MR Prof. Dr. med. habil. Udo Mey
MR Prof. Dr. med. habil.
Udo Mey

* 16. Juli 1933 – † 6. Dezember 2020

Tief betroffen erfuhren ehemalige Mitarbeiter und Weggefährten, dass Prof. Udo Mey nach schwerer Krankheit am 6. Dezember 2020 verstorben war.

Er wurde am 16. Juli 1933 in Zella-Mehlis als Sohn eines Büchsenmachers geboren. Udo Mey besuchte die Schule von 1939 bis 1951 und legte sein Abitur ab. In dieser Zeit war er ein sehr erfolgreicher Zehnkämpfer. Auch war er musisch interessiert und erhielt Klavierunterricht. Später konnte er mit seinen musikalischen Fähigkeiten zusätzliche Lebensmittelmarken erspielen. Nach dem Abitur begann er dann sein Medizinstudium am 01.09.1952 an der Universität in Jena.
Im Oktober 1954 wechselte er zum weiteren Studium an die Medizinische Akademie nach Erfurt. Ziel und Traum war für ihn die Tätigkeit als umfassend ausgebildeter Landarzt. Sein jüngerer Bruder wurde Geologe.

Am 19.11.1957 legte Udo Mey die ärztliche Prüfung ab und begann die Pflicht­assistentenzeit. 1958 verteidigte er seine Promotion A mit Untersuchungen zum Kalium- und Natriumgehalt verschiedener Anteile des Myokards. Am 1. Januar 1958 erhielt er seine Approbation. Nun entschloss er sich, Internist in der von dem namhaften Prof. Dr. August Sundermann geleiteten Klinik an der Medizinischen Akademie Erfurt zu werden. Er fühlte sich in der Klinik so wohl, dass er nach der abgeschlossenen Weiterbildung zum Facharzt für Innere Medizin im Jahre 1964 an der Klinik blieb und mit dem Thema „Immunologische Aspekte bei chronischen Lebererkrankungen“ im Oktober 1969 habilitiert wurde.

Nachdem er 1973 zunächst einen Ruf nach Magdeburg ablehnte, wurde er am 1. September 1974 auf den Lehrstuhl für Innere Medizin und zum Direktor der Medizinischen Klinik an der Medizinischen Akademie Magdeburg (MAM) berufen. Er galt für alle Mitarbeiter als ruhiger, zuhörender Chef, der den Konsens in der Klinik suchte. Im Mittelpunkt seiner Tätigkeit standen Fragestellungen auf dem Gebiet der Hämatologie, Hämostaseologie und der Immunologie. Zur Stärkung der hämatologischen Abteilung kam OA Dr. Roland Fuchs mit nach Magdeburg. 1979 vollendete Prof. Mey die Gründung der Abteilung für Experimentelle Innere Medizin, um die Forschungsarbeit zu intensivieren. Es wurde Doz. Dr. rer. nat. habil. Siegfried Ansorge nach vielen Widerständen als erster Leiter berufen. 1983 blieb OA Fuchs nach einer Dienstreise in der Bundesrepublik. Eine Rückholaktion, an der Prof. Mey teilnehmen musste, blieb erfolglos. Viel Freude bereitete ihm die Ausbildung der Studenten und die Vermittlung eines humanistischen Gedankengutes.

Er war Mitglied in zahlreichen medizinischen Gesellschaften seines Fachgebietes, u. a. Sekretär der Gesellschaft für Hämatologie und Bluttransfusion der DDR und aktiv tätig in der Gesellschaft für Chemo- und Immuntherapie der DDR. In der Zeit von 1972 bis 1988 war er Ratsmitglied der International Society of Haematology. Prof. Mey hatte die Gelegenheit, dienstlich im Ausland Dinge kennen zu lernen, die ihm den internationalen Horizont erweiterten. Besonders wohl fühlte er sich in Österreich.

1985 wird er zum Medizinalrat ernannt und er heiratete das zweite Mal. In diesem Jahr wird ein junger Mann in der Klinik aufgenommen, der nach Klinik und Anamnese eine HIV-Erkrankung haben könnte. Damals quasi ein Tabuthema! Während einer Dienstreise wird Untersuchungsmaterial in Österreich untersucht und die Diagnose bestätigt. Im übervollen Hörsaal der Kinderklinik an der MAM werden im Rahmen der Medizinischen Gesellschaft diese Ergebnisse veröffentlicht. Zur gleichen Zeit verkündet der Gesundheitsminister der DDR Prof. Dr. Ludwig Mecklinger in Genf bei der WHO in einem Vortrag, dass es in der DDR keine HIV-Erkrankungen gäbe. Später wird Prof. Mey der Straftatbestand der illegalen Warenausfuhr vorgeworfen. Im selben Jahr verstirbt eine Patientin nach der Rückverlegung aus Bettenmangel in das periphere Krankenhaus, ein offenbar weiterer Anlaß für juristische Implikationen. 1986 wurde ein Disziplinarverfahren und 1987 ein Strafprozeß eingeleitet. Am 04.09.1987 wurde Prof. Mey beurlaubt. Nach erstem Freispruch wurde er im August 1989 vor dem obersten Gericht der DDR zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Am 12.12.1991 erfolgte der Freispruch. Zwar war dieser eine späte Genugtuung nach schwierigen Zeiten, aber es ergaben sich daraus keine Vorteile für Prof. Mey. Niemals aufzugeben, war für ihn damals besonders wichtig.

In Magdeburg arbeitete er tageweise ab 1988 in der Poliklinik Mitte. Schon im Januar 1990 ließ er sich in eigener Praxis als hausärztlicher Internist mit dem Schwerpunkt Hämatologie nieder. Der Kontakt mit seinen Patienten bereitete ihm viel Freude und er gab diese Praxis ungern am 31.03.2018 auf. Vermisst hat er in all den Jahren die Tätigkeit als Hochschullehrer mit der Ausbildung der Studenten und die Möglichkeit der Forschungsarbeit.

Im Jahre 2009 wurde Prof. Mey das Ehrenzeichen der Ärztekammer Sachsen-Anhalt in Anerkennung seiner Leistungen in Forschung, Lehre und Krankenversorgung verliehen. Über all die Jahre fand er zu jeder Tageszeit Entspannung an seiner Eisenbahnanlage, wo er umfangreich und ungefragt basteln konnte.

Die ehemaligen Mitarbeiter und Wegbegleiter wünschen gerade in Corona-Zeiten der Familie viel Kraft bei der Trauerbewältigung und alles erdenklich Gute. Wir wollen sein Andenken vorbildhaft als Arzt in Erinnerung behalten!

Dr. Hans-Peter Bosselmann,
Prof. Dr. Walter Brandstädter