung vollständig informiert wurde und – wo erforderlich – die weiteren Behandlungsschritte eingeleitet sind. Bei Patienten mit Tumorerkrankungen wird die weitere onkologische Nachsorge organisiert und zum Teil auch in Eigenregie durchgeführt. Die Thoraxambulanz ist darüber hinaus Anlaufstelle für alle Patienten mit postoperativen Problemen.


Besondere Herausforderungen in einem Zentrum der Maximalversorgung

Beruflicher Werdegang von Prof. Dr. med. Thorsten Walles, FETCSDie Universitätsklinik ist nicht zuletzt dank der durch die Universitätsklinik für Unfallchirurgie geschaffenen Strukturen ein überregionales Traumazentrum. Als Haus der Maximalversorgung werden hier Patienten aus der Stadt Magdeburg, dem Umland der Stadt, dem nördlichen Sachsen-Anhalt sowie angrenzenden Bundesländern nach schweren Verletzungen und Polytraumatisierung behandelt.

Die Abteilung Thoraxchirurgie spielt hier eine zentrale Rolle bei der Behandlung von Patienten mit thorakalen Organverletzungen, insbesondere bei akuten intrathorakalen Blutungen. Eine besondere Expertise hat die Abteilung bei der Behandlung von Patienten mit komplexen Brustwandverletzungen (Rippenserienfrakturen, Flail Chest) entwickelt. Je nach Dringlichkeit werden Verletzungen bereits in der Notaufnahme oder in den ersten Stunden nach der stationären Aufnahme behandelt. Instabile Brustwände können mit speziellen Operationsverfahren stabilisiert werden, um dem Patienten ein künstliches Koma und eine Beatmung zu ersparen. Patienten mit anhaltenden thorakalen Problemen nach einer schweren Brustkorbverletzung stellen sich in der ambulanten Thorax-Sprechstunde vor.

In der Universitätskinderklinik werden jährlich 3.000 Patienten stationär behandelt. Mitunter müssen bei den kleinen Patienten wegen Lungenfehlbildungen oder thorakalen Tumoren Operationen am Brustkorb durchgeführt werden. Die Abteilung Thoraxchirurgie führt diese Eingriffe bei Säuglingen und Kindern durch. Die Kinder bleiben für die Dauer der Behandlung in den Händen der Spezialisten der Universitätskinderklinik.

Abteilung Thoraxchirurgie der Universitätsmedizin Magdeburg:
http://www.kchh.ovgu.de/Thoraxchirurgie.html

Korrespondenzanschrift:
Prof. Dr. med. Thorsten Walles, FETCS Universitätsmedizin Magdeburg
Abteilung Thoraxchirurgie
Leipziger Straße 44
39120 Magdeburg
Tel:. 0391/67-21905
Fax: 0391/67-21906
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Fotos: Universitätsmedizin Magdeburg (UMMD)