Dipl.-Med. Gitta Friedrichs vor der Klinik (Foto: privat)
Dipl.-Med. Gitta Friedrichs vor der Klinik (Foto: privat)

Am 06.07.2004, also vor fast genau 16 Jahren, wurde die Rehabilitationsklinik für Abhängigkeitserkrankungen Alte Ölmühle in Magdeburg feierlich eröffnet. Ich durfte der Eröffnung in meiner damaligen Funktion als Prüfärztin und Gutachterin der DRV Mitteldeutschland als Gast beiwohnen und hätte zu diesem Zeitpunkt nicht im Traum daran gedacht, diese Klinik einmal zu leiten. Die Inbetriebnahme der Fachklinik in dem denkmalgeschützten, vom Architekten Tessenow in den 30er Jahren als Verwaltungsbau entworfenen und nunmehr neu gestalteten, Gebäude war ein Meilenstein in der Rehabilitation Abhängigkeitskranker in Mitteldeutschland. Bis dahin waren gerade die nördlichen Regionen unseres Bundeslandes völlig unterversorgt, die Betroffenen wurden nach Elbingerode oder in andere Bundesländer vermittelt. Mit der Eröffnung des neuen Kompetenzzentrums für Abhängigkeitserkrankungen war es nun möglich, neben der stationären Rehabilitation auch die ganztägig ambulante (tagesklinische) und die ambulante Rehabilitation wohnortnah durchzuführen.

Das Angebot wurde im Jahre 2005 komplettiert durch die „Adaption“ als wichtiges Bindeglied zwischen der stationären Rehabilitation und dem Leben danach mit beruflicher Wiedereingliederung und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Die Adaption befand sich zunächst im Hauptgebäude, ist aber seit 2009 in einem separaten Wohnhaus in der Berliner Chaussee untergebracht, direkt gegenüber dem Hauptgebäude. Dort leben die Rehabilitanden in Wohngruppen, wobei jeder sein eigenes Zimmer bewohnt. Nur Küche und Bad werden gemeinsam genutzt. Während der Adaption werden soziale Kompetenzen zur eigenständigen Lebensführung trainiert und die Erwerbsfähigkeit unter realen Arbeitsbedingungen im Rahmen von Praktika in Unternehmen der Region getestet und gestärkt. Häufig mündet dies in einem festen Arbeitsverhältnis, was wir als einen Erfolg unserer Arbeit ansehen.

Von 2004 bis 2008 wurden in der „Alten Ölmühle“ ausschließlich alkoholabhängige Frauen und Männer therapiert. Dann wurde das Spektrum um die Indikation Medikamentenabhängigkeit erweitert und 2012 kam die Abhängigkeit von illegalen Drogen hinzu. Somit wurde fortan der gesamte Bereich der sogenannten „stoffgebundenen Süchte“ abgedeckt. Natürlich werden auch Folge- und Begleiterkrankungen mitbehandelt. Dazu steht ein multiprofessionelles Team, bestehend aus Ärzten, Psychologen, Sozialpädagogen, Krankenschwerstern, Ergo-, Physio- und Sporttherapeuten, Ernährungsberatern sowie Kunst- und Musiktherapeuten zur Verfügung.

Baustelle an der Klinik (Foto: privat)
Baustelle an der Klinik (Foto: privat)

Im Jahre 2012 wurde die Klinik vom SRH Konzern übernommen, dessen Dachgesellschaft die SRH Holding, eine private, gemeinnützige Stiftung des bürgerlichen Rechts mit Sitz in Heidelberg ist. Der Übergang vollzog sich für die Mitarbeiter der Klinik vollkommen komplikationslos, die inhaltliche Arbeit mit den Rehabilitanden konnte wie gewohnt fortgesetzt werden.  

Ich habe mich im Sommer 2008 dazu entschieden, die Rentenversicherung zu verlassen und wieder kurativ tätig zu sein. Ich suchte nach einer neuen beruflichen Herausforderung, die ich ab Januar 2009 in der Fachklinik Alte Ölmühle fand. Als Oberärztin konnte ich über viele Jahre gemeinsam mit dem damaligen Chefarzt Herrn Dr. Forschner und dem Leitenden Therapeuten Herrn Obendiek das Konzept unter Würdigung der Ergebnisse der modernen Psychotherapieforschung weiterentwickeln und gestalten. Gern denke ich an die jahrelange gute Zusammenarbeit zurück! Herr Obendiek hat zwischenzeitlich eine neue berufliche Herausforderung gesucht und gefunden und Herr Dr. Forschner ging im letzten Jahr in den wohlverdienten Ruhestand. Ich habe mich dann nach einer kurzen Übergangszeit dazu entschlossen, die Position der Chefärztin zu übernehmen. Ein Chefarztwechsel geht stets mit Verunsicherung und Turbulenzen einher, was wir aber dank langjährig hier tätiger und sehr erfahrener Mitarbeiter gut gemeistert haben. An dieser Stelle möchte ich mich beim gesamten Team der Ölmühle bedanken für die Unterstützung und den unermüdlichen Einsatz auch in schwierigen (wie z. B. Corona-)Zeiten!

„Zukunftsbild“ Alte Ölmühle (Foto: pbr AG [pbr Planungsbüro Rohling AG, Büro Magdeburg])
„Zukunftsbild“ Alte Ölmühle (Foto: pbr AG [pbr Planungsbüro Rohling AG, Büro Magdeburg])

Abschließend noch ein kurzer Ausblick in die Zukunft. In den kommenden zwei Jahren entsteht auf dem Gelände der SRH Fachklinik Alte Ölmühle ein moderner Anbau mit neuen Therapieräumen sowie weiteren 44 Rehabilitandenzimmern, sodass die Unterbringung unserer Rehabilitanden dann ausschließlich in Einzelzimmern erfolgen wird. Die Zimmer werden wie Hotelzimmer ausgestattet sein, natürlich einschließlich eigener Duschbäder. Der erste Spatenstich erfolgte im März 2020. Geplant ist die Inbetriebnahme des Neubaus Anfang 2022. Die Baumaßnahme hier am Standort Magdeburg stellt eine wichtige Investition in die Zukunft dar. Mit dem Neubau berücksichtigen wir die Bedürfnisse suchtkranker Rehabilitanden. Die SRH Fachklinik Alte Ölmühle wird somit auch in Zukunft eine qualitativ hochwertige Rehabilitation von Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen erbringen.

Dipl.-Med. Gitta Friedrichs
SRH Medinet Fachklinik Alte Ölmühle
Berliner Chaussee 66, 39114 Magdeburg
Tel.: 0391/8104-0
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