Hornhautbank MCH
Die Vortragenden des Halleschen Hornhautsymposiums in der Aula des Löwengebäudes (v. l. n. r.): Sebastian Bäurle, Prof. Dr. Hans-Gert Struck ML, Dipl.-Biol. Diana Wille, Dr. Erik Chankiewitz, Prof. Dr. Arne Viestenz, Martin Börgel, Dr. Anja Viestenz, Prof. Dr. Thomas Hammer, Dr. Andrea Huth, Dr. Jens Heichel, Prof. Dr. Jutta Herde


Ohne gesunde Hornhaut könne auch die beste Netzhaut kein Bild generieren, betonte der Dekan der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Prof. Dr. Michael Gekle in seinem Grußwort. In den zurückliegenden 20 Jahren wurden fast 10.000 Hornhäute kultiviert. Der Dekan betonte den genossenschaftlichen Aspekt der „Gewebebank“, denn sie agiert nicht profitorientiert: In die „Bank“ werden zwei Hornhäute eines Spenders gegeben. Diese werden kultiviert und die Pumpzellen der Hornhaut gepflegt und ernährt – bis sie zur Transplantation freigegeben wird. Dann heben zwei Empfänger je eine Hornhaut von der „Bank“ ab. Wenn wir aber von einer Bank reden, so soll diese doch ein positives Ergebnis vorweisen – worin besteht dies? Der Dekan verweist auf den gesellschaftlichen Mehrwert: Im November 2018 wurde dank der Mitteldeutschen Corneabank Halle (MCH) die 4000ste Hornhaut am UKH transplantiert. Durch die wiedergewonnene Sehkraft der Patienten steigt die Lebensqualität, Selbständigkeit und so mancher vorher Erblindete kann wieder sehen.

Martin Börgel, der Geschäftsführer der gemeinnützigen Deutschen Gesellschaft für Gewebetransplantation, betonte, im mitteldeutschen Raum ist die MCH die einzige und eine der ältesten Hornhautbanken und zählt zu den größten fünf Gewebebanken. Mit 74 Prozent transplantierbaren Hornhäuten nimmt sie in der Bundesrepublik einen Spitzenplatz ein. Die Zustimmungsquote zur Augenhornhautspende für die DGFG und MCH liegt bei 38 Prozent.

Der Direktor der Universitätsaugenklinik Halle Prof. Dr. Arne Viestenz dankte den Gründern der Mitteldeutschen Hornhautbank (MCH) Prof. Dr. Gernot Duncker, Dr. Timm Bredehorn-Mayr und Prof. Wilhelm für den gelungenen Aufbau und den MTA der MCH. Er stellte neue Verfahren der Transplantation wie Limbustransplantation, Semilunar-DALK und die Pol-zu-Pol-Chirurgie vor.

Ein historischer Rückblick zeigte die über 100 Jahre andauernden chirurgischen Versuche, eine menschliche Hornhaut zu transplantieren und diese auch zu kultivieren. Die Hornhautchirurgie wandelt sich zur Hochpräzisions-Chirurgie. Seit 2018 setzen die Augenärzte am UKH in Halle einen Excimer-Hochpräzisionslaser bei der Hornhauttransplantation – insbesondere bei Keratokonus oder irregulären Hornhautnarben – ein.

Dekan Prof. Dr. Michael Gekle (Mitte) hielt das Grußwort der Medizinischen Fakultät zum 20-jährigen Bestehen der Halleschen Hornhautbank MCH.
Dekan Prof. Dr. Michael Gekle (Mitte) hielt das Grußwort der Medizinischen Fakultät zum 20-jährigen Bestehen der Halleschen Hornhautbank MCH.

Je dünner, desto besser: Prof. Dr. Thomas Hammer/Halle und Dr. Erik Chankiewitz/Bremen zeigten mittels intraoperativer OCT-Technologie, wie ultradünne Zellschichten (DMEK) transplantiert werden und die Hornhaut so aufklart. Das Verfahren nach Chankiewitz ermöglicht die Transplantation des Endothels auch bei linsenlosem Auge. Die aktuelle Leitlinie zu Hornhautverätzungen unter Mitwirkung des UKH wurde vorgestellt: Die Spülung ist als Sofortmaßnahme immer noch Mittel der ersten Wahl. Chirurgische Verfahren bis hin zur Übernähung von Bindehaut oder einer Putschkovskaya-Plastik, wie in Halle nach vielen Chemieunfällen praktiziert, sowie Steroideingaben können Augenlicht retten. Sollte die Hornhaut eintrüben, kann die auf 1 µm auflösende konfokale Mikroskope zeitnah Pilze oder Einzeller in der Hornhaut detektieren. Dr. Jens Heichel/Halle betonte: Eine Hornhaut kann nur dann transparent bleiben, wenn die Lider zur Benetzung und zum Schutz der Hornhaut beitragen. Eine Symbiose, die in Halle gängige Praxis ist. Die Halleschen Augenspezialisten kooperieren interdisziplinär und auch überregional.

In der Podiumsdiskussion sprachen sich die Referenten für den gemeinnützigen Aspekt der Gewebespende sowie gegen Organ- und Gewebehandel aus. Nur mit kooperativen, gemeinnützigen Strukturen kann die Patientenversorgung mit Hornhauttransplantaten in Deutschland verbessert werden.

Und was kann die reiche Bundesrepublik für Schwellenländer tun? Nächstes Jahr reisen Prof. Viestenz, Prof. Wilhelm und Martin Börgel zur befreundeten Augenklinik CEPRECE nach Peru, um vor Ort Hilfe zur Selbsthilfe und zum Aufbau einer Hornhautbank zu leisten.

Anschrift der Autoren:
Prof. Dr. med. Arne Viestenz
Direktor der Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde
Universitätsklinikum Halle
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Ernst-Grube-Str. 40
06120 Halle (Saale)

Kristin Becke, M. A.
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation gGmbH
Feodor-Lynen-Str. 21
30625 Hannover

Fotos: Frau Nancy Horn, Fotografin der Univ.-Augenklinik Halle, UKH